Coburg
Nominierung

Kampfabstimmung bei der AfD: Höpflinger ist Landratskandidat

Michael Höpflinger ist jetzt auch ganz offiziell der AfD-Kandidat für die Landratswahl am 27. Januar. Die Nominierung erfolgte aber nicht einstimmig.
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Die AfD ist bereit für den Landratswahlkampf (von links): Kreisvorsitzender Martin Böhm, Landratskandidat Michael Höpflinger, der unterlegene Kandidat Thomas Stark und Versammlungsleiter Michael Gebhardt. - Foto: privat
Die AfD ist bereit für den Landratswahlkampf (von links): Kreisvorsitzender Martin Böhm, Landratskandidat Michael Höpflinger, der unterlegene Kandidat Thomas Stark und Versammlungsleiter Michael Gebhardt. - Foto: privat
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Am Sonntag, 27. Januar 2019, wählen die Bürger des Landkreises Coburg einen neuen Landrat. Die Wahl wurde erforderlich, weil der bisherige Amtsinhaber Michael Busch (SPD) in den bayrischen Landtag gewechselt ist.

Nach Sebastian Straubel (CSU) ist nun mit Michael Höpflinger (AfD) der zweite Kandidat offiziell nominiert worden. Die SPD will Martin Stingl ins Rennen schicken (Nominierung am 24. November), die Freien Wähler setzen auf Christian Gunsenheimer (Nominierung am 14. November). Auch die Grünen werden wohl einen eigenen Kandidaten aufstellen - beziehungsweise vielleicht eine Kandidatin. So wird gemunkelt, dass die engagierte Kämpferin gegen einen Flugplatz-Neubau, Dagmar Escher, nominiert werden könnte. Nicht ausgeschlossen sind auch Kandidaten von FDP und ÖDP.

Zur Nominierungsversammlung der AfD war die Presse nicht eingeladen. Stattdessen verschickte der Kreisvorsitzende Martin Böhm am Freitag eine Pressemitteilung. In dieser heißt es, dass Michael Höpflinger aus Neustadt "mit 93 Prozent Zustimmung" nominiert worden sei. Als interner Gegenkandidat war auch Thomas Stark aus Ebersdorf angetreten.

Michael Höpflinger ist Vorsitzender des AfD-Ortsverbands Neustadt.

In seiner Bewerbungsrede kritisierte Höpflinger vor allem Michael Busch, wie aus der Pressemitteilung herauszulesen ist. So habe Höpflinger gesagt, dass das Coburger Landratsamt in der Vergangenheit meistens von "aufrechten Sozialdemokraten" geführt worden sei - in den letzten Jahren sei es jedoch "von Eitelkeiten und dem Ausleben von Animositäten geprägt" gewesen.

Landrat zu sein bedeute für Höpflinger laut Pressemitteilung nicht nur, "Visionen für den Landkreis zu entwickeln und diesen bestmöglich zu vernetzten". Nein, Landrat zu sein bedeute auch, "als erster unter Gleichen Mitarbeitern und Bürgern Vorbild zu sein".

Nach der für Höpflinger erfolgreich verlaufenen Abstimmung bedankte er sich bei seinem Gegenkandidaten Thomas Stark. Dieser habe - so steht es zumindest in der Pressemitteilung - bereits in seiner Bewerbungsrede betont, im Falle seines Unterliegens Höpflinger "mit aller Kraft" zu unterstützen. Darüber freute sich allen voran Martin Böhm, der in der Pressemitteilung wie folgt zitiert wird: "Genau dieser Geist des Zusammenstehens ist es, der die AfD so stark macht und Bürger beeindruckt."

Böhm stichelte auch gegen den Neustadter OB Frank Rebhan (SPD), der ja bekanntlich entgegen vieler Spekulationen nicht ins Rennen um die Busch-Nachfolge geht. Rebhan wolle wohl "eine zweite Niederlage nach der im Bezirk vermeiden", so Böhm, um für die Kommunalwahlen 2020 "nicht ganz verbrannt zu sein". Hintergrund: Bei der jüngsten Bezirkstagswahl hatte CSU-Kandidat Sebastian Straubel überraschend deutlich gegen Martin Rebhan das Direktmandat gewonnen; Rebhan schaffte auch über die Liste nicht den Sprung in den Bezirkstag, wo er zuletzt immerhin Vorsitzender der SPD-Fraktion war.

Und Böhm wird in der Pressemitteilung noch mit weiteren kämpferischen Aussagen zitiert. So würden es "Altparteikandidaten aus AfD-Hochburgen", und zu denen zählt er auch Neustadt, künftig wesentlich schwerer haben, sich auf kommunaler Ebene Mehrheiten zu organisieren. Denn: "In München stehen neben mir weitere 21 Landtagsabgeordnete bereit, denen kein Weg zu weit ist, um ein rotes Landratsamt in das konservativ-patriotische Spektrum zurück zu begleiten."

Laut Pressemitteilung fragte ein Teilnehmer der Nominierungsversammlung, wie sich die AfD im Falle einer durchaus wahrscheinlichen Stichwahl positionieren werde. Böhm und Höpflinger äußerten sich dazu nicht. Böhm merkte allerdings grundsätzlich mit Blick auf seine ersten Tage als Landtagsabgeordneter in München an: "Smalltalk mit Mittag und Baumgärtner verläuft wesentlich erfrischender als solcher mit Busch." Dazu interessant: Der Kronacher CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner hat eine rechtsradikale Vergangenheit, von der er sich allerdings offiziell distanziert hat. Martin Mittag ist Kreisvorsitzender der CSU Coburg-Land und seit dieser Woche, wie Böhm, ebenfalls Landtagsabgeordneter.



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