Coburg
OB-Wahl

Kandidatenkür bei Coburger SPD: Happy End für Dominik Sauerteig

Die SPD nominierte ihren OB-Kandidaten im Kino - passend dazu wurde dem Publikum ein echter Thriller geboten. Da wurde für kurze Zeit sogar das reichlich verteilte Popcorn stehen gelassen.
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Dominik Sauerteig nimmt auf dem Weg zur Bühne bereits erste Glückwünsche entgegen.Foto: Oliver Schmidt
Dominik Sauerteig nimmt auf dem Weg zur Bühne bereits erste Glückwünsche entgegen.Foto: Oliver Schmidt
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Seit bald 30 Jahren stellt die SPD in Coburg den Oberbürgermeister. Damit dies auch nach der Kommunalwahl am 15. März 2020 so bleibt, müssen alle in der Partei an einem Strang ziehen - zumindest darin waren sich alle einig, die am Samstag in den Kinosaal Nummer 9 des "Utopolis" gekommen waren. Bei der Frage, wer bei der Kommunalwahl an führender Stelle ins Rennen gehen soll, gingen die Meinungen allerdings auseinander.

Dass es bei der Kür des OB-Kandidaten zu einer Kampfabstimmung zwischen Thomas Nowak und Dominik Sauerteig kommen würde, war zwar seit einigen Wochen bekannt. Doch dann wurde es sogar noch sehr viel spannender als gedacht. Abstimmen durften ausschließlich die 28 Delegierten der SPD-Ortsvereine - und im ersten Wahlgang kam es prompt zum Patt: 14:14! Ein zweiter Wahlgang wurde erforderlich.

Kurze Popcorn-Pause

Im Kinosaal herrschte eine knisternde Spannung. Obwohl am Eingang reichlich Popcorn verteilt worden war: Unmittelbar vor der Verkündung des Ergebnisses traute sich keiner mehr zu knabbern. Und dann: 16 Stimmen für Dominik Sauerteig, nur 12 für Thomas Nowak.

Während Thomas Nowak ohnehin in seinem Sessel sitzen geblieben war, hatte sich Dominik Sauerteig nach ganz oben und hinten in den Kinosaal verzogen. Von dort schritt er dann strahlend die Treppe herab und nahm bereits erste Glückwünsche entgegen. Sein direkter Weg führte ihn zu Thomas Nowak. Etwas verhalten, aber dennoch freundschaftlich nahmen sich die beiden Kontrahenten in den Arm.

Der noch amtierende SPD-Oberbürgermeister Norbert Tessmer überreichte Dominik Sauerteig eine Filmklappe. Auf dass dem Happy End bei der Nominierung für Sauerteig ein solches auch bei der OB-Wahl am 15. März 2020 folgen möge. "Wir müssen jetzt gemeinsam an einem Strang ziehen", rief Dominik Sauerteig den mehr als hundert Besuchern zu.

In seiner Vorstellungsrede hatte Dominik Sauerteig für ein "soziales und ökologisches Coburg" geworben, als Fundament für alles jedoch die wirtschaftliche Stärke genannt. Er räumte ein, dass es vielleicht manchen wundern würde, wenn er als Gewerkschaftsjurist so etwas sage. Aber: "Auch Gewerkschafter verstehen etwas vom Wirtschaftsleben!" Sauerteig appellierte, die Region Coburg in einer "konzertierten Aktion" noch viel stärker als gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum zu bewerben - "und zwar ohne im Bremserhäuschen zu sitzen, ohne Formalismus und Überbürokratisierung."

Klein Bombay im Coburger Land?

Vielleicht, müsse man auch mal "verrückte Wege" gehen, sagte Sauerteig und verwies auf Hoppstädten-Weiersbach. Der kleine Ort im Hunsrück hat sich wirtschaftlich enorm gestärkt, indem ein ehemaliges Kasernenviertel zu einem Wohn- und Handelszentrum für Chinesen umgebaut wurde. Sauerteigs Gedanke dazu: "Von Chinatown mitten im Hunsrück zu Klein Bombay in der Region Coburg?" Was genau er damit meinte, sagte Sauerteig allerdings nicht.

Ein klares Bekenntnis gab Dominik Sauerteig für den Klinikverbund Regiomed ab. Es sei "elementar für die öffentliche Daseinsvorsorge", dass die Krankenhäuser in kommunaler Hand bleiben. Es sei aber wichtig, strukturelle Änderungen vorzunehmen und den Aufsichtsrat mit Fachleuten zu besetzen. Auch plädierte er für einen Klinik-Neubau auf der Lauterer Höhe.

Zu den weiteren Themen, die Sauerteig streifte (bezahlbarer Wohnraum, mehr Grün in der Stadt, Kampf gegen Armut und für Chancengleichheit, Mobilitätskonzept), gehörte auch die Energiepolitik. Ein "erhebliches Potenzial" sieht er bei der Fernwärme. Als "kühne Vision" nannte er eine Energieautarkheit des Coburger Landes. Außerdem plädierte Dominik Sauerteig dafür, dass bereits jetzt keine Stadtbusse mehr mit konventionellen Dieselantrieben angeschafft werden. Beim CEB sollte geprüft werden, ob Müllwagen und Straßenkehrmaschinen schnell auf umweltfreundlichere Antriebsarten umgestellt werden können.

Sehr offen ging Sauerteig mit einem Vorwurf um, der gelegentlich zu seiner Person geäußert wird: "Mir ist durchaus bewusst, dass ich zu Beginn des Wahlkampfs und wahrscheinlich auch am Ende nicht der persönlich bekannteste, der smarteste oder derjenige Kandidat mit dem schönsten Dauerlächeln sein werde. Das entspricht nicht meinem Naturell." Darauf komme es seiner Meinung nach aber auch nicht an. "Worauf es ankommt, ist es, authentisch und menschlich zu bleiben und die Bodenhaftung nicht zu verlieren."

Als Seitenhieb auf den Radiomoderator Thomas Apfel, der wohl OB-Kandidat von Pro Coburg wird, konnte folgende Bemerkung verstanden werden: "Wer meint, politische Quereinsteiger ohne Anbindung an Landes- und Bundespolitik oder Beschäftigung mit dieser könnte mühelos langjährig politische aktive Menschen ersetzen, der verkennt die Notwendigkeit, in Bundes- und Landespolitik Weichen zu stellen für die Kommunalpolitik." Und: "Wer annimmt, als Seiteneinsteiger alles besser zu können, der verkennt gnadenlos den Wert langatmiger politischer Arbeit."

Begeisterter Radfahrer

Dominik Sauerteig gehört seit 2014 dem Stadtrat an. Ehrenamtlich engagiert ist er unter anderem als Vorsitzender des Vereins Hartz und Herzlich, der in Coburg ein Sozialkaufhaus betreibt, sowie als Finanzvorstand bei der Coburger Schülerverbindung Ernestina. Sein größtes Hobby ist Radfahren.

Thomas Nowak: "Ich hätte es gerne gemacht"

Elf Jahre Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, knapp sechs Jahre Dritter Bürgermeister, dazu lange Zeit an der Spitze des Stadtjugendrings, des SV Hut Coburg sowie aktuell des Kirchenvorstands von St. Johannes: Thomas Nowak hatte seine kommunalpolitische Erfahrung sowie auch sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement in die Waagschale geworfen - doch das alles sollte nicht reichen. Entsprechend enttäuscht zeigte sich der 51-Jährige nach der knappen Niederlage. "Ich hätte es gerne gemacht", sagte er in einer ersten Stellungnahme.

Und wie geht's jetzt weiter? Bereits im Vorfeld hatten Thomas Nowak und Dominik Sauerteig erklärt, im Falle einer Niederlage den jeweils anderen unterstützen und auch auf der SPD-Stadtratsliste, die nächsten Samstag beschlossen wird, an prominenter Stelle kandidieren zu wollen. In seiner Bewerbungsrede hatte Nowak betont: "Wir werden das Jahr 31 einer sozialdemokratisch geprägten Kommunalpolitik in Coburg nur einläuten können, wenn wir alle gemeinsam dafür kämpfen - ich bin dabei, am liebsten als euer OB-Kandidat." Unmittelbar nach der Abstimmungsniederlage wurde Nowak mit der Frage konfrontiert, ob er es sich vorstellen könne, auch nach der 2020er Wahl noch hauptamtlicher Bürgermeister und Sozialreferent zu sein. "Das ist derzeit alles offen", sagte Nowak.

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