Sonnefeld
Projekt

Jüdische Schicksale hautnah

Die Ausstellung "13 Führerscheine - 13 jüdische Schicksale" ist derzeit in der Grund- und Mittelschule Sonnefeld zu sehen. Sie ist das Ergebnis von Recherchearbeiten von Lichtenfelser Schülern.
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Aufmerksam verfolgen Sonnefelder Achtklässler die Erklärungen von Sophie Rauh (Bildmitte) vor einer Ausstellungstafel Foto:Klaus Oelzner
Aufmerksam verfolgen Sonnefelder Achtklässler die Erklärungen von Sophie Rauh (Bildmitte) vor einer Ausstellungstafel Foto:Klaus Oelzner
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Noch bis zum Freitag, 7. Juli, macht die Wanderausstellung "13 Führerscheine - 13 jüdische Schicksale" in der Aula der Grund- und Mittelschule Station.

Interessenten können sich außerdem am Freitag, 31. Mai, von 14 bis 17 Uhr (während des Kinderfestes) und am Samstag, 1. Juni, zwischen 10 und 12 Uhr bei einem Rundgang Informationen zum nicht alltäglichen Themenkreis finden.

In Anwesenheit von Schülerinnen und Schülern der 5. bis 8. Jahrgangsklassen und Lehrkräften zollte der Landrat Sebastian Straubel bei der Eröffnung den Projektgestaltern des Lichtenfelser Meranier-Gymnasiums Anerkennung. Dankbar würdigte er die Recherchen zu jüdischen Lebensverhältnisse, die im Zeichen des Naziterrors der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts - teils mit Unterstützung von Zeitzeugen - erforscht, rekonstruiert, mit Zeitzeugenfotos und Porträts aus den konfiszierten Führerscheinen ergänzt wurden. "Gerade Schüler und Jugendliche sollten sich immer wieder mit Höhen und Tiefen deutscher Geschichte befassen", so Straubel in seinen Eröffnungsworten weiter.

Bürgermeister Michael Keilich forderte die Jugendlichen auf, Angehörige aller Altersgruppen für den Themenkreis und damit zum Besuch der raumfüllenden Ausstellung im Schulhaus auf dem Dercksenberg zu sensibilisieren. Selbst wenn das Motto "13 Führerscheine" zunächst nach dem Titel einer Hollywoodverfilmung klinge, sollten daraus Lehren für die Zukunft gezogen werden. Freude zeigte Keilich über das inzwischen international von Schulen, Museen und Institutionen bekundete Interesse an den im mehr als einjährigem Wirken akribisch erarbeiteten Ergebnissen, die als überregionale Anerkennung nicht zuletzt mit dem bayerischen Projektseminarpreis ausgezeichnet wurden.

Der Eröffnung vorangegangen waren Grußworte des Hausherrn, Rektor Michael Lege, an die versammelten Schulkinder, Lehrkräfte und Gäste. Dass die Wanderausstellung nicht in einer Metropole, sondern in Sonnefeld gezeigt werde, sei den persönlichen Verbindungen von Konrektor Max Lachner in die Korbstadt zu verdanken. Für fachgerechte Präsentation der nach Namen der betroffenen Bürger geordneten mannshohen Informationstafeln zeichnet Hausmeister Richard Bäuerlein mit seinem Helferteam verantwortlich.

Als Beteiligte der akribischen Detektivarbeit waren die Schülerinnen Laura Kolenda, Sophie Rauh und Victoria Thiel nach Sonnefeld gekommen. Sie erläuterten Erschwernisse und Erfolge während der über einjährigen Recherchen zu jüdischem Familienleben bzw. Entwicklungen jüdischer Gemeinden unter der NS-Diktatur, die angesehene und erfolgreiche Bürger im Zeichen systemgeschürten Rassenhasses über Nacht zu Flüchtlingen werden ließen. Die hürdenreiche Emigration - oftmals über Großbritannien in die USA oder Argentiniern - führte bei vielen zu einem Neuanfang.

Detailgenau

"Die Rekonstruktion von Lebensläufen führte vielfach zu freundschaftlichen Kontakten mit Nachkommen der Holocaust-Opfer", berichtete Sophie Rauh. Wobei das vom "Reichsführer" erlassene Kraftfahrverbot für Juden, die Umsetzung im Bezirksamt Lichtenfels mit (Pflicht-)Konfiszierung der Fahrerlaubnis und schließlich die Reichspogromnacht im November 1938 als Auslöser für die detailgetreu beleuchteten 13 jüdischen Schicksale zu sehen seien.

Als besonderes Zeitdokument gilt eine am 18. Juni 1939 aus dem Coburger Landgerichtsgefängnis geschriebene Postkarte, in der ein "schutzhaftinhaftierter Alfred Oppenheimer" einen schweren Fehler bekennt: Die politische Polizei durchsuchte nach einem anonymen Hinweis sein Lichtenfelser Wohnhaus. Dabei kamen laut Protokoll "verbotene Wertgegenstände und Schmuck" zu Tage, die Basis für das neue Leben jenseits des großen Teichs sein sollten. "Die im Rahmen der Recherchen ermittelten familiären Details lösen bei mir heute noch Gänsehauteffekt aus, wenn ich an seinem Lichtenfelser Wohnhaus vorbei gehen muss", bekennt Victoria Thiel freimütig.

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