Einberg
Innovation

In Rödental entsteht ein Haus, das sich mit der Sonne dreht

Bei Rolf Friedenstab dreht sich nicht alles ums Haus, aber sein Haus dreht sich um sich selbst. Er errichtet in Einberg ein Wohnhaus, das seine Fensterfront immer der Sonne zuwenden kann.
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Rolf Friedenstab steht auf der Grundplatte, die später einmal sein Drehhaus tragen soll. Fotos: Rainer Lutz
Rolf Friedenstab steht auf der Grundplatte, die später einmal sein Drehhaus tragen soll. Fotos: Rainer Lutz
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Als Rolf Friedenstab dieIdee hatte, ein Haus zu bauen, das sich dreht und immer der Sonne zuwendet, wusste er noch nicht, dass es schon einen Anbieter gibt, der genau solche Häuser baut. Als er auf die Firma Rinn Haus in Gießen stieß, war der Entschluss schnell gefasst. Rinn bekam den Auftrag, für ihn in Einberg so ein Haus zu bauen. Die kreisrunde Bodenplatte sitzt schon in der Baugrube.

Die Seitenteile für die Wände des Kellers wurden am Donnerstag geliefert und rund um die Bodenplatte aufgelegt. "Der Beton der Bodenplatte muss aushärten", erklärt der Bauherr. Dann wird es schnell gehen, mit dem Bau des "Drehhauses".

Das Kellergeschoss dreht sich nicht mit. Wozu auch? Mitten in der Bodenplatte wird ein großer Zylinder sitzen, der eine Konstruktion aus 24 Balken tragen wird. Auf ihr sitzen dann die beiden oberirdischen Geschosse des Hauses. "Es gibt zwei Wohneinheiten.
Eine hat 80 und die zweite 60 Quadratmeter Wohnfläche", erklärt der Bauherr und schwärmt vom schönen Balkon im Obergeschoss, von dem aus ständig eine neue Aussicht zu bewundern sein wird.

Eine Seite des Gebäudes wird zum größten Teil aus Glas bestehen. Der Drehmechanismus lässt sich automatisch regeln. So kann die Front bei Kälte immer der Sonne zugewandt werden. Umgekehrt kann das Haus aber auch die Fenster dem Schatten zuwenden, wenn es draußen heiß ist. Die Automatik lässt sich aber auch abstellen. So kann das Haus peitschendem Regen und Sturm gewissermaßen den Rücken zudrehen. "Auf dem Dach könnte Solartechnik installiert werden", sagt Rolf Friedenstab. Bei seinem Drehhaus ist das wohl nicht erforderlich, wie ein Blick auf das Dach seines Betriebsgebäudes zeigt, das neben der Drehhausbaustelle steht. Dort produziert er längst mehr Strom als er braucht. Der Überschuss wird ins Netz gespeist und bringt eine zusätzliche Einnahme.

Unter dem Solardach steckt das Unternehmen Friedenstab Formenbau und Werkzeugreparaturservice, mit dem sich der Werkzeugmachermeister vor Jahren selbstständig gemacht hat.
Firma und Wohnhaus sollen so weit es geht autark sein. Dieses Ziel hat sich Rolf Friedenstab gesetzt. Das Drehhaus soll daher auch Erdwärme nutzen. Dafür setzt Friedenstab auf eine moderne Anlage von GS Wärmetechnik. Dabei wird anders als bei üblichen Systemen keine Tiefbohrung eingebracht. Vielmehr wird eine Spirale in eine zylindrische Grube eingebaut.

Sogar beim Wasser setzt der Bauherr auf möglichst viel Eigenversorgung. Als Brauchwasser für Toilettenspülung und Waschmaschine wird Regenwasser genutzt. Die Beleuchtung wird mit äußerst sparsamen LED-Leuchtmitteln bestückt. Diese bezieht Friedenstab von SAS Technik. Das Unternehmen hat sich mit seinem Internetversand in seinem Firmengebäude eingemietet. "Was der Lichtstärke einer herkömmlichen 60-Watt-Glühbirne entspricht, schaffen diese Lampen mit drei Watt", betont Rolf Friedenstab die Effizienz - vor allem hochgerechnet auf die Beleuchtung des gesamten Hauses.

Sollten alle Stricke reißen und gar kein Strom mehr da sein, muss das Drehhaus übrigens nicht zum Stillstand kommen. Der Mechanismus ist so leicht drehbar, dass er auch über einen Heimtrainer im Keller in Gang gesetzt werden kann.
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