Neustadt bei Coburg
Trockenheit

In Neustadt kamen sie mit dem Gießen nicht nach

Die Arbeiter vom Bauhof in Neustadt bei Coburg lieferten sich heuer ein aussichtsloses Rennen mit der Trockenheit
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Nur  dank der Wasserspenden von Lothar  Geuther und  seinen Kollegen  des  Bauhofes haben die städtischen Grünflächen  - wie hier die Rosenbeete an der Lindenstraße - zumindest  teilweise den extrem trockenen Sommer überstanden. Foto: Berthold Köhler
Nur dank der Wasserspenden von Lothar Geuther und seinen Kollegen des Bauhofes haben die städtischen Grünflächen - wie hier die Rosenbeete an der Lindenstraße - zumindest teilweise den extrem trockenen Sommer überstanden. Foto: Berthold Köhler

Da konnten sich Lothar Geuther und Kollegen noch so sehr Mühe geben - der Sommer 2018 hat auch an den städtischen Grünflächen seine Spuren hinterlassen. Aber jetzt schon eine Bilanz zu ziehen, ist für den Gärtnermeister und stellvertretenden Bauhofleiter noch deutlich zu früh: "Die Folgeschäden sehen wir frühestens im kommenden Jahr." Dann, wenn die Bäume nur noch spärlich Ausreiben oder gar - wie es Eichen manchmal machen - ganze Äste abwerfen.

Am wenigsten Sorge bereitet Geuther das, was auf den ersten Blick am schlimmsten ausschaut: die braunen, vertrockneten, verbrannten Rasenflächen. "Das Gras wird auf jeden Fall wieder", ist der Gärtnermeister gelassen. Das sollten übrigens auch Gartenbesitzer sein, rät Lothar Geuther, denn auch ihr ruinierter englischer Rasen im heimischen Garten wird sich mit größter Wahrscheinlichkeit wieder erholen. Ohnehin empfiehlt der Gärtnermeister den Privatgärtnern, jetzt nicht in Hektik verfallen, wenn Bäume und Sträucher Blätter oder im Einzelfall ganze Äste abwerfen. Das sei eine normale Reaktion bei Trockenheits-Stress und müsse nicht sofort bedeuten, dass die Pflanze abgestorben sei

Allerdings natürlich geht man auch in der Stadtverwaltung davon aus, dass zahlreiche Gewächse im Stadtgebiet den Sommer nicht überstanden haben. Das war auch beim letzten Extrem-Sommer 2003 so, erinnert sich Geuther. "Wir werden nächstes Jahr ein paar Neupflanzungen mehr brauchen", vermutet Bauhofleiter Gerhard Reh. Mit 10 bis 20 größeren Baumpflanzungen wie sonst wird es nicht getan sein.

Tausende Liter Wasser

Dabei haben sie im Bauhof wirklich alles gegeben. "Wir haben sogar ein zweites Gießfahrzeug umgerüstet", erzählt Gerhard Reh. Neben dem Klein-Lkw mit einem 2000-Liter-Tank war auch ein Unimog mit 3000 Liter Wasser unterwegs - "aber hinterhergekommen sind wir nicht", erzählt Lothar Geuther. Manchmal sogar dreimal am Tag wurden die Tanks befüllt, aber dennoch sind viele Pflanzen vertrocknet. Das kommt nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass das Team des Bauhofes in 21 Neustadter Stadtteilen unterwegs ist. Von 150 Litern pro Woche und Baum, wie es manche große Städte anstreben, war man heuer in Neustadt weit entfernt. Gegossen wird durch den Bauhof übrigens nicht mit Trinkwasser. "Uns steht ein Brunnen auf dem Gelände der Kläranlage zur Verfügung", erklärt Geuther.

So ein Sommer wie dieser bestärkt Gerhard Reh in seiner Einschätzung, dass er und seine Kollegen sich künftig intensiver mit dem Klimawandel auseinandersetzen müssen. "Wir müssen noch mehr darauf schauen, dass wir trockenheitsresistente Pflanzen verwenden", sagt der Bauhofleiter. Als Leitfaden dient dabei unter anderem die Empfehlungsliste für Stadtbäume, die von der bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau aus Veitshöchheim herausgegeben wird. Auf ihr stehen Bäume, die nicht nur widerstandsfähig, sondern auch pflegeleicht sind.

Obwohl die Witterung derzeit noch ziemlich nach Sommer ausschaut, wartet auf die Mannschaft des Bauhofes die Herbstarbeit. "Wir sind bald dran heuer", sagt Gerhard Reh, dem aufgefallen ist, dass viele Bäume schon braune Blätter bekommen haben. Das heißt: Sie fallen bald ab und werden dann weggeräumt. Es gibt eben immer was zu tun.

Die Arbeit nimmt kein Ende

So war es, erzählt der Bauhofleiter, auch im vergangenen Jahr, als zumindest der Spätsommer nahezu ins Wasser fiel. Da mussten Geuther und seine Gärtenkollegen zwar nicht viel gießen - "aber wir sind mit dem Mähen fast nicht mehr hinterhergekommen", erzählt Gerhard Reh vom ewigen Kreislauf bei der Pflege öffentlicher Flächen.



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