Coburg
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In Sachen Brustkrebs gibt es Neues in Coburg

Eine Absolventin der Hochschule Coburg hat ein System entworfen, das Leben retten kann. Für Erkrankte bietet der VdK Sprechstunden in der Mohrenstraße an.
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Mit dem neuen Büro der Psychosozialen Krebsberatungsstelle Bayreuth der Bayerischen Krebsgesellschaft erweitert der Kreisverband Coburg des Sozialverbands VdK sein Beratungsspektrum (von links): Ansprechpartnerin Bettina Prechtl, Markus Besseler, Leiterin der Selbsthilfegruppe 3 Regine Ruckdeschel, Thomas Steinlein und Susann Biedefeld. Alexandra Kemnitzer
Mit dem neuen Büro der Psychosozialen Krebsberatungsstelle Bayreuth der Bayerischen Krebsgesellschaft erweitert der Kreisverband Coburg des Sozialverbands VdK sein Beratungsspektrum (von links): Ansprechpartnerin Bettina Prechtl, Markus Besseler, Leiterin der Selbsthilfegruppe 3 Regine Ruckdeschel, Thomas Steinlein und Susann Biedefeld. Alexandra Kemnitzer
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So klein wie eine PC-Maus und dennoch von großer Wirkung: "Sensa" heißt das Konzept, das von Daniela Böhrer im Rahmen ihrer Bachelorarbeit im Studiengang Integriertes Produktdesign entwickelt wurde. Es soll Frauen dabei helfen, frühzeitig Veränderungen ihres Körpers zu erkennen. Der Entwurf umfasst ein Tastgerät für die weibliche Brust, eine anleitende App sowie eine Dockingstation, die aufleuchtet, sobald die nächste Vorsorgeuntersuchung ansteht.

Die Anwendung punktet durch ihre Einfachheit: Die Frau fährt mit dem Tastgerät ihre eigene Brust ab. Ihre Fingerspitzen liegen dabei auf einer ultradünnen, druckempfindlichen Membran. Das Gerät ist mit einer App verbunden und kann so von jeder Frau ganz individuell genutzt werden. Die Frau sieht auf ihrem Smartphone in Echtzeit, welche Bereiche sie bereits abgetastet hat. Das Programm führt Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess und misst laufend den Gewebegegendruck. Zudem zeigt es zum Beispiel an, mit welcher Druckstärke bestimmte Stellen gegebenenfalls noch einmal gecheckt werden sollten.

Die so gesammelten Daten werden im Anschluss als "Landkarte" der eigenen Brust ausgewertet und gespeichert. Führt die Frau die Selbstuntersuchung zu einem späteren Zeitpunkt erneut durch, vergleicht die App automatisch das aktuelle mit dem letzten Ergebnis und macht sofort auf fester oder größer werdende Verhärtungen aufmerksam - und rät zum Arztbesuch.

"Sensa stellt selbst keine Diagnosen. Vielmehr soll es die Nutzerin sensibilisieren, auf ihren Körper zu hören und Veränderungen zu erkennen. Anhand der dünnen Membran hat sie die Möglichkeit, sich selbst fühlen. Die Technik dient dabei nur zur Unterstützung, um der Frau die Unsicherheit zu nehmen", erklärt Daniela Böhrer. Im Hinblick auf die technischen und medizinischen Aspekte ihres Entwurfs wurde die Designerin von Ärzten und Prof. Klaus Drese vom Institut für Sensor- und Aktortechnik (Isat) beraten. Die Gestaltung der App und des Geräts übernahm sie selbst: "Ich habe besonders auf weiche Formen und zarte Farben geachtet, um einen Bezug zum weiblichen Körper herzustellen." Noch ist Sensa nur ein Entwurf, denn eine konkrete Umsetzung gestaltet sich bei medizinischen Anwendungen oft schwierig.

Mit dem Mia Seeger Preis ausgezeichnet

Für ihre Bachelorarbeit wurde Daniela Böhrer mit dem Mia Seeger Preis ausgezeichnet. Die Jury war sich einig: "Lieber nichts tun als etwas Falsches machen - dieses Argument zieht jetzt nicht mehr, egal, wie eine Frau zur Selbstuntersuchung als Ergänzung zur ärztlichen Vorsorge steht. Sie hat eine Assistentin, die erinnert, anleitet, aufpasst, objektiv feststellt und vernünftig rät." Auch Professor Gerhard Kampe, der Daniela Böhrers Arbeit betreute, lobt: "Frau Böhrer zeigt mit ihrer Arbeit in besonderer Weise, wie sich manuelles Abtasten der Brust sinnvoll über sensorisch-digitale Technologie erweitern lässt - immer mit dem Fokus auf Nutzerin und Anwendung."

Die Hochschule Coburg ist bei der Mia Seeger Stiftung und dem ausrichtenden Design Center Baden-Württemberg übrigens nicht unbekannt: Absolventen des Studiengangs Integriertes Produktdesign an der Fakultät Design erzielten in den Jahren 2005, 2006, 2008, 2013, 2014, 2016 und 2018 besondere Anerkennungen und erste Preise. Das hilft auch bei der Jobsuche, weiß Daniela Böhrer. Die 25-Jährige aus Schwabach bei Nürnberg konnte gleich im Anschluss an ihren Studienabschluss eine Stelle als Produktdesignerin in einer renommierten Stuttgarter Agentur ergattern.

Außensprechstunden in Coburg

Ab sofort bietet die Psychosoziale Krebsberatungsstelle Bayreuth der Bayerischen Krebsgesellschaft in den Räumen der Kreisgeschäftsstelle Coburg, Mohrenstraße 38, des Sozialverbands VdK Coburg Außensprechstunden für Betroffene und deren Angehörige an. Damit kann das psychoonkologische Angebot der Außensprechstunden in Coburg und Kronach für Krebspatienten und Angehörige in der Region weiter verdichtet werden.

Geschäftsführer und Beratungsstellenleiter, Diplom-Psychologe Markus Besseler, bezeichnete diese Synergie als Win-win-Situation, denn die Wege für die Betroffenen seien künftig noch kürzer, um Hilfe und Unterstützung zu erhalten. Auf der anderen Seite vernetzen sich der VdK-Kreisverband und die Bayerische Krebsgesellschaft noch enger. "Der VdK-Kreisverband stellt uns seine Räume und die zugehörige Infrastruktur kostenfrei zur Verfügung", dankte Markus Besseler der VdK-Kreisvorsitzenden Susann Biedefeld und dem VdK-Kreisgeschäftsführer Thomas Steinlein für die Unterstützung. In den Dank schloss er auch die Firma Brose ein. Durch deren regelmäßige Spenden an die Stiftung der Bayerischen Krebsgesellschaft werde diese Außensprechstunde ermöglicht. Im Gegenzug könnten die Mitarbeiter das Beratungsangebot, auch in den Räumen des Familienunternehmens, nutzen. Susann Biedefeld freut sich, dass aus der punktuellen Zusammenarbeit nun eine engere Verzahnung wird. "Oftmals zieht die Diagnose Krebs eine wirtschaftlich prekäre Situation nach sich. Zur Ergänzung des Beratungsangebotes der Krebsgesellschaft können wir als Sozialverband VdK Betroffenen im wirtschaftlichen Bereich ergänzend zur Seite stehen", betonte Susann Biedefeld.

Seit 2015 gibt es von der Psychosozialen Krebsberatungsstelle Bayreuth in Coburg die Außensprechstunde als erweitertes Angebot. "Jeder Betroffene hat andere Ängste und Sorgen, die erst einmal verarbeitet werden müssen", erklärt Bettina Prechtl. Als Diplom-Sozialarbeiterin (FH) und Psychoonkologin (DKG) berät sie die Betroffenen im Coburger Büro. Viele benötigen in der belastenden Situation vor allem Orientierung und ein offenes Ohr, um neue Perspektiven für ihr Leben entwickeln zu können. Betroffene kommen mit unterschiedlichen Anliegen zu ihr. Manchmal aufgrund großer Verunsicherung schon vor der Diagnosestellung. Viele Patienten wollen während der belastenden Chemo- oder Strahlentherapie "ergänzend" etwas für ihr Wohlbefinden tun. Andere haben Fragen zur Therapie oder zum Vorgehen der behandelnden Ärzte. Auch Angehörige nutzen die Außensprechstunde, um beispielsweise Hilfsmöglichkeiten für das erkrankte Familienmitglied auszuloten, denn oftmals fühlen auch sie sich mit der Situation überfordert und brauchen gezielte Unterstützung. Betroffene in der palliativen Krankheitsphase suchen nach Wegen, wie sie beispielsweise mit ihrer Angst vor zunehmender Abhängigkeit und dem Verlust von Lebensqualität umgehen können.

Oft entstehen auch finanzielle Nöte

Neben Existenzängsten wird oftmals auch durch finanzielle Nöte die Außenstelle aufgesucht. "Im letzten Jahr wurden 144 Beratungen durchgeführt. Heuer liegt die Zahl bereits über der des Vorjahres", führt Prechtl weiter aus. Sie ist überzeugt, dass die Beratungen weiter zunehmen werden, da der Bedarf recht hoch ist. Insbesondere nach Krankenhausaufenthalten hätten die Patienten viele Fragen und fühlten sich damit alleingelassen. Um Betroffenen und deren Angehörigen zu jeder Zeit helfen zu können, ist das Angebot niederschwellig und kostenlos. Durch das sehr gute Netzwerk der Beratungsstelle und der räumlichen Nähe zum VdK können Betroffene und deren Angehörige schnell weitergeleitet werden, was natürlich auch zur Entlastung der Situation beiträgt. Die Psychoonkologin berät auch Kinder und Jugendliche, wenn beispielsweise ein Elternteil erkrankt ist. Das Angebot nutzen auch betroffene junge Erwachsene.

Etwa zwei Drittel der Ratsuchenden sind Frauen, die meist mit der Diagnose Brustkrebs in die Beratung kommen. Das andere Drittel sind Männer, die an Gehirn-, Darm-, Prostata- oder Lungenkrebs erkrankt sind. Laut dem Krebsregister Bayern wurden 2014 für die Region Coburg, Kronach, Lichtenfels insgesamt 1385 Krebs-Neuerkrankungen gemeldet. Davon entfallen 648 Neuerkrankungen auf die Stadt und den Landkreis Coburg. Die restlichen 737 sind in den beiden Nachbarlandkreisen Lichtenfels und Kronach. Die Beratungsstelle arbeitet auch mit der Selbsthilfegruppe zusammen. Die Leiterin der Selbsthilfegruppe Coburg 3, Regine Ruckdeschel, betont, dass die Lebensfreude für Betroffene besonders wichtig ist, weil viele oftmals in ein schwarzes Loch fielen. Deshalb erführen Erkrankte in der Selbsthilfegruppe positive Erlebnisse und gemeinsame Aktivitäten. Darüber hinaus könnten sie sich untereinander ihre Erfahrungen austauschen.

Kontakt herstellen

In der Außensprechstunde der Psychosozialen Krebsberatungsstelle Bayreuth der Bayerischen Krebsgesellschaft hilft Diplom-Sozialarbeiterin (FH) und Psychoonkologin (DKG) Bettina Prechtl Betroffenen und Angehörigen bei der Krankheitsverarbeitung. Sie ist immer freitags von 9 bis 13 Uhr in ihrem Büro der VdK-Kreisgeschäftsstelle (Mohrenstraße 38, 2. Stock, oder telefonisch unter: 09561/6139952 sowie per E-Mail: Coburg@Bayerische-Krebsgesellschaft.de) erreichbar.

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