Heilgersdorf
Kirche

Installation von Pfarrer Tobias Knötig in Heilgersdorf: Gegenseitiges Ja-Wort

Bei der Installation von Tobias Knötig erweist sich welch' hohe Wertschätzung der Heilgersdorfer Pfarrer längst erfährt.
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Seit 1. Januar 2018 ist Tobias Knötig "Pfarrer auf Lebenszeit". Am Sonntag wurde der Heilgersdorfer Geistliche von Dekanin Stefanie Ott-Frühwald (Michelau, links) während eines Festgottesdienstes in der Kirche "Zu unserer lieben Frauen" in seinem Amt installiert. Beim Verlassen des Gotteshauses brachten Kinder der evangelischen Kita "Schneckenhaus" dem Pfarrer ein Ständchen. Foto: Bettina Knauth
Seit 1. Januar 2018 ist Tobias Knötig "Pfarrer auf Lebenszeit". Am Sonntag wurde der Heilgersdorfer Geistliche von Dekanin Stefanie Ott-Frühwald (Michelau, links) während eines Festgottesdienstes in der Kirche "Zu unserer lieben Frauen" in seinem Amt installiert. Beim Verlassen des Gotteshauses brachten Kinder der evangelischen Kita "Schneckenhaus" dem Pfarrer ein Ständchen. Foto: Bettina Knauth
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Als "Pfarrer auf Probe" wirkt Tobias Knötig bereits seit 1. September 2014 in Heilgersdorf, am Sonntag wurde er als "Pfarrer auf Dauer" in sein Amt installiert. In einem Festgottesdienst in der Heilgersdorfer Kirche "Zu unserer lieben Frauen" wandelte Dekanin Stefanie Ott-Frühwald die "Verlobung" Knötigs mit der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde bei der Ordination in eine "Eheschließung" um.

Dass die Partner zusammenpassen, daran ließ die große Resonanz der "Installation" keinen Zweifel. Als die Dekanin in ihrer Ansprache darauf hinwies, der Geistliche sei nun "Pfarrer auf Lebenszeit" und könne sich "auf jede Pfarrstelle bewerben", ging ein Raunen durch die voll besetzte Kirche. "Aber das möchte er nicht", schob Ott-Frühwald schnell hinterher, "er möchte hierbleiben und er sagt ,Ja‘ zu seinem Dienst in Heilgersdorf." Bewusst wolle er als Pfarrer auf dem Lande dienen. Knötig sei ein "Pfarrer zum Anfassen", der sich in das gesellschaftliche und politische Leben einbringe. Ott-Frühwald: "Ihre Arbeit macht Ihnen Freude - und das strahlen Sie auch aus!"


"Mit vollen Händen gesät"

Die Lesung mit dem Gleichnis vom "Sämann" aufgreifend, attestierte die Dekanin dem Pfarrer-Neuling in den vergangenen Jahren "mit vollen Händen gesät" zu haben. "Ernte, was von deiner Saat aufgeht", riet ihm Ott-Frühwald, ohne sich über den Rest zu grämen: "Der Lohn ist jede Mühe wert." Neben genügend Rückmeldungen aus der Gemeinde sowie Wasser und Licht in Form von Gottes Segen wünschte der Gast aus Michelau Knötig die "Gelassenheit und Zuversicht des Sämanns".

Und was bewog den Pfarrer zur Anstellung, "Ja" zu dieser Gemeinde zu sagen? Wie er "vollgestopft mit Idealen von Martin Luther über Don Camillo und noch lebenden Vorbildern", dazu mit viel Theorie und Euphorie 2014 nach Heilgersdorf kam, schilderte Knötig in seiner Predigt. Weil er eben nicht nur Geistlicher, sondern auch als Mensch kam, verspürte der Mensch Knötig Angst, an den hohen Ansprüchen zu scheitern. In dieser Situation hätten ihm die Heilgersdorfer signalisiert, dass er in beiden Rollen gefragt sei.


Keine Frage

Dies bestätigte ihm Petra Grell für den Kirchenvorstand beim anschließenden Empfang im Saalbau Scharpf. Wie gut "der Neue" ankomme, habe sich bereits bei seiner Ordination im Herbst 2014 gezeigt: "Unzählige Menschen organisierten das unglaublich gut besuchte Fest." Grell weiter: "Durch sein offenes Wesen, die Bereitschaft allen zuzuhören und jederzeit da zu sein, wenn man ihn braucht, hat unser Pfarrer die Herzen der Gemeindemitglieder erobert." Und so sei es keine Frage gewesen, dass die Kirchenvorstände ihre Zusammenarbeit mit ihm fortsetzen wollten. Allerdings müsse Knötig aufpassen, dass er selber nicht zu kurz komme, meinte die Bischwinderin: "Wer ständig für andere da ist, muss mit seinen Kräften gut haushalten."

Der Installation wohnten - außer einer verhinderten Pfarrfamilie - alle Kollegen aus dem Dekanat Michealau bei. Schon dies sei ein Ausdruck der "hohen Wertschätzung" im Pfarrkapitel, meinte Pfarrer Heinz Geyer (Burgkunstadt) als "Senior". Zwischen Knötig und seinem katholischen Amtsbruder in Seßlach stimmt die Chemie ebenfalls, betonte Norbert Lang: "Tobias ist ein Mensch und Bruder, mit dem man reden kann und der für einen da ist."


Längst "voll integriert"

Eine Installation sei laut Duden eine "bedeutende und langwierige Angelegenheit", stellte Volker Hahn für die Dorfvereine fest. Alle hatten Knötig bescheinigt, längst "voll integriert" zu sei. Auch Bürgermeister Martin Mittag (CSU) , der dem Pfarrer für das "offene Miteinander" dankte, bezeichnete Knötig als "Heilgersdorfer". Dass der SVH nur gewinne, wenn der Geistliche zuschaue, adele Knötig. Ihren Dank für sein Engagement und sein "stets offenes Ohr" richtete Silvia Schinkel, Leiterin der Diakoniestation Weitramsdorf-Seßlach, an den Pfarrer. Wie ihr Beruf als Erzieherin sei auch Knötigs mehr Berufung, sagte die Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte "Schneckenhaus", Tamara Dobner. Selbst nach Dienstschluss seien seine Gedanken bei seinen Schützlingen. Der Theologe investiere nicht nur viel Herzblut in die Einrichtung, er trage durch den Nachwuchs, den er mit seiner Nora erwarte, auch aktiv zu deren Erhalt bei. "Lebe, liebe, lache", riet Eva Ehret von Knötigs Klosterrunde dem Pfarrer.

Anders als bei der Ehe handelt es sich allerdings nicht um einen "ewigen Bund". Wie lang die "Partnerschaft auf Zeit" dauern wird, bleibt abzuwarten. Der Pfarrer und seine Frau jedenfalls fühlen sich längt heimisch in dem Seßlacher Stadtteil, wie er abschließend betonte: "Wenn wir den Heilgersdorfer Kirchturm von Weitem erblicken, fühlen wir, dass wir heimkommen." Und als "Sämann" habe er in den zur Gemeinde gehörenden Dörfern "ordentliche Mistbeete" als guten Ackerboden vorgefunden.
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