Coburg
Umwelt

Kahlschlag in Coburg: Mäharbeiten an der Itz kritisiert - Verantwortliche rechtfertigen sich

Seit einer Mähaktion des Kronacher Wasserwirtschaftsamtes ist die Itz in Coburg deutlich weniger grün. Die Rechtfertigungen dafür kann nicht jeder Coburger nachvollziehen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Blick auf die Itz mit gemähten Uferstreifen am Dammweg: Die Mäharbeiten des Kronacher Wasserwirtschaftsamtes haben nicht bei jedem Coburger Begeisterung ausgelöst. Foto: Horst Schunk
Blick auf die Itz mit gemähten Uferstreifen am Dammweg: Die Mäharbeiten des Kronacher Wasserwirtschaftsamtes haben nicht bei jedem Coburger Begeisterung ausgelöst. Foto: Horst Schunk

Wenn Horst Schunk auf der Brücke am Dammweg steht und auf die Itz hinunterblickt, kann er nur mit dem Kopf schütteln. In Richtung des Sportheims wurde das Gras entlang des Gewässers abgemäht. Zurückgeblieben sind zwei braun-gelbe Streifen. Für Schunk in der aktuellen Blühsteifen-Diskussion nicht nachvollziehbar. Das zuständige Wasserwirtschaftsamt in Kronach rechtfertigt die Arbeiten als Maßnahme zum Hochwasserschutz. Doch der Kahlschlag an der Itz ist nicht die einzige Mähaktion, die in Coburg Kritik hervorruft.

Schunks Unverständnis begründet sich in Paragraph 5 des sogenannten "Versöhnungsgesetzes". Das besagt nämlich, dass seit dem 1. August entlang von Gewässern ein zehn Meter breiter Grünstreifen von landwirtschaftlicher Nutzung frei bleiben muss - ganz im Sinne des Volksbegehrens "Rettet die Bienen". Seinen Frust über die Mäharbeiten drückt Schunk in einer Mail an die Redaktion aus: "Wem nutzt das? Was soll das? Wie lange wird das einfach so weitergehen wie bisher?"

Mehr zum Thema Umweltschutz: Fridays for Future - In Coburg jetzt auch mal samstags

Das Gesetz sei tatsächlich druckfrisch, sagt Werner Pilz, stellvertretender Leiter des Coburger Grünflächenamtes. Die Regelung beziehe sich allerdings nur auf Grünstreifen entlang natürlicher oder naturnaher Gewässer. Und genau das sei an dieser Stelle der Itz nicht der Fall: "Das Gewässer ist hier nicht natürlich, sondern begradigt - fast wie ein Kanal", erklärt Pilz. Zudem bestehe die Gefahr, dass sich durch das lange Gras Treibholz an der Brücke sammeln und zu Überschwemmungen führen könnte.

Hochwasserschutz an der Itz geht vor

Genau das sei auch der Grund für die Mäharbeiten des Wasserwirtschaftsamtes. Die Maßnahmen zum Hochwasserschutz an der Itz seien zudem im Pflegekonzept der Stadt Coburg festgelegt, heißt es aus Kronach. Das Konzept wurde 2013 formuliert und legt fest, dass die Böschung ober- und unterhalb der Brücke frei zu halten sei. "Wir mähen einmal im Jahr und das auch noch recht spät", erklärt ein Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes. "Wenn die Vegetation zu hoch wird, auch zweimal jährlich." Für einen schadlosen Hochwasserabfluss dürfen die Mitarbeiter das Gras weder am Fluss liegen lassen noch mulchen, sondern müssen es nach dem Mähen abtransportieren.

Lesen Sie auch: Landratsamt Coburg ließ sich einen Blühstreifen anlegen

Vogelschutz und die Einhaltung der Schnittzeiten habe dabei Priorität, damit Enten und andere Wiesenbrüter nicht aus dem Nest aufgeschreckt werden. Außerdem werde die Wiese vor dem Mähen immer abgegangen, um sicherzugehen, dass sich keine Tiere oder Eier im Gras befinden. Für den Grünstreifen werden schnell wachsende Grassamen ausgestreut, viele Blumen würden auf der Fläche daher sowieso nicht wachsen, erklärt das Wasserwirtschaftsamt. "Auch Privateigentümer fragen öfters nach, wann wir mal wieder mähen, weil sie vor lauter Gras und Disteln nichts mehr sehen, wenn sie auf ihrer Terrasse sitzen." Sammeln sich Holz und Gras aber direkt unterhalb des Brückenbogens, ist nicht mehr das Kronacher Wasserwirtschaftsamt, sondern der Bauträger der Brücke zuständig - auch wenn das Gras im Wasser schwimmt.

Gründe für Mäharbeiten nicht nachvollziehbar

"Wenn man innerhalb der Vegetationsperiode und bei lang anhaltender Trockenheit mit der Begründung Hochwasserschutz ankommt, ist das schon sehr dünn", antwortet Schunk auf die Rechtfertigung des Wasserwirtschaftsamtes. Gäbe es fachliche Gründe für die Mähaktion, könnte er es noch verstehen. "Aber ich erkenne eben keine fachlichen Gründe." Das Gras einfach auf beiden Seiten ein paar Meter stehen zu lassen, wie es im Versöhnungsgesetz vorgeschrieben ist, das wäre Schunks Vorschlag.

Was sonst noch in Coburg los war: Starkregen zwingt zum Konzert-Abbruch bei Paddy Kelly - Zukunft der Coburger Open-Airs ungewiss

Blühstreifen und Volksbegehren hätten bisher nichts ändern können: Vor Ämtern, an Böschungen und Waldrändern werde weiterhin abgemäht, auch wenn die betroffenen Stellen keinen Einfluss auf die Verkehrssicherheit hätten. "Es gibt nur ein paar wenige Ausnahmen, wo ein paar Quadratmeter Gras stehen gelassen werden. Und die öffentlichen Träger machen es ja nicht anders vor." Seine Mail hat Schunk auch an das Umweltministerium adressiert. Doch eine Rückmeldung darauf sei ihm gar nicht so wichtig. "Sondern dass die Ministerien das, was sie in Worten ankündigen, auch wirklich tun."

Noch mehr Aufregung um Grünflächen in Coburg

Insektenwiesen Das Grünflächenamt hat an der Gaudlitz-Kreuzung "Wiesen für Insekten" ausgeschildert. In der Facebook-Gruppe "Coburger Stadtgespräche" wird kritisiert, dass die Wiese nach dem Abmähen blütenleer sei. "Wo sind die Pflanzen für die Insekten? Gut gedacht, schlecht gemacht", kommentiert ein Nutzer beispielsweise. Werner Pilz erklärt, dass die Wiese erst im abgeblühten Zustand gemäht wurde. "Wir haben die Schilder zugegebenermaßen recht spät im Juli aufgestellt und schon bald danach gemäht." Zu diesem Zeitpunkt hätten sich bereits Samen gebildet. "Wir mähen wenig und düngen nicht. Das scheinen die Leute dabei zu vergessen."

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren