Lahm im Itzgrund
Festkommers

Itzgrund als erster Ort im Landkreis urkundlich erwähnt

Kein Ort im Landkreis wurde so früh urkundlich erwähnt wie der Itzgrund - das musste natürlich gefeiert werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gerade noch im letzten Moment fiel dem ehemaligen Untermerzbacher Bürgermeister Walter Eichhorn als Vertreter der Pfarreiengemeinschaft Seßlach ein: Er hatte doch noch ein Geschenk - einen Lebensbaum für Bürgermeister Werner Thomas (links).Fotos: Albert Höchstädter
Gerade noch im letzten Moment fiel dem ehemaligen Untermerzbacher Bürgermeister Walter Eichhorn als Vertreter der Pfarreiengemeinschaft Seßlach ein: Er hatte doch noch ein Geschenk - einen Lebensbaum für Bürgermeister Werner Thomas (links).Fotos: Albert Höchstädter
+18 Bilder
Die Gemeinde Itzgrund mit ihren 15 Ortsteilen ist wohl die Region des Coburger Landes, die seit ihrer ersten urkundlichen Erwähnung vor 1225 Jahren die größten politischen und gesellschaftlichen Veränderungen durchgemacht hat. Aber nicht nur der ehemalige Untermerzbacher Bürgermeister Walter Eichhorn brauchte sich beim Festakt zum Gemeindejubiläum nur kurz umzuschauen, um zur Erkenntnis zu kommen: "Hier im Itzgrund hat jeder Ort seine eigene Identität bewahrt."

Gewaltige Umwälzungen

Dabei war es gerade die jüngere Geschichte, die die Strukturen im Itzgrund gewaltig veränderte. Die Umwälzungen begannen mit der Auflösung des Landkreises Staffelstein (1972) und führten 1978 zur Gründung der Gemeinde Itzgrund. Dass der damalige Coburger Landrat Klaus Groebe die neu hinzugewonnen Orte aus dem Landkreis Staffelstein einst als "Scheißdörfer" bezeichnete, war auch dessen Nach-Nach-Nachfolger Michael Busch (SPD) noch in der Erinnerung. Heute jedoch, sagte der amtierende Landrat, könne man über diese Entscheidung der Itzgründer im Jahr 1972 nur froh sein: "Es war gut, dass ihr Euch für den Landkreis Coburg entschieden habt."

1225 Jahre Bodelstadt

Mit 1225 Jahren ist Bodelstadt als Teil der Gemeinde Itzgrund der Ort mit der ältesten nachgewiesenen urkundlichen Erwähnung - weit vor Coburg, das erst 1182 erstmals erwähnt wurde. Für Wilhelm Wenning, den Regierungspräsidenten, war deshalb der Blick zurück in die Geschichte von ganz besonderer Bedeutung. "Nicht nur die Historiker brauchen Geschichte, jeder Mensch braucht Geschichte", sagte Wenning. Dies gelte insbesondere in der heute doch so schnelllebigen Zeit, wo der Blick auf die gemeinsame Vergangenheit der vertrauten Heimat Kraft gebe.

Voller Optimismus in die Zukunft

Obwohl der Itzgrund nach Niederfüllbach die zweitkleinste Gemeinde im Landkreis ist, blickt die Gemeinde voller Optimismus in die Zukunft. Und dies zurecht, wie der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) versicherte. Im Itzgrund gebe es trotz 15 verschiedener Ortsteile eine gute bürgerliche Gemeinschaft. "Diese ist die beste Voraussetzung, um die Probleme der Zukunft zu lösen", sagte Michelbach.

Ein Modell für die Zukunft

Für Bernd Reisenweber, den Vorsitzenden des Kreisverbandes Coburg im Bayerischen Gemeindetag, ist das Leben in dörflichen Strukturen wie dem Itzgrund auf jeden Fall ein Modell für die Zukunft. Denn gerade in kleineren Gemeinden habe die Pflege der Traditionen und der regionalen Identität eine große Bedeutung - und genau die brauche und suche der Mensch in der heutigen Zeit mehr denn je. Reisenweber hatte für "Geburtstags-Bürgermeister",Werner Thomas (SPD), sogar ein praktisches Geschenk mit dabei: Ein Stück Holz, das Thomas bei passender Gelegenheit in eine Parkbank seiner Wahl für die Gemeinde umtauschen kann.

Reges Vereinsleben, funktionierende Strukturen

Als Bürgermeister einer ähnlich strukturierten Kommune berichtete Udo Siegel (Großheirath) von dem, was das Leben auf dem Land ausmacht: "Reges Vereinsleben und funktionierende Strukturen." Wenn ein Ort sich auf 1225 Jahre Geschichte berufen könne, da war Siegel überzeugt, dann sei das auch ein Zeichen für ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl in der Bevölkerung.

Der Festkommers in der Schlosskirche war der gesellschaftliche Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten "1225 Jahre Itzgrund". Den Festvortrag hielt der Historiker Robert Schäfer, während die Kinder aus dem Kindergarten "Itzgrundstrolche" und der Bodelstadter Schule die - mit großem Applaus gewürdigte - musikalische Umrahmung übernahmen. Die Schlosskirche war zwar nicht bis auf den letzten Platz gefüllt - aber die Resonanz der Bevölkerung stimmte Bürgermeister Werner Thomas zufrieden. Hatte dieser sich doch eine Veranstaltung gewünscht, "die nicht nur Ehrengäste, sondern auch die Bevölkerung anspricht".


Itzgründer Geschichte(n) - aus dem Festvortrag von Robert Schäfer

788 Bodelstadt wird erstmals urkundlich erwähnt.

1288 Die Merzbacher Linie der von Rotenhan ist bereits Lehensherr in Kaltenbrunn.

1700 Heinrich von Lichtenstein und Florina Margaretha von Veltheim geben den Bau des Lahmer Schlosses in Auftrag.

1721 Der Gleußener Lehrer Heinrich Freund wird im "unteren Wirtshaus zu Schottenstein" erschlagen. Der Streit ging um einen Laib Käse.

1746 Der Bau der Kirche St. Wolfgang beginnt.
1811 Gleußen, Herreth und Schleifenhan fallen an das Königsreich Bayern, Schottenstein sogar erst ein Jahr später.

1862 Das Landgericht Seßlach wird mit Teilen des Landgerichtes Lichtenfels zum Bezirksamt Staffelstein vereinigt - der Vorläufer des späteren Landkreises Staffelstein.

1912 Eröffnung der Bahnstrecke Bamberg-Dietersdorf.
1950 Der gebürtige Schottensteiner Oskar Schramm wird Landrat in Bad Staffelstein .

1972 Auflösung des Landkreises Staffelstein.
1975 Einstellung der Bahnstrecke Bamberg-Dietersdorf.

1978 Gründung der Gemeinde Itzgrund mit 15 Ortsteilen und insgesamt rund 1800 Einwohnern.

2013 Die Gemeinde Itzgrund hat 2300 Einwohner und wird 1225 Jahre alt.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren