Gossenberg
Landwirtschaft

In Gossenberg liegt der Boden der Zukunft

Sebastian Schultheiß hat viele kleine Helfer auf seinem Maisfeld: Regenwürmer. Sie sorgen dafür, dass Starkregen keine größeren Schäden anrichtet.
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Anton Weig und Sebstian Schultheiß messen die Wasserdurchlässigkeit des Bodens.Berthold Köhler
Anton Weig und Sebstian Schultheiß messen die Wasserdurchlässigkeit des Bodens.Berthold Köhler
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Es sind Ereignisse wie vor gut 14 Tagen in Merkendorf, die Anton Weig aus beruflicher Sicht hellhörig werden lassen. Im Landkreis Bamberg richtete Ende August ein Gewitter erheblichen Schaden an - insbesondere durch Erdreich, das von landwirtschaftlichen Flächen in den Ort gespült wurde. "Die Felder haben das Wasser nicht halten können", erklärt Weig, Pflanzenbauberater am Coburger Amt für Landwirtschaft. Und er weiß sogar, wie man solche Vorfälle verhindern kann.
Gemeinsam mit Sebastian Schultheiß (22), den er bei der Fortbildung zum Landwirtschaftsmeister unterrichtet, betreut Anton Weig ein Feld zwischen Neuses an den Eichen und Gossenberg. Dort wächst Körnermais, der besonders anfällig für Bodenerosion ist. Auf den sechs Hektar von Sebastian Schultheiß gibt es das Problem aber nicht. Anton Weig läuft durch die Reihe der zweieinhalb Meter hohen Pflanzen und sagt mit Blick aufs Erdreich zufrieden: "Druckfest und voller Poren, so wollen wir das."
Dass der Boden zudem noch in der Lage ist, selbst größere Niederschlagsmengen zu speichern, liegt in erster Linie nicht an Weig und nicht an Schultheiß. Verantwortlich dafür sind Regenwürmer, die in großer Zahl im Boden zu finden sind und ihn mit ihren Röhren wasserdurchlässig machen. Sie sind in Scharen gekommen, weil sie - auch jetzt im Herbst noch - jede Menge Nahrung am Fuß der Maispflanzen finden. "Mit organischer Masse an der Oberfläche füttere ich mein Bodenleben", erklärt Anton Weig.
Angelockt hat Sebastian Schultheiß die Bodenlebewesen schon im vergangenen Herbst. Da hat er nach der Ernte auf dem Feld eine Zwischenfrucht gesät, deren Reste seit dem Frühjahr nach einer oberflächlichen Bodenbearbeitung liegengeblieben sind. Was daraus geworden ist, zeigt Anton Weig: Er nimmt ein kleines Häuflein abgestorbenes pflanzliches Material vom Boden weg, direkt darunter wird deutlich eine Wurmröhre sichtbar. Die Pflanzenreste sind sozusagen der Futtervorrat des Wurms.
Zwischenfrüchte wie Senf oder Ölrettich sind aber nicht nur als Nahrung für Bodenlebewesen von großer Bedeutung, sie bedecken und schützen im Herbst und Winter den Boden bei starken Niederschlägen. Wie sich diese auswirken, weiß Anton Weig aus Erfahrung: "Pro Liter Niederschlag treffen auf einem Quadratmeter bis zu 13 000 Regentropfen auf." Gerade bei Starkregenereignissen sei nicht zu unterschätzen, mit welch hoher kinetischer Energie die Tropfen regelrecht einschlagen und Erosion auslösen.
Im Winter gut geschützt, im Sommer dank der Regenwürmer gut belüftet - das Maisfeld von Sebastian Schultheiß kommt dem Idealbild aus der landwirtschaftlichen Lehre schon sehr nahe. "Wie ein Schwamm", sagt Weig, müsse das Erdreich sein, dazu tragfähig genug, damit auch schwere landwirtschaftliche Fahrzeuge darauf fahren können. Wie viel Wasser der Boden aufnehmen kann, ermitteln Weig und Schultheiß schnell: Sie gießen Wasser in einen Metallring, der in den Boden gedrückt wird. Je durchlässiger der Boden, desto schneller ist das Wasser verschwunden. Nach drei Gießkannen voll mit Wasser, das binnen nicht einmal drei Minuten im Boden versickert, nickt der Pflanzenbaufachmann zufrieden und rechnet hoch: "Das waren jetzt 60 Liter pro Quadratmeter."
Neben der kleinen Versuchsanordnung mitten im Acker steht Wolfgang Schultheiß - Sebastians Vater und, so sagt er selbst, "aus der Zeit der 35-PS-Schlepper" stammend. Die Masse der Regenwürmer und die Durchlässigkeit des Bodens hätte er sich so nicht vorstellen könne. Wobei auch Wolfgang Schultheiß aus der Zeit seiner Ausbildung weiß: "Mulch lockt Würmer an."


Die Frage des Aufwands

Allerdings dürfe man nicht vergessen, sagt Schultheiß senior, dass der zeitliche und technische Aufwand beim Einsatz von Zwischenfrüchten schon größer als ohne sei. Anton Weig wiegt bei dieser Aussage ein bisschen unschlüssig den Kopf hin und her, bis er die richtige Formulierung findet: "Sagen wir: Der Managementaufwand ist ein bisschen höher." Auf Dauer relativiere sich dieser aber, insbesondere in Trockenjahren. Da sei der Mais schließlich die Pflanze, bei der der Landwirt am ehesten mit Ernteeinbußen rechnen müsse. "Vom Ertrag her sind wir deutlich stabiler", gibt Sebastian seinem Ausbilder recht.


TV-Tipp

Ein Team des Bayerischen Fernsehens hat den Versuch von Sebastian Schultheiß begleitet. Ein Bericht über das Projekt ist am Freitag, 15. September, um 19 Uhr in der Sendung "Unser Land" zu sehen.


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