Coburg
Gespräch

Jan Hofer, die Heimat und die Welt

Zur Eröffnung ihrer neuen Räume gönnte sich die Wifög eine kleine Talkrunde mit dem Tagesschau-Chefsprecher.
Artikel drucken Artikel einbetten
Jan Hofer  währen der Talkrunde in den neuen Räumen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Coburg. Foto: Simone Bastian
Jan Hofer währen der Talkrunde in den neuen Räumen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Coburg. Foto: Simone Bastian
+4 Bilder
: "Jan Hofer moderiert souverän und mit Charme so ziemlich jedes Format", ist auf dem Internet-Portal News über den Chefsprecher der ARD-Tagesschau zu lesen. Am Donnerstagabend moderierte Jan Hofer die Verleihung des Coburger Medienpreises. Am Nachmittag durfte er sich schon mal warmlaufen und bei einer Talkrunde selbst die Antworten geben. Die Coburger Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Wifög) als Sponsor des Medienpreises hatte Hofer zur Eröffnung ihrer neuen Räume zu Gast.
Die Wifög, bislang im Dachgeschoss des Rathauses beheimatet, ist in die Mauer 14 umgezogen, das ehemalige Herrenbekleidungshaus von Matzer & Worsch. An der Fassade steht noch das Gerüst, drinnen hat der Maler "um 15 Uhr das Gebäude verlassen", wie Wifög-Geschäftsführer Stephan Horn berichtete. Er teilte sich mit Jan Hofer das kleine Podium, moderiert wurde das Gespräch von Thomas Apfel, Vorsitzender des Medienclubs und Redaktionsleiter bei RadioEins.
Hofer durfte sich zunächst anhören, was den Wirtschaftsraum Coburg und die Arbeit der Wifög ausmacht - immerhin saßen einige Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in dem Raum, der der Wifög künftig als Besprechungs- und Veranstaltungsraum dient. Dank der Global Player in Coburg habe die Wifög nicht nur die Situation vor Ort im Blick, betonte Horn. "Wir haben Unternehmen, die sitzen an der nordkoreanischen Grenze." Deshalb und wegen der Exportabhängigkeit der Industrie sei auch für Coburg von Belang, was US-Präsident Trump tue.


Wirtschaft und Digitalisierung

Er sei überzeugt, dass angesichts der weltweiten Vernetzung einzelne Regionen immer unwichtiger werden, sagte Hofer. Und auch, wenn das Verhältnis der USA zu Nordkorea vielleicht für einige Coburger Unternehmen wichtig sei - "mit dem Iran wird das viel schlimmer, wenn die Sanktionen verschärft werden".
Den Themen Wirtschaft und Digitalisierung widme er sich intensiv, sagte Hofer, der nach seinem Betriebswirtschaftsstudium ein Volontariat bei der Deutschen Welle absolvierte. Die Digitalisierung und die Probleme des Mittelstands habe er wegen seiner Herkunft im Blick: Der Vater war selbstständiger Handwerker; dass Hofer als Junge im Betrieb half, war selbstverständlich, erzählte er.
Nettigkeiten über die Region ("Äußerst liebenswert. Ich kann mir vorstellen, dass man gerne hier lebt"), ein paar Geschichten aus dem Redaktionsalltag, eine Einschätzung, wie Merkel und Seehofer sich einigen werden ("es scheint auf einen Kompromiss auf europäischer Ebene rauszulaufen") - Hofer gab den gut informierten und souveränen Routinier, selbstironisch und schlagfertig. "Man hat immer das Gefühl, Sie schauen einen aus dem Bildschirm an", sagte Stephan Horn. Die Antwort: "Sie könnten Ihr Wohnzimmer auch mal aufräumen."
Auch die Entwicklung in der Medienbranche ist (s)ein Thema: Die Tagesschau erreiche mehr Zuschauer als alle anderen Nachrichtensendungen zusammen, erzählte er stolz. Inzwischen läuft die Tagesschau nicht nur über Antenne oder Kabel. Internet und soziale Medien sind genauso wichtig. "Wo die Leute uns gucken, ist egal", sagte Hofer. "Wichtig sind glaubwürdige Inhalte. Wir haben eine eigene Abteilung, die sich ausschließlich mit Fake-News beschäftigt." Und selbst die stoße an Grenzen, wenn offizielle Stellen in der Ukraine den Tod eines Journalisten in Kiew bestätigen, der sich dann als Täuschungsmanöver herausstellt. "Für Journalisten wird der Job nicht einfacher."


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren