Coburg
Landestheater

Intendant Bernhard F. Loges ist schon angekommen in Coburg

Der neue Intendant hat offiziell sein Amt in Coburg angetreten, ließ sich aber schon das ganze letzte Jahr intensiv einbinden. Das zahlt sich jetzt aus.
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Bernhard Loges nun in seinem Büro und vor den ersten Plakaten  seiner Intendanz. Carolin Herrmann
Bernhard Loges nun in seinem Büro und vor den ersten Plakaten seiner Intendanz. Carolin Herrmann

Ein Jahr herrschte Oberstress. Dafür sitzt Bernhard F. Loges jetzt schon, am Beginn seiner ersten Spielzeit in Coburg als Intendant des Landestheaters, erstaunlich entspannt in seinem Büro. "Ich bin so froh, dass ich nicht mehr im ICE wohne", atmet er im Gespräch mit dem Tageblatt auf. Tatsächlich hat der 37-Jährige seine Sache in Coburg nach dem vorzeitigen Wechsel von Bodo Busse ans Staatstheater Saarbrücken von Anfang an sehr ernst genommen, war im sogenannten Interimsjahr unter Leitung der Spartenchefs und von Verwaltungsdirektor Fritz Frömming erstaunlich häufig, eigentlich jede Woche, hier vor Ort, nahm an allen wesentlichen Diskussionen und Terminen zur geplanten Generalsanierung teil. Dabei war Loges bis zum Sommer dieses Jahres noch als Musikdramaturg an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf voll eingebunden.

Umgekehrt musste in der letzten Spielzeit das Viererdirektorium aus Schauspielchef Matthias Straub, Generalmusikdirektor Roland Kluttig, Ballettchef Mark McClain und Fritz Frömming besonders ran. Und alle fünf zusammen freuen sich nun, ein eingespieltes Team zu sein, wie es wohl eher selten sein dürfte bei einem Intendantenwechsel und Neustart am Theater.

Er hat Vertrauen

Derlei Befindlichkeiten sind sehr wohl von öffentlichem Interesse. Denn Wohl und Wehe, Begeisterungsfähigkeit und Erfolg eines Theaters hängen mehr als in anderen Institutionen von den führenden Persönlichkeiten ab. Was wir in Coburg in diversen Variationen, schmerzlich oder freudig, schon erfahren durften und mussten.

Die risikoreiche Übergangsspielzeit nach Busse lief unbestritten gut. Und Bernhard Loges hat im Juli eine Wohnung in Rödental bezogen. "Da bin ich schnell im Wald. Und eine kleine Distanz zur Arbeitsstelle ist auch gut." Loges hat den Sommer bewusst hier verbracht, die Gegend erkundet. "Ich fühle mich, nach all dem, was im letzten Jahr bereits gelaufen ist, schon sehr zuhause hier." Die zunächst zurückhaltende, dann "ehrlich direkte Art" und die ja durchaus positiv zu sehende "basst scho"-Mentalität der Franken hat der im Dreiländereck bei Aachen Aufgewachsene bereits schätzen gelernt. Sagt er. Auch dass man sich auf der Straße grüßt, also sich zumindest wahrnimmt.

Obwohl es jetzt nach der Sommerpause und vor den ersten Premieren - Mozarts "Zauberflöte" kommt am Samstag, 29. September, heraus - richtig rund geht am Landestheater, fühlt Loges fast noch etwas wie urlaubsartige Ruhe. Was aber auch mit diesem nicht enden wollenden, abartigen Sommer zu tun haben mag. "Hier macht sich doch mediterane Entspanntheit breit".

Jedenfalls sei er sehr gut aufgenommen worden; das Selbstverständliche im Umgang mit Politikern und den Vertretern diverser gesellschaftlicher Organisationen sei angenehm fortgeschritten. - Das alles lässt doch auf gedeihliche Zusammenarbeit zur Freude des Theaterpublikums hoffen. Zumal Loges so weit Einblick zu haben glaubt, dass er, gerade was die unmittelbare Zukunft des Landestheaters anbelangt, vertrauen kann. "Es gibt genug Leute, die alles auf den Weg bringen. Und ich bin ja längst dabei."

Theater als politischer Ort

Umzug in ein wann auch immer erbautes Interimsgebäude? Auch da wirkt Loges eher cool. "Ich richte mich auf verschiedene Situationen ein", aber an einen Umzug zum Ende der Saison 2019/20 glaubt er nicht wirklich.

Inhaltlich hat er die Zielrichtung seiner Intendanz bei der Ensemblebegrüßung Anfang September formuliert, zusammengefasst unter dem Begriff Empathiebildung. Wenn man mit anderen Menschen mitfühlt, verändert man sich. Und die Dinge an sich können sich ändern. Ob in gesellschafts-politisch brisanten Stücken oder sehr wohl auch dem eher Unterhaltenden können Mitfühlen, Empathie geübt, Sichtweisen erweitert werden.

Klar sei, dass Theater heute mehr denn je ein politischer Ort der Menschenbildung zu sein habe. Gerade das Landestheater Coburg, das wie kaum ein anderes vor Ort verankert sei, biete dafür besondere Chancen. Und in der Schärfung der einzelnen Sparten und deren Verzahnung liege noch viel Potenzial. Wenn die Leute wollen, dann öffne er das Landestheater auch gerne als Ort der unmittelbaren Diskussion und des Gesprächs. In welchem Rahmen auch immer.

Was die eigenen künstlerischen Ambitionen anbelangt, gehört Loges zur neuen Generation der Theaterleiter, die verstanden haben, dass Institutionen dieser Größenordnung und Intensität künstlerische Planung und Führung brauchen. "Ich habe als erstes die Rolle des Intendanten zu erfüllen und für die Mitarbeiter da zu sein. Regie werde ich vorerst nicht führen." Denn da falle er ja wochenlang aus, was seine eigentlichen Aufgaben anbelangt.

Bernhard F. Loges wurde 1980 in der Nähe von Aachen geboren. Sein Vater war Theologe. Bereits der Großvater hatte eine Laienspielschar in Oberhausen gegründet. Zur Oper kam Loges schon als Kind. Schulspiel, Hospitanz am Theater Aachen, Jugendclub, der Wunsch, Schauspieler zu werden, die Erfahrung, dass man hinter der Bühne das Atmosphärische stärker beeinflussen könne. Eigene Inszenierungen an kleineren Einrichtungen. Klavierunterricht hatte Loges seit dem elften Lebensjahr, auch eine Zeit lang Gesangsunterricht.

 Loges studierte Theaterwissenschaft, Alte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Bochum; die praktische Theaterarbeit ging weiter, Neben der Arbeit in der freien Szene und der Gründung einer Theatergruppe landete er alle paar Jahre wieder an der Deutschen Oper in Düsseldorf, wo er 2009 Musikdramaturg wurde. Unterdessen hatte er promoviert, über die Bedeutung hysterischer Frauen in der Oper: Heiliger Wahnsinn auf der Bühne. In Düsseldorf war er mitverantwortlich für das Opernstudio und die Junge Oper am Rhein. C.H.

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