Coburg
Jubiläum

In welcher Stadt wollen wir leben?

Die Altstadtfreunde legen seit zehn Jahren den Finger in die Wunden, wenn es um Bausünden und die Vernichtung von denkmalgeschützten Gebäuden geht.
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Die Altstadtfreunde Coburg erinnern mit einer Ausstellung über Coburger Bausünden an ihr zehnjähriges erfolgreiches Bestehen. Von links: Christine Böhm, Werner Minier und Vorsitzende Christa Minier. Foto: Desombre
Die Altstadtfreunde Coburg erinnern mit einer Ausstellung über Coburger Bausünden an ihr zehnjähriges erfolgreiches Bestehen. Von links: Christine Böhm, Werner Minier und Vorsitzende Christa Minier. Foto: Desombre

Mit einer Ausstellung in dem ehemaligen "Straco-Geschäft" in der Kirchgasse erinnerten die Altstadtfreunde um Christa Minier am Samstag an die vielfältigen Ereignisse, wenn es um Bausünden in der Vestestadt ging.

Am Albertsplatz hatten die Altstadtfreunde den Abriss von drei Häusern verhindert und auch am Säumarkt in der Ketschengasse hätte die Regierung von Oberfranken es "angeordnet", dass die Wohnbau das Gebäude sanieren muss, berichtete Minier. "Wir stüren hin und geben oft den Anstoß zur Sanierungen." - so wie bei den Anwesen in der Ketschengasse 30, 32 und 34. Das Hauptanliegen der Altstadtfreunde sei es, dass die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden sollen. Außerdem sollen zahlreiche Denkmäler vor dem Verfall und dem Abriss gerettet werden.

Städtischer Grund dürfe nicht an einen Investor verkauft werden, machte Christa Minier deutlich. Die Gestaltung des neuen Hotels am Anger sei einfach zu groß und passe nicht vor die Ketschenvorstadt. "Ohne wirtschaftliche Not darf die Stadt Coburg einfach keine städtischen Grundstücke an einen Investor verkaufen, den wir nicht einmal kennen", sagte Minier. Es müsste erstmal das Gutachten abgewartet werden, ob die Stadt Coburg überhaupt ein Tagungshotel benötigt.

Sie persönlich habe Angst vor einer Ruine, wenn einmal ein Leerstand eintreten sollte, sagte Christan Minier mit Blick auf die "Ruine" in der Leopoldstraße. Auch mit dem Albertsplatz zeigte sich die Vorsitzende der Altstadtfreunde nicht zufrieden. Der Platz sei kalt und abweisend, zu wenig grün und einfach zu sehr versiegelt.

Was ist mit dem Salvatorfriedhof?

Obwohl die Stadt Coburg im Geld schwimmt, sei der Beschluss des Stadtrates aus dem Jahr 2009, den Salvatorfriedhof umzugestalten, nicht umgesetzt worden, kritisierte Minier. Es sei nicht einzusehen, dass sich Coburg bei einer niedrigen Pro-Kopf-Verschuldung nicht mehr engagiert.

Die Altstadtfreunde stellen sich folgende Fragen: In welcher Stadt wollen wir leben? Wem gehört das denkmalgeschützte Erbe? Auf die Frage "wem gehört die Stadt", gab Christa Minier eine deutliche Antwort. "Den Bürgern, die in ihr leben".

Bei der Entwicklung eines Areals wie dem Anger müssen die langfristigen Stadtentwicklungsziele von der Politik benannt und mit den Bürgern diskutiert werden, forderte die Vorsitzende. Dabei müssen auch das Kongresshaus, die Spindler Villa und der Güterbahnhof mit einbezogen werden. Sie vermisse den ernsthaften Dialog der Stadt mit dem Bürger.

Krasse Fälle in der Ausstellung

Bei der Ausstellung wurden auch Einzelfälle von besonders schweren Bausünden beleuchtet. So beispielsweise eine 1860 erbaute Villa, deren Giebel ein Ritter zierte. Sie hatte einst in der Festungsstraße gestanden. Dieser Giebel gab ihr den Namen "Sonnenritter". Ein 1908 erfolgter Umbau erhöhte ihren repräsentativen Charakter weiter. Trotzdem erfolgte 1974 der Abriss weil ein erhöhter Sanierungsbedarf vorhanden war. Das Wohn- und Geschäftshaus Weichengereuth 6-7 wurde 1903 im Jugendstil errichtet. Seine Größe und seine Anbauten verliehen dem Gebäude den Anschein einer Burg. Der Abbruch dieses unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes erfolgte 1988 in Folge des Ausbaus der B 4.

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