Wüstenahorn
Gesundheit

Jugendamtsleiter appelliert an Arbeitgeber der Eltern

In Wüstenahorn ist ein Kind an Hepatitis A erkrankt. Ein Problem für die Eltern der übrigen Kinder, denn ihre Kleinen dürfen nicht in den Kindergarten.
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Der Kindergarten Pfiffikus  am Freitag: Offiziell geschlossen ist er nicht, ungeimpfte Kinder müssen aber zu Hause bleiben.Ulrike Nauer
Der Kindergarten Pfiffikus am Freitag: Offiziell geschlossen ist er nicht, ungeimpfte Kinder müssen aber zu Hause bleiben.Ulrike Nauer

Der Schreck dürfte einigen Eltern am Donnerstag ordentlich in die Glieder gefahren sein: Ein Kindergartenkind in Wüstenahorn hat sich mit dem hochansteckenden Hepatitis-A-Virus infiziert (Tageblatt vom 16. November). Die Eltern wurden noch am Donnerstag vom Personal des Kindergartens Pfiffikus beziehungsweise am Freitagmorgen vor Ort von Amtsarzt Dr. Ulrich Mauser informiert.

Offiziell geschlossen ist der Kindergarten nicht, wie Pfarrerin Gabriele Munzert vom Träger des Kindergartens, der Johanneskirchengemeinde, dem Tageblatt am Freitag berichtete. "Kinder, die geimpft sind, können die Einrichtung ja besuchen", so Munzert. "Deshalb halten sich die Mitarbeiterinnen grundsätzlich zur Verfügung."

Nur ein Kind geimpft

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Allerdings ist laut Amtsarzt Mauser nur ein einziges der 70 betroffenen Kinder gegen die ansteckende Leberentzündung geimpft - wegen eines Ägypten-Urlaubs, so Mauser. Für die übrigen Kinder - und natürlich auch Mitarbeiter - gilt nun: Wer sich gleich impfen lässt, darf den Kindergarten nach zwei Wochen wieder besuchen. Eltern die ihre Kinder nicht impfen lassen, müssen die Betreuung für vier Wochen selbst gewährleisten.

Besonders wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass die betroffenen Kinder während dieser Zeit nicht in anderen Gemeinschaftseinrichtungen untergebracht werden dürften, warnt Ulrich Mauser. "Nicht, dass die Eltern ihre Kinder dann einfach solange in den Kindergarten nebenan bringen oder vielleicht in den Kindergarten ihres Arbeitgebers."

Die Kinder zu impfen und dann im Kindergarten in Quarantäne zu nehmen sei nicht möglich. "Das Risiko für die Weiterverbreitung wäre zu hoch, weil die Impfung nicht bei allen gleich ansprechen würde", erklärt Mauser. Sein Rat: "Unbedingt mit den Kindern zum Impfen gehen, je früher desto besser!" Für Geschwisterkinder gelte das übrigens nicht, "sie sind nur Kontaktperson der Kontaktperson und irgendwo muss man die Grenze ziehen".

Nur noch Reise-Vorbereitung

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Zwar sei Hepatitis A meldepflichtig, es handle sich aber glücklicherweise nicht um eine sehr ernste Erkrankung, wie Mauser betont. Die Krankheit könne aber durchaus leichter oder schwerer verlaufen, bis hin zum Krankenhausaufenthalt.

Heutzutage werde die Impfung meist nur noch zur Reise-Vorbereitung empfohlen. Das führe dazu, dass die Bevölkerung nicht mehr dagegen geschützt und deshalb anfälliger sei. "Deshalb ist man bemüht, die Ausbreitung so klein wie möglich zu halten."

Im Fall Pfiffikus sei das Gesundheitsamt informiert worden, dass die Mutter eines Kindes erkrankt sei. "Wir haben daraufhin eine Blutuntersuchung bei dem Kind veranlasst", so Mauser. Nun müsse geklärt werden, wo sich die Mutter angesteckt haben könnte. Das sei aber oft nicht leicht zu ermitteln, so Mauser. "Das kann von Reisen, Nahrungsmitteln oder Menschen kommen, die zu Besuch sind. Da findet sich oft keine eindeutige Zuordnung."

Der Kindergarten selbst müsse nun erst einmal desinfiziert werden, sagt Pfarrerin Munzert. Auch wenn erst einmal keine Kinder kommen, die Mitarbeiterinnen sind vor Ort. "Wir können sie ja nicht in den Urlaub schicken", sagt Munzert. "Dass die Kinder nirgendwo anders hindürfen", findet die Pfarrerin furchtbar. Schließlich hätten viele Eltern zum Jahresende ihre zehn Betreuungstage, die ihnen laut Arbeitsgesetz zustehen, zum größten Teil schon aufgebraucht. "Die Betreuung in den Familien muss organisiert werden, das ist jetzt das wichtigste."

Stadt Coburg kann die Kinder nicht zentral betreuen

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Zwei bis vier Wochen können die Kinder ihren Kindergarten Pfiffikus nicht besuchen. Das stellt viele berufstätige Eltern vor Probleme. Deshalb appelliert der Leiter des Amtes für Jugend und Familie, Reinhold Ehl, eindringlich an die Arbeitgeber der Eltern, Verständnis aufzubringen, wenn Mitarbeiter jetzt ein Betreuungsproblem hätten und bei ihren Kindern bleiben müssten. Das Jugendamt versuche im Rahmen seiner Möglichkeiten, zu helfen, versicherte Ehl gegenüber dem Tageblatt.

Da die betroffenen Kinder als Kontaktpersonen des infizierten Kindes derzeit aber keine Gemeinschaftseinrichtungen, insbesondere Kindergärten, -krippen, - tagesstätten, -horte und Schulen, besuchen dürften, könne die Stadt Coburg die Eltern nicht durch eine zentrale Betreuung unterstützen. Stattdessen wirbt Ehl bei den Eltern um Verständnis: "Es geht darum, die Übertragungskette zu unterbrechen. Da ist Vorsicht besser!" Sein Amt sei aber "mit allen betreffenden Einrichtungen und Stellen in engem Kontakt, um individuell auf alle Entwicklungen reagieren zu können", erklärt Ehl weiter. Alle Eltern seien schriftlich und persönlich über den Kindergarten bereits vom Gesundheitsamt informiert worden.

KiJuz kann besucht werden

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Indirekt mit betroffen sei das benachbarte Kinder -und Jugendzentrum Wüstenahorn (KiJuz), weil dieses zum Teil von derselben Zielgruppe besucht werde. "Für Kinder, die nicht den Kindergarten Pfiffikus besuchen, gelten keine Einschränkungen. Diese können ihre Betreuungseinrichtung, also das KiJuZ oder ihren jeweiligen Kindergarten, ohne Einschränkung besuchen", teilt Ehl mit.



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