Coburg
Begegnung

Kammerkonzert in der Hochschule Coburg: Erinnerungsvoll in die Zukunft lauschen

Das Etikett "Coburgs ungewöhnlichster Konzertsaal" dürfte nach diesem Abend endgültig vergeben sein.
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Viel Beifall gab es für ein Konzert im Strömungslabor der Hochschule Coburg (von links: Jeany Park-Blumenroth, Barbara Zeller und Nina Janßen-Deinzer.)Foto: JJochen Berger
Viel Beifall gab es für ein Konzert im Strömungslabor der Hochschule Coburg (von links: Jeany Park-Blumenroth, Barbara Zeller und Nina Janßen-Deinzer.)Foto: JJochen Berger
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Zwischen seltsam aussehenden riesigen Apparaturen, umrahmt von Kabelkanälen und blitzenden Rohren an den Wänden nehmen Musiker mit Geige, Cello und Klarinette sowie am Flügel Platz.

Vois Ospald bis Brahms

Das Strömungslabor der Coburger Hochschule ist als Rahmen ebenso ungewöhnlich wie das Programm, das das unerschrocken neugierige Publikum zu hören bekam: Schönberg zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Johannes Brahms und dem zeitgenössischen Komponisten Klaus Ospald, der derzeit als "Composer in Residence" an der Hochschule Coburg zu Gast ist.

Schönberg zum Auftakt

Unter Leitung der Coburger Pianistin Barbara Zeller hatte ein Musiker-Sextett ein Programm unter dem Motto "Gegen den Takt" erarbeitet. Am Anfang und letztlich doch mitten drin als "Scharnier" (Zeller): Arnold Schönberg. Seine drei Klavierstücke Opus 11, 1908 entstanden und längst deklariert als "Meilenstein der Musikgeschichte", spielte Barbara Zeller mit konzentriertem Nachdruck, mit großer Expressivität gleich doppelt - jeweils zum Anfang des ersten und zweiten Teils.

Schwelgen im Wohlklang

Von Johannes Brahms, in Schönbergs berühmtem Essay als "Brahms, der Fortschrittliche" apostrophiert, folgte das 1. Klaviertrio H-Dur in der zumeist gespielten revidierten Fassung. Dieses Schwelgen im Wohlklang, das doch stets formal in Balance gehalten wird, interpretierten Jeany Park-Blumenroth, Johannes Keltsch und Barbara Zeller klangvoll und zugleich klar in den Konturen.

"Traumes Wirren"

Nach der Pause dann der Schritt in die Gegenwart: Klaus Ospalds Trio für Violine, Klarinette und Klavier. Das 1994/95 entstandene Werk mit dem Titel "Traumes Wirren" unternimmt klangliche Exkursionen in schroff zerklüftete Regionen - zwischen erregt bewegten kurzen Passagen und ruhigen, beinahe schwebenden Abschnitten, zwischen zartesten, fast zerbrechlichen Klängen und Momenten größter Intensität.

Die junge Geigerin Hannah Solveij Gramß, die Klarinettistin Nina Janßen-Deinzer und der Jung-Pianist Frédéric Otterbach schenkten Ospalds Trio höchste Konzentration und vehementer Gestaltungswillen und wurden dafür am Ende mit heftigem Beifall belohnt.

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