Coburg
Jugendhilfesenat

Jugendsozialarbeit an allen Coburger Grundschulen

Die Schulen registrieren immer mehr sozial-emotional belastete oder psychiatrisch auffällige Kinder. Das Jugendamt reagiert jetzt.
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Kinder haben es nicht immer leicht. Schwierige Verhältnisse zu Hause belasten sie auch in der Schule. Alle Coburger Grundschulen werden mit Jugendsozialarbeitern ausgestattet.  Symbolfoto: Malte Christians/dpa
Kinder haben es nicht immer leicht. Schwierige Verhältnisse zu Hause belasten sie auch in der Schule. Alle Coburger Grundschulen werden mit Jugendsozialarbeitern ausgestattet. Symbolfoto: Malte Christians/dpa

"In besonders schwierigen Fällen von Kindeswohlgefährdungen musste die Schulleitung mehrmals auf Beratungsangebote des Jugendamtes zurückgreifen."Und: "Ein erhöhter Beratungsbedarf ist besonders im Hinblick auf sozial-emotional belastete oder psychiatrisch auffällige Kinder und deren Familien zu verzeichnen, der von Jahr zu Jahr ansteigt." - Zwei Sätze aus den Bedarfsanalysen der Grundschule "Am Heimatring" und der Pestalozzi-Grundschule, die nachdenklich stimmen. "Probleme lassen sich nun mal nicht wegdiskutieren", sagt Jugendamtsleiter Reinhold Ehl. Der Amtsleiter referierte im Jugendhilfesenat über die Jugendsozialarbeit (JaS), die an allen Coburger Grundschule eingeführt werden soll.

Den Antrag dazu hatte die CSB bereits 2008 gestellt. Bei der Sitzung am Mittwoch stimmten alle Senatsmitglieder dafür. "Dass sich das so lange hingezogen hat, liegt an den Förderrichtlinien, die sich immer wieder geändert hatten", erläuterte Zweiter Bürgermeister Thomas Nowak.

Im Klartext heißt das jetzt: Im kommenden Schuljahr wird es an allen Grundschulen Jugendsozialarbeit geben. Je eine halbe Stelle an den beiden größeren Schule (Heimatring und Pestalozzi), die eine Vollzeitkraft übernimmt. Für die vier kleineren Grundschulen wird ebenfalls eine Vollzeitkraft eingestellt (ohne staatliche Förderung), die sich um alle vier kümmert.

Schwierige Einzelfälle

Immer wieder gab es in den letzten Jahren sehr schwierige Einzelfälle zu bearbeiten, die das jeweilige Klassenklima oder sogar das gesamte Schulleben stark beeinträchtigt hätten, führte Ehl aus.

Aus den Bedarfsanalysen geht hervor, dass die Pestalozzi-Grundschule grundsätzlich eine gute soziale Durchmischung der Schülerschaft hat, da die Kinder überwiegend aus gesicherten bürgerlichen Verhältnissen stammen. Trotzdem weist auch diese Schule kontinuierlich soziale Belastungsfaktoren auf, was alleine schon der Tatsache geschuldet ist, dass es sich um die größte Grundschule in der Stadt Coburg handelt.

Der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund liegt im städtischen Durchschnitt. Nach Auskunft der Schule ist der Anteil alleinerziehender Mütter (44), der Schüler aus kinderreichen Familien (21) sowie von Haushalten, die regelmäßig im Hartz IV bezehen ( 35), im städtischen Vergleich nicht signifikant, aber die Anzahl der Kinder, die von Trennung oder Scheidung betroffenen sind, fällt hier als Besonderheit auf. Derzeit werden zahlreiche Familien intensiv vom ASD des Amtes für Jugend und Familie betreut, in 27 Fällen sind aktuell ambulante Hilfen installiert, in weiteren fünf Fällen sogar stationäre Maßnahmen der Jugendhilfe.

Eine JaS-Fachkraft kann Beratung und Unterstützung in erzieherischen Fragen rasch und effektiv direkt vor Ort in der Schule anbieten. "Wenn sich Verhaltensauffälligkeiten und Förderbedarfe zu einem späteren Zeitpunkt manifestiert haben, sind häufig erhebliche Aufwendungen der Jugendhilfe erforderlich, um in der Pubertät Verhaltensänderungen oder Verhaltensanpassungen zu erreichen", stellt Ehl fest.

Jungen emotional belastet

Die Grundschule "Am Heimatring" weist eine Reihe hoher sozialer Belastungsfaktoren auf. Der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund liegt seit Jahren bei rund 30 Prozent. Besonders auffällig ist der vergleichsweise hohe Anteil an Jungen mit sozio-emotionalem Beratungs- und Unterstützungsbedarf. Im Einzugsgebiet der Schule werden zahlreiche Familien intensiv vom Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) des Amtes für Jugend und Familie betreut, in 48 Fällen sind derzeit ambulante Hilfen installiert, in weiteren sieben Fällen sogar stationäre Maßnahmen .

Zudem ist in weiteren Fällen der Mobile Sonderpädagogische Dienst (MSD) des Heinrich-Schaumberger-Förderzentrums aktiv und führte in diesem Schuljahr neben Elterngesprächen auch diverse Testungen durch.

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