Dietersdorf
Bestattungswesen

Jetzt sind auch anonyme Beerdigungen auf dem Dietersdorfer Friedhof möglich

Am heutigen Samstag wird das neue Urnenfeld auf dem städtischen Friedhof des Seßlacher Stadtteils Dietersdorf eingeweiht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Durch das große ehrenamtliche Engagement der Bürger bietet ab sofort auch der Friedhof in Dietersdorf Möglichkeiten zur anonymen oder halbanonymen Bestattung. Am heutigen Samstag wird das mit drei Stelen gestaltete Urnenfeld eingeweiht. Damit sieht sich die Arbeitsgruppe, der (von links) Peter Rotter, Wolfgang Brasch, Roswitha Baumann, Margot Dehler, und Günther Dötschel angehörten, nach rund 120 unentgeltlichen Arbeitsstunden am Ziel. Foto: Bettina Knauth
Durch das große ehrenamtliche Engagement der Bürger bietet ab sofort auch der Friedhof in Dietersdorf Möglichkeiten zur anonymen oder halbanonymen Bestattung. Am heutigen Samstag wird das mit drei Stelen gestaltete Urnenfeld eingeweiht. Damit sieht sich die Arbeitsgruppe, der (von links) Peter Rotter, Wolfgang Brasch, Roswitha Baumann, Margot Dehler, und Günther Dötschel angehörten, nach rund 120 unentgeltlichen Arbeitsstunden am Ziel. Foto: Bettina Knauth

Nach anderen Seßlacher Stadtteilen bekommt nun auch Dietersdorf ein Urnenfeld. Künftig können hier Bürger anonym oder halbanonym bestattet werden. Heute wird ab 14 Uhr das mit drei Stelen versehene Areal auf dem städtischen Friedhof eingeweiht. "Ich freue mich, dass wir nach langer Planung diese Maßnahme nun umsetzen konnten", sagt Stadtrat Wolfgang Brasch, der das Projekt vorangetrieben hatte.

Idee aus dem Jahr 2013

Die Idee war bei einer Bürgerversammlung im Jahr 2013 aufgekommen. Hendrik Dressel, damals Bürgermeister der Stadt Seßlach, ließ abstimmen, ob die Möglichkeit einer namenlosen Beisetzung überhaupt gewünscht werde. Das Votum fiel einstimmig aus: "Von den 60 Anwesenden war jeder dafür", erinnert sich Brasch. Einig waren sich die Dietersdorfer auch, dass sie keine Urnenwand wünschten, sondern stattdessen lieber ein Urnenfeld mit Stele oder Obelisk.

Doch zunächst wurden keine konkreten Schritte eingeleitet. "Wann geht es denn mit dem Urnenfeld los?", hieß es daher bei der Bürgerversammlung im Herbst 2016. Die Frage richtete sich an Dressels Nachfolger Martin Mittag. Als einheimischer Stadtrat erklärte sich Brasch bereit, die Umsetzung zu organisieren. Mittels Handzetteln lud er zu einem Gesprächstermin ein. "30 Bürger kamen, auch die beiden Pfarrer, denn es war mir wichtig, sie einzubinden", schildert der Dietersdorfer. Pfarrer Norbert Lang (Seßlach) und sein evangelischer Kollege Andreas Neeb (Gemünda) begleiteten die Planungen fachmännisch. Außerdem erklärten sich bei dem Vortreffen mit Roswitha Baumann, Birgit Dittwar, Margot Dehler, Peter Rotter und Günther Dötschel spontan weitere Personen zur Mitarbeit bereit.

Urnenfelder besichtigt

Um Ideen zu sammeln, schaute sich die Arbeitsgruppe in der Folgezeit verschiedene Friedhöfe mit Urnenfeldern an, von Gemünda, Neundorf und Weitramsdorf über Scheuerfeld, Rossach, Heilgersdorf bis nach Seßlach. "Danach stand für uns fest, dass die Entscheidung, keine Wand zu nehmen, richtig war", sagt Brasch. Stattdessen wurden alle möglichen Varianten diskutiert: Welche Bestattungen sollten künftig möglich sein? Und wie sollte das Urnenfeld gestaltet werden? Schließlich einigten sich die Organisatoren auf die Möglichkeit anonymer oder halbanonymer Beisetzungen. "Sind Platten vorhanden, könnten sie oft ungepflegt wirken, weil dort häufig Blumen zwar abgestellt, aber nicht mehr versorgt werden", fasst Brasch eine Erkenntnis aus der Rundfahrt zusammen.

Doch welcher Stein oder welche Stelen sollten das Areal zieren? Bei der Auswahl stand die Firma Borzel-Grabmale (Gemünda) dem Team fachmännisch zur Seite. Gemeinsam mit den beiden Pfarrern schauten sich die Beteiligten verschiedene Modelle an. Weil es sich um eine städtische Liegenschaft handelt, war auch die Seßlacher Stadtverwaltung in die Entscheidung eingebunden.

Anderthalb Jahre bemühten sich die Verantwortlichen um die Ausführung. Schließlich einigte man sich auf drei Stelen aus brasilianischem Quarz, die jeweils von vier Seiten mit dem Namen, dem Geburtsjahr sowie dem Sterbejahr des Verstorbenen beschriftet werden können. Sie symbolisieren die Dreieinigkeit. Die mittlere Stele trägt die Inschrift "Meine Zeit steht in Deinen Händen" (Psalm 31,16).

Viel Unterstützung

Nachdem der Stadtrat bei der diesjährigen Haushaltsberatung grünes Licht gegeben und für die Maßnahme 8000 Euro eingeplant hatte, begann Anfang Juni die praktische Umsetzung. "Dabei hatten wir viel Unterstützung durch kostenlose Arbeiten von Firmen", freut sich Brasch. So habe das Bestattungsinstitut Hanff den Weg aufgebaggert und Borzel-Grabmale setzte kostengünstig erst die Bodenplatte und dann die Stelen. Auch der Bauhof half mit. Bei Beginn der Erdarbeiten meldeten sich mit Walter Dehler, Michael Elsner und Dieter Spielmann spontan weitere Mitstreiter. Immer wieder wurden die Anordnungen eng mit den Pfarrern Neeb und Lang sowie den für die Friedhofsverwaltung zuständigen Mitarbeiterinnen, erst Christina Niedt und dann Bettina Laudenbach, abgestimmt. Mit Erfolg, wie Brasch betont: "Zum Schluss hatten wir eine Lösung, bei der alle sagten: Genau das ist es!"

Künftig werden auf dem Dietersdorfer Friedhof alle Beisetzungsformen gegeben sein: Von der Erdbestattung über das Urnengrab bis zur anonymen oder halbanonymen Beisetzung.

Dank rund 120 Stunden Einsatz der Ehrenamtlichen und vieler unentgeltlicher Arbeit der beteiligten Firmen konnte der Kostenrahmen sogar unterschritten werden, freut sich Brasch.

Nach der Einweihung durch die Pfarrer Lang und Neeb am heutigen Samstag ab 14 Uhr gibt es noch eine kleine Zusammenkunft im "Haus der Bäuerin".

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren