Coburg
Kneipenmeile

Ist Coburgs Kneipenmeile so schlecht wie ihr Ruf?

Ist Coburgs Kneipenmeile tatsächlich so schlimm wie ihr Ruf? Eine Woche nach der Massenschlägerei hat unsere Redaktion den Test gemacht.
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Der Steinweg Samstagnacht: Kneipenbesucher sind unterwegs. Auf der Straße spielen ein paar Jungs das Trink-Spiel "Flunkyball". Fotos: Manfred Gildemeister
Der Steinweg Samstagnacht: Kneipenbesucher sind unterwegs. Auf der Straße spielen ein paar Jungs das Trink-Spiel "Flunkyball". Fotos: Manfred Gildemeister
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Samstagabend, kurz nach 22 Uhr ist in Coburgs City weitgehend Ruhe eingekehrt. Auf dem Marktplatz hält der "Albert" auf seinem Sockel Wache, ein älterer Herr geht eine letzte Runde mit seinem Hund spazieren. In der "Spit" bummeln noch ein paar junge Leute, Pärchen vor allem. Die übrige Stadt schläft anscheinend. Doch halt, da gibt es ja noch den berüchtigten Steinweg, in dem angeblich, wie es Landtagsabgeordneter Jürgen W. Heike (CSU) in einem Rundfunk-Interview beschrieben hatte, Schläger "bürgerkriegsähnlich" ihr Unwesen treiben.

Tatsächlich, der Steinweg lebt! Dort ist es lauter, bunter. Kein Wunder, denn dort gibt es eine ganze Menge Restaurants, Bars, Gaststätten nebeneinander.
Magnete für Menschen, die nach einer Arbeitswoche den wohl verdienten Abstand zum alltäglichen Einerlei suchen und finden, die Spaß haben wollen, mit Unterhaltung, lauter Musik und mehr.

Meist spielt Alkohol eine Rolle


Manche kehren zum Beispiel beim "Grill-Schorsch" ein, gönnen sich eine Pizza oder einen Döner. Der Inhaber der Pizzeria, Duran Demirel, Jahrgang 1949, stammt ursprünglich aus Ost-Anatolien, hat inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit und wohnt seit über 40 Jahren in der Vestestadt. Seit 2000 betreibt er sein Lokal und hat noch nie "Bestien" im Steinweg gesehen. Sicherlich, Schlägereien habe es schon gegeben, bestätigt Demirel, gelegentlich sei auch eine größere Anzahl Personen beteiligt gewesen, aber: "Wir haben heute im Radio von einer Massenschlägerei in Bamberg gehört. Das gibt es also überall. Da spielt Alkohol meist eine Rolle, aber auch die Arbeitslosigkeit vieler junger Menschen."

Politiker in der Pflicht


Von einer Änderung der Sperrstunde hält Duran Demirel übrigens nichts: "Sowas kann zu jeder Zeit passieren. Egal, ob um 23 Uhr oder erst um Mitternacht." Der Wirt sieht Politiker und andere Verantwortliche in der Pflicht, "mehr Jugendliche in Arbeit zu bringen. Dann passiert vielleicht nicht so viel."

Freifrau Virginia-Catharina von Gumppenberg (65) ist nicht nur ab und zu Gast in einem der Lokale, sie wohnt auch in der Nähe und hat so ihre eigene Sicht zu den Verhältnissen in Coburgs Kneipenmeile: "Die Lärmbelästigung, die ausschließlich aus dem Steinweg kommt, führt dazu, dass man von Donnerstagabend bis Montagfrüh niemals durchschlafen kann." Allerdings komme der Lärm nicht nur von den jungen Leuten, sondern auch aus den geöffneten Lokalen selbst.

Das Fazit: Musik und Gäste sind laut, aber von "Bürgerkrieg" ist an diesem Abend nichts zu sehen.

Lesen Sie den vollständigen Artikel im Coburger Tageblatt
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