Neustadt bei Coburg
Sonderausstellung

In Neustadt kennt Puppenkunst keine Grenzen

Das Museum der deutschen Spielzeugindustrie in Neustadt bei Coburg zeigt seine Sonderausstellung zum Puppenfestival schon jetzt - nicht ohne Grund.
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Der "Himmelsstürmer" von Heidemarie Doyé ist Teil der Sonderausstellung "Grenzenlos 29" im Museum der deutschen Spielzeugindustrie in Neustadt bei Coburg.  -  Foto: Berthold Köhler
Der "Himmelsstürmer" von Heidemarie Doyé ist Teil der Sonderausstellung "Grenzenlos 29" im Museum der deutschen Spielzeugindustrie in Neustadt bei Coburg. - Foto: Berthold Köhler
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Grenzen sind nicht das, über was sich Kunst definiert. "Es geht genau so gut ohne sie", sagt Udo Leidner-Haber, der Leiter des Museums der deutschen Spielzeugindustrie am Hindenburgplatz beim Rundgang durch die neue Sonderausstellung "Grenzenlos 29". Recht hat er, denn einige Exponate haben mit dem Urbild der Puppenkunst nicht viel zu tun. Aber nur auf den ersten Blick.

Die "Drei Schwestern" zum Beispiel: rund, lang, fließende Farben. Das sind keine Puppen, nein. "Aber die haben einen Bezug zu Puppen", sagt Leidner-Haber und führt schnellen Schrittes zu einer Vitrine der Dauerausstellung. Dort sind Docken ausgestellt, die Urformen der Puppen aus Holz. Sogar farbig sind sie. "Im Vergleich sieht man: So fremd sind sie sich gar nicht", erklärt Udo Leidner-Haber.

Dass der eine oder andere Besucher beim ersten Anblick der Exponate der 29. Sonderausstellung im Rahmen des Internationalen Puppenfestivals die Stirn runzeln wird, hat der Museumsleiter so einkalkuliert. Denn gerade während des Festivals, das mit dem Max-Oscar-Arnold-Kunstpreis die Trends der zeitgenössischer Puppenkunst widerspiegelt, sieht Udo Leidner-Haber das Museum der deutschen Spielzeugindustrie als den Ort, "der zusätzliche Facetten der Puppenkunst präsentiert". Da dürfe es auch einmal Sachen zu sehen geben, die nicht so leicht zu konsumieren sind.

Hauptsache, interessant

Wer sich in der Puppenkunst-Szene ein bisschen auskennt, wird bei "Grenzenlos 29" auf bekannte Namen stoßen. Fast alle der Künstler, deren Werke im Museum zu sehen sind, haben schon einen Max-Oskar-Arnold-Kunstpreis daheim stehen. "Viele von ihnen kenne ich schon seit 30 Jahren", berichtet Udo Leidner-Haber, wenn er auf die Vorbereitungen für eine Sonderausstellung angesprochen wird. Gemeinsam mit den Künstlerinnen hat der Museumsleiter herausgearbeitet, was für Objekte zum Motto "Grenzenlos" passen. Die meisten der Stücke sind sogar extra für die Sonderausstellung gemacht worden, sie können auch käuflich erworben werden. Bis ins Detail gehende Vorgaben haben die Puppenmacherinnen dabei aber nicht bekommen, erklärt Leidner-Haber. "Interessant, gut und spannend" - so müsse eine Sonderausstellung sein. Und idealer Weise, ergänzt der Museumsleiter, auch Spielraum für Interpretationen lassen. Lesen Sie hier, auf welches Original die Fans beim diesjährigen Puppenfestival verzichten müssen

Die Exponate von "Grenzenlos 29" teilt Udo Leidner-Haber in zwei Gruppen. In Puppen, die ihre Funktion zum Spielen noch haben und beweglich sind. Und in Figuren, die zwar auch ein menschliches Abbild sind, mit denen aber nicht gespielt werden kann. Sie stehen meist an einem festen Platz - wie zum Beispiel "Pellegrina", eine Rauminstallation, in der Sylvia Wanke ein Gedicht von Eduard Mörike in die Puppenkunst transferiert hat. Wobei die Figuren nicht einfach "so da" stehen, sondern von der Künstlerin mit viel Liebe zum visuellen Detail im Raum für die Sonderausstellungen platziert wurden.

Dass die Sonderausstellung zum Rahmenprogramm des Internationalen Puppenfestivals in diesem Jahr deutlich früher als sonst gestartet ist, hat seinen Grund. Nur kurz nach dem Puppenfestival steht der "Tag der Franken" an, dessen zentrales Festwochenende in diesem Jahr länderübergreifend in Sonneberg und Neustadt stattfindet. Weil es da im Museum der deutschen Spielzeugindustrie natürlich auch eine Sonderausstellung zum Thema "Franken" geben wird, ist "Grenzenlos 29" schon jetzt zu sehen - drei Monate lang, bis zum 30. Juni.

Puppenkunst & Puppenfestival in Neustadt bei Coburg

Sonderausstellung: "Grenzenlos 29" zeigt unter anderem Werke von Silvia Baukloh, Heidemarie Doyé, Hanna Goetz, Christel Hartz, Ute Marie Krajewski, Xenia Lassak, Natalja Lebsak, Christa Mann, Debra Nagel, Traudel von Röthardt, Berni Stenek, Sabine Vogel, Sylvia Wanke. Öffnungszeiten: Das Museum der Deutschen Spielzeugindustrie hat dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Letzter Einlass ist jeweils um 16.15 Uhr. Puppenfestival: Während des Internationalen Puppenfestivals (26. Mai bis 2. Juni) gibt es im Museum der deutschen Spielzeugindustrie unter anderem wieder die "Lebenden Werkstätten" mit Vorführungen und Verkauf im Museum - am Donnerstag, 30. Mai, von 10 bis 17 Uhr; am Freitag, 31. Mai, von 9 bis 17 Uhr sowie am Samstag, 1. Juni, von 10 bis 17 Uhr. Außerdem gibt es am Samstag, 1. Juni, von 14 bis 17 Uhr wieder einen großen Familientag mit vielen Spielangeboten im Museum und auf dem Hindenburgplatz.

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