Coburg
Spatenstich

Innenminister lobt Coburger Konzept

Joachim Herrmann gefällt besonders die Mischung aus Miet-, Eigentums- und geförderten Wohnungen auf dem einstigen Brockardt-Gelände.
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Landrat Michael Busch, Harald Neubarth und Thomas Siebenhaar (beide Projekt Bauart), Bürgermeisterin Birgit Weber, OB Norbert Tessmer, Innenminister Joachim Hermann, Rainer Dippold (Niersberger) und Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld (von links) setzten symbolisch die Arbeiten in Gang.Ronald Rinklef
Landrat Michael Busch, Harald Neubarth und Thomas Siebenhaar (beide Projekt Bauart), Bürgermeisterin Birgit Weber, OB Norbert Tessmer, Innenminister Joachim Hermann, Rainer Dippold (Niersberger) und Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld (von links) setzten symbolisch die Arbeiten in Gang.Ronald Rinklef
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Den bayerischen Innenminister wird man bei einem Spatenstich für eine Wohnanlage wohl nicht mehr sehen, denn das Bau-Ressort wurde Ende März in ein eigenes Ministerium ausgegliedert. Doch als 2015 der "Wohnungspakt Bayern" beschlossen wurde, war Joachim Herrmann noch Bauminister. So kam er am Montag nach Coburg, um den Startschuss für ein ganz besonderes Wohnprojekt auf dem ehemaligen Brockardt-Gelände am Kanonenweg zu geben.
Thomas Siebenhaar, Geschäftsführer der Projekt Bauart GmbH, erinnerte daran, wie Herrmann bei der Wohnungsbaukonferenz im Herbst 2015 für das Förderprogramm geworben hatte. Der Minister hatte damals vor allem an privatwirtschaftliche Unternehmen appelliert, geförderten und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Motiviert durch Herrmanns Aufruf habe Projekt Bauart ein Konzept für Häuser in Modulbauweise entwickelt, berichtete Siebenhaar den zahlreichen Gästen, die zum Spatenstich hinter dem neuen Edeka-Markt gekommen waren.
Das Besondere an der neuen Wohnanlage sei die Durchmischung, erläuterte Siebenhaar: Die insgesamt 160 Wohnungen in zwölf Gebäuden teilten sich auf in Miet-, Eigentums- und geförderte Wohnungen. Zusätzlich soll am südlichen Rand des Areals ein Business-Hotel mit 80 Wohnungen, vorrangig für Geschäftsreisende, gebaut werden.


Begegnungen im Grünen

Die 65 geförderten Wohnungen liegen in zwei fünfstöckigen Gebäuden im Nordwesten, entlang der Bahnlinie. Miet- und Eigentumswohnungen verteilen sich auf die übrigen zehn Gebäude, die so auf dem Areal angeordnet sind, dass dazwischen auch noch genügend Platz für viel Grün mit "Kommunikations- und Begegnungszonen" bleibt, wie es im Fachjargon heißt.
Dass Projekt Bauart einst aus einer Baufirma hervorgegangen war, sei bei der Planung ein großer Vorteil gewesen, so Siebenhaar. Aus ersten "zaghaften Konzepten in der Schublade" sei nach und nach die Idee zur Modulbauweise entstanden. Herausgekommen sind unterschiedliche Gebäudetypen mit Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Auf diese Weise können Wohnungstypen in den Gebäuden beliebig getauscht werden.


Auch Neustadt hat Interesse

Basierend auf dieser Modulbauweise sollen in den nächsten Jahren bis zu 500 geförderte Wohnungen in mehreren oberfränkischen Kommunen entstehen. "Wir sind auch bereits in Gesprächen mit Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan", berichtete Thomas Siebenhaar.
Innenminister Herrmann freute sich, dass da offenbar jemand genau zugehört hatte, bei der Wohnungsbaukonferenz vor drei Jahren. "Wir werden den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum als Staat nicht allein decken können", räumte er ein. "Wir brauchen private Initiativen!" Erschwingliche Wohnungen anbieten zu können, werde in den nächsten Jahren immer mehr zur "großen sozialen Frage". Das Wachstum auf dem Wohnungsmarkt könne längst nicht mehr Schritt halten mit dem Wachstum der Bevölkerung und des Arbeitsmarktes, betonte Herrmann. "Da haben wir großen Nachholbedarf."
Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) freute sich besonders, dass mit der Initiative nun "die vorletzte von Coburgs großen Brachen" bebaut werde. "Das Areal hat uns so manche Sorge bereitet", sagte Tessmer - komplizierte Eigentumsverhältnisse, die Optik der weitläufigen Industriebrache... Nach langen Verhandlungen sei es dann doch noch gelungen, eine Lösung für das "Filetstück" zu finden.


Hohe Nachfrage in der Stadt

Dass auf dem rund vier Hektar großen Areal bezahlbare Wohnungen entstehen sollen, werde Coburgs Wohnungsmarkt deutlich entlasten, glaubt Baureferentin Birgit Weber (CSU). Derzeit stünden bei der Wohnbau 1500 suchende beziehungsweise umzugswillige Coburger auf der Warteliste. Sobald etwas neu gebaut werde, sei die Nachfrage sofort groß.


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