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Diskussion

Kandidaten auf dem Prüfstand: Großer Andrang beim Coburger Regionentalk zur Landratswahl

Wie rund 700 Zuhörer im Coburger Kongresshaus die Diskussion mit sechs Kandidaten auf dem Podium zur Landratswahl erleben.
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#Der Regionentalk zur coburger Landratswahl lockte rund 700 Besuchs ins Kongresshaus. Veranstalter waren das Coburger Tageblatt, Radio Eins, ITV Coburg und die Sparkasse Coburg-Lichtenfels.Foto: Ronald Rinklef
#Der Regionentalk zur coburger Landratswahl lockte rund 700 Besuchs ins Kongresshaus. Veranstalter waren das Coburger Tageblatt, Radio Eins, ITV Coburg und die Sparkasse Coburg-Lichtenfels.Foto: Ronald Rinklef
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Eines ist seit Dienstagabend schon mal klar: Christian Gunsenheimer hat bei seinen Mitbewerbern um den Posten des Coburger Landrats die Nase vorne. Gleich drei - Sebastian Straubel (CSU/Landvolk), Martin Stingl (SPD) und Martin Truckenbrodt (ÖDP) - würden mit dem Kandidaten der Freien Wähler gerne einen Spaziergang machen und dabei über politische Themen diskutieren. Das hat die "Vorschlussrunde" beim Regionentalk "Auf den Punkt" im Kongresshaus ergeben.

Würden alle miteinander - wie es sich Dagmar Escher (Grüne) vorstellte - gemeinsam rauf auf die Sennigshöhe und wieder runter zu einem "Absacker" in den Wiesenfelder "Lindenhof" gehen, müsste man keine Handgreiflichkeiten befürchten. Auch das zeigte die Diskussion als Gemeinschaftsveranstaltung der Sparkasse Coburg-Lichtenfels, Coburger Tageblatt, Radio Eins und i-TV.

30 Sekunden Zeit für die Antworten

Die Stimmung auf dem Podium war aufgeräumt, mit Christian Gunsenheimer und Sebastian Straubel klatschten zwei der Favoriten bei der Wahl sogar immer wieder freundschaftlich ab. Sechs Kandidaten und gleich mehrere spannende Themen, die das Coburger Land in den Jahren bewegen werden - da ließ das Moderatoren-Duo Oliver Schmidt (Coburger Tageblatt) und Thomas Apfel (Radi Eins) den Bewerbern allerdings auch nicht die Zeit, um sich in Klein-Klein oder gar persönlichen Angriffen zu verlieren. 30 Sekunden bei einfachen Themen, 60 bei schwierigeren Sachverhalten mussten genügen.

Natürlich war Platz für Eigenwerbung, sogar gleich am Anfang. Da durfte Sebastian Straubel betonen, dass er sich mit 35 Lebensjahren "genau im richtigen Alter" für den Landratsjob fühlt und in Lautertal mehr als das Problem der Zukunft des Rottenbacher Dorfteiches gelöst hat. Und Martin Stingl, der vermeintlich "verlängerte Arm" von Neustadts OB Frank Rebhan? Der hatte nur auf diese Provokation gewartet: "Einen Stingl steuert niemand. Ich mache mein Ding alleine." Christian Gunsenheimer, konfrontiert mit seiner Abwahl als Bürgermeister von Weitramsdorf und dem immer noch verbliebenen gesunden Selbstbewusstsein, räumte ein: "Ich bin über Fehler gestrauchelt, aber wieder aufgestanden."

ÖPNV-Jahreskarte?

Wer zu einer Landratswahl antritt, der darf auch Visionen haben. Michael Höpflinger, AfD-Mann, hat wohl noch die guten, alten Siemens-Zeiten seiner Heimatstadt Neustadt in Erinnerung, wenn er eine Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung fordert. Vielleicht gelinge es ja dann, ein "großes Unternehmen" zur Neuansiedlung im Coburger Land zu bewegen.

Ansonsten herrscht beim Statement-Stakkato oft Einigkeit: Schön ist er, der Landkreis Coburg. Diese Erkenntnis vermehrt in die Welt hinaus zu tragen, ist eine Aufgabe, die alle Kandidaten irgendwann mal erwähnen - von Michael Höpflinger (aus Publikumssicht ganz links) bis Martin Truckenbrodt am anderen Flügel.

Einmal zuckte dann doch Konfliktpotenzial auf: beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Da verwies Straubel auf den erst diese Woche von Ministerpräsident Markus Söder gemachten Vorschlag, im Coburger Land als Pilotregion die ÖPNV-Jahreskarte für 365 Euro im Jahr anzubieten. Martin Stingl rechnete prompt hoch, dass der Landkreis da mit 900000 Euro Eigenanteil mit im Boot wäre - also sei Söders Idee "reine Augenwischerei". Christian Gunsenheimer, der immerhin einmal am Tag (um 7.02 Uhr) mit dem Bus von Schlettach nach Coburg kommen würde, will den ÖPNV zum "Wohlfühlprodukt" machen: "Mit dem Bus zu fahren, muss einfach wieder richtig geil sein."

"Erfrischend und aufschlussreich"

Brave Kandidaten waren sie, alle sechs. Kein einziges Mal musste das Moderatoren-Duo ernsthaft eingreifen, weil jemand seine 30/60 Sekunden allzu üppig verlängerte. Dr. Martin Faber, Vorsitzender des Sparkassen-Vorstandes, war am Ende der Veranstaltung zufrieden damit, "einen Überblick über Kandidaten und Themen" bekommen zu haben. Tiefer in die Diskussion hinein zu kommen, das sei - da gab sich Faber keinen großen Illusionen hin - bei sechs Kandidaten und 90 Minuten schlicht nicht möglich: "Es will ja jeder mal zu Wort kommen."

Der Mann, dem die Sechs vom Podium nachfolgen wollen, fand den Abend "erfrischend und aufschlussreich". Michael Busch saß ganz vorne im Kongresshaus und fühlte sich ein seiner Einschätzung bestätigt, "wer was drauf hat und wer nicht". Ein bisschen vermisse er schon die lokalen Themen, räumte der in den Münchner Landtag gewechselte ehemalige Landrat im Gespräch mit dem Tageblatt ein: "Ich habe mich bei den Podiumsdiskussionen zu den Kommunalwahlen wohler gefühlt als zuletzt bei der Landtagswahl."

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