Coburg
Jean-Paul-Jahr

Jean Paul ist ein skurriler Litfaßsäulen-Heiliger

Brigitte Maisch und Edmund Frey haben ein vergnügliches Buch über Jean Paul in Coburg geschrieben. Stephan Klenner-Otto setzt dem Dichter in der Stadtbüchrei ein künstlerisches Denkmal. Eine Litfaßsäule zeigt, was Jean Paul in Coburg getrieben hat.
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Litfaßsäulen wie hier am Coburger Kirchplatz weisen seit Donnerstag an den Jean Paul-Orten auf den Dichter hin. Fotos: Helke Renner
Litfaßsäulen wie hier am Coburger Kirchplatz weisen seit Donnerstag an den Jean Paul-Orten auf den Dichter hin. Fotos: Helke Renner
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Das Beste an dem Buch ist die Rettung des Rufes von Jean Paul. Er ist eben nicht der verquaste, vergeistigte Sonderling, der Leser mit schwer Verdaulichem traktiert. Es gibt an dem Mann so viel Sympathisches, Humorvolles und - ja - auch Lehrreiches. Wir müssen mit ihm nicht einer Meinung sein, können uns mit seinem Werk auseinandersetzen. Auch das bringt Erkenntnis, wie die Autoren Brigitte Maisch und Edmund Frey bei ihrer Buchvorstellung zum 250. Geburtstag des Dichters am Donnerstag in der Stadtbücherei eindrucksvoll erläuterten.

Und wenn Jean Paul über Coburg, für das er anfangs schwärmt, irgendwann schreibt: "Bildung habe ich zum Glücke nicht einmal hier gesucht, ich hätte sie auch nicht gefunden", dann muss man das nicht so ernst nehmen. Das findet auch Gert Melville,Vorsitzender der Historischen Gesellschaft.
"Die beiden Autoren sind ein Zeichen für die gute Bildung heute in Coburg." Lobende Worte des Professors für Brigitte Maisch und Edmund Frey, deren Buch mit dem Titel "Säusak, Schwanenkiele und sehr schöne Gesichter" in der Schriftenreihe der Historischen Gesellschaft erschienen ist. Mit Unterstützung der Niederfüllbacher Stiftung. "Bildung braucht das", sagte Gert Melville.

Einer, der sich auch vorsichtig und mit Ressentiments an Jean Paul herangetastet hat, ist der Radierer und Zeichner Stephan Klenner-Otto aus Neudrossenfeld. Er hat zum Buch einige Zeichnungen beigesteuert und war zur Präsentation in die Stadtbücherei gekommen. Dort hängt bis zum 2. Mai eine Reihe seiner Radierungen.

"Versuch das mal zu lesen"

"Ich verdanke es Caspar Walter Rauh, dass ich mich überhaupt mit dem Dichter beschäftigt habe", erzählte Stephan Klenner-Otto. Der Künstler Rauh, der fast 30 Jahre in Kulmbach gelebt hat, habe immer wieder zu ihm gesagt: "Versuch das mal zu lesen." Alles könne er aber auch heute noch nicht lesen, sagte Stephan Klenner-Otto. Immerhin, den subtilen Humor des Dichters hat der Künstler offenkundig verinnerlicht. Das zeigen seine Radierungen.

Und das entspricht so ganz dem, was Brigitte Maisch und Edmund Frey mit ihrem Buch erreichen wollen: mal reinschauen bei Jean Paul. Deshalb geben sie zu Beginn eine Handreichung, wie sich der Leser dem Dichter-Werk nähern soll. Immer wieder Pausen einlegen, raten sie. Und nicht gleich mit den härtesten Brocken beginnen, eher mit dem "Siebenkäs" oder dem "Feldprediger Schmelzle" (siehe Artikel unten).

Zwischen die Beschreibung vom Leben Jean Pauls in Coburg haben die Autoren "biografische Belustigungen" gestreut, etwa vom "Trinkunfug". Denn Jean Paul liebte Bier und gutes Essen. Sie beleuchten sein Verhältnis zur Coburger Gesellschaft, zu den Frauen. Erzählt wird vom Verlieben und Verloben, von Jean Pauls Rolle während der Coburger Staatskrise. Es gibt am Schluss einen "komischen Anhang", Stimmen zu Jean Paul und vieles mehr. Am besten: einfach mal lesen - so wie die Werke von Jean Paul auch.


"Flegeljahre" in Coburg


Diese kleine Ausstellung ist quasi im Vorübergehen anzuschauen. Die Litfaßsäule neben der Morizkirche erzählt in kompakter Form über Jean Paul und seine Coburger Zeit. Die Passanten können ihn dort als Ehrendoktor, Modeverweigerer, Kartoffelfreund, Verlobungsweltmeister und Piss steuerzahler erleben. Am 21. März vor 250 Jahren wurde er in Wunsiedel geboren und lebte 15 wichtige Monate in Coburg.

Ihm zu Ehren enthüllte Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer die Plakatsäule und erinnerte sich an seine Zeit in der Jean-Paul-Schule, als er im Werkunterricht einen Spruch des oberfränkischen Dichters in Holz gestalten musste: "Heiterkeit und Freudigkeit ist der Himmel, unter dem alles gedeiht."

Dass Jean Paul auch zu Coburg gehört, werde schon daran deutlich, dass er hier seine "Flegeljahre" geschrieben habe, die der Dichter selbst als sein bestes Werk bezeichnet. Im Sommerhaus am Adamiberg, das in die Veranstaltungen zum Jean-Paul-Jahr einbezogen wird, schrieb er seine "Vorschule der Ästhetik".
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