LKR Coburg
Unser Thema der Woche // Verantwortung

In Gedanken 50 Jahre voraus: Förster im Coburger Land

Verantwortung für den Wald bedeutet heute Entscheidungen zu treffen, die Risiken einer ungewissen klimatischen Zukunft möglichst gering halten können.
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Albert Schrenker zeigt Stämme, die gefällt werden mussten, weil die Fichten vom Borkenkäfer befallen waren. Foto: Rainer Lutz
Albert Schrenker zeigt Stämme, die gefällt werden mussten, weil die Fichten vom Borkenkäfer befallen waren. Foto: Rainer Lutz

Klimafaktor, Erholungsraum, Rohstofflieferant, Arbeitsplatz und Einkommensquelle - der Wald hat vielfältige Bedeutung. Ihn zu hüten, zu nutzen und für die Zukunft zu erhalten, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Spricht man Albert Schrenker auf die Verantwortung für den Wald an, wird er kurz nachdenklich. Als Leiter des Forstbetriebs Coburg der Bayerischen Staatsforsten (BaySf) trägt er diese in besonderer Weise.

"Meine Verantwortung ergibt sich aus der Tätigkeit heraus", sagt er. Dabei steht der Wald selbst und seine Zukunft naturgemäß im Vordergrund. Aktuell dabei: der Klimawandel. Noch aktueller: der Befall durch den Borkenkäfer im vergangenen Dürresommer, der mit dem Klimawandel unmittelbar zusammenhängt. Forstleute müssen besonders weit vorausschauen. Ihre Entscheidungen wirken sich oft erst in der nächsten Generation ihres Berufsstandes aus. Gerade jetzt findet ein Umbau der Wälder statt, um sie für ein verändertes Klima zu rüsten. Die Pflänzchen, die in diesem Jahr in den Boden gebracht werden, sollen die Bäume werden, die in 50 oder 100 Jahren einen Wald bilden, dem das Klima nichts anhaben kann. Aber welches Klima? So genau, kann das niemand sagen. "Wir setzen deswegen auf Risikominimierung durch Artenvielfalt und auf autochthone Bestockung, also auf hier entstandene Baumarten", erklärt Albert Schrenker.

Käfer - nicht Profit

Welche Mammutaufgabe der Waldumbau für die Forstleute bedeutet, zeigt ein Holzstapel, vor dem Albert Schrenker stehen bleibt. "Dafür ernten wir schon auch kritische Kommentare", sagt er. Von Profitgier ist die Rede, von Ausbeutung des Waldes. Was die Kritiker nicht wissen: "Das ist alles Käferholz", sagt der Forstmann.

Der Wassermangel hemmte die Fähigkeit der Fichten, sich mit Harzbildung gegen den Borkenkäfer zu wehren. Immer mehr Bäume fielen dem Schädling zum Opfer. Sie müssen rasch gefällt und aus dem Wald geschafft werden, um die Ausbreitung einzudämmen. Das ist gesetzlicher Auftrag. So verschwindet die Fichte immer rascher aus unseren Wäldern. Nachpflanzung beschleunigt den Waldumbau. "Seit 2012 haben wir im Forstbetrieb 158 Hektar Neukulturen angelegt, mit dem Ziel, stabile Wälder zu schaffen", erklärt Albert Schrenker. Hilft also der Schädling, den Umbau voran zu treiben? So einfach ist es nicht.

Das im Forst erfundene Prinzip der Nachhaltigkeit im Wirtschaften gebietet, stets weniger zu entnehmen als nachwächst. Bei den BaySf heißt das in Zahlen, dass auf 756 000 Hektar Waldfläche jährlich rund 6,1 Millionen Kubikmeter Holz nachwachsen. Es werden aber in der gleichen Zeit nur rund 4,8 Millionen Kubikmeter eingeschlagen. Für den Coburger Betrieb bedeutet das, wenn alles Käferholz entfernt wurde, bleibt nur mehr eine geringe Menge übrig, die noch geschlagen werden kann. Es ist aber auch geboten, Bestände mit anderen Baumarten zu pflegen - und dazu Bäume zu entnehmen. Hier das Maß zu halten, ist die Aufgabe des Betriebsleiters. Und es gehört zu seiner Verantwortung, den stark nachgefragten Rohstoff Holz zu vermarkten. Denn die Pflege der Wälder und das Großprojekt Umbau für die Zukunft kosten Geld, das erwirtschaftet werden muss.

Verantwortung auch für andere

"Daraus ergibt sich Verantwortung im Planungsprozess, ebenso aber gegenüber der Firmenstrategie der BaySf, im Blick auf den Umbau der Wälder", erklärt Albert Schrenker. Verantwortung aber auch gegenüber den anderen über 40 Betrieben der BaySf. Etwa, nicht selbst ohne Not große Mengen einzuschlagen, wenn andere wegen Schädlingsbefall eingreifen müssen und kaum wissen, wohin mit dem angefallenen Holz.

Nicht aller Wald in Bayern ist aber in staatlicher Hand. Sogar mehr als die Hälfte (54,2 Prozent) befindet sich nach Angaben des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StmELF) in privatem Besitz. Der Rest sind Wälder von Körperschaften wie Städten und Gemeinden oder gehört dem Bund.

Eigentum verpflichtet

Für die Privatwaldbesitzer gilt: Eigentum verpflichtet. Auch sie müssen sich an das Bundeswaldgesetz halten, müssen nachhaltig wirtschaften und Schädlinge bekämpfen. Dabei werden sie beraten aber auch überwacht durch die Forstbeamten der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Egal ob Privat-, Körperschafts- oder Staatswald, gerade in Zeiten des Umbaus der Wälder hat auch die Jagd Verantwortung für den Erhalt der Wälder zu tragen. Die Vorgabe lautet: Wald vor Wild. Dem Rechnung zu tragen, heißt vor allem die Zahl der Rehe und Hirsche so anzupassen, dass junge Bäume nachwachsen können, ohne zu stark vom Wild verbissen zu werden. Verantwortung tragen in diesem Zusammenhang aber auch alle, die den Wald zur Erholung und in der Freizeit nutzen. Sie sollten Rücksicht auf Vegetation und Tierwelt in den Wäldern nehmen - um auch in der Zukunft, diesen Lebensraum genießen zu können.

Argwohn aus Unkenntnis

Dass hin und wieder argwöhnisch betrachtet wird, was im Wald vor sich geht, hängt für Albert Schrenker auch mit Unkenntnis zusammen. Daher sieht er auch eine Verantwortung darin, zu informieren. "Wir wollen, dass verstanden wird, was wir tun", sagt er. Und manchmal könnte der Großbetrieb der BaySf sogar angeben, mit dem was er tut. So wurde etwa durch eine verbesserte Planung für die Holztransporte eine Einsparung von Millionen Litern Dieselkraftstoff bei den Transportunternehmen bewirkt. Eine Leistung, die gar nicht groß publik gemacht wurde.

Als Chef eines Forstbetriebs hat Albert Schrenker nicht zuletzt auch hohe Verantwortung für seine Mitarbeiter und die Beschäftigten der Firmen, die im Auftrag des Betriebs in den Wäldern tätig werden. Durch Fortbildung, gute Ausrüstung und Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen der Berufsgenossenschaft, wird dem Rechnung getragen.

Der Forstbetrieb Coburg der Bayerischen Staatsforsten betreut rund 7500 Hektar Wald. Da er aus dem einstigen Forst- und Domänenamt Coburg hervorgegangen ist, kommen aber auch erhebliche Landwirtschaftliche Flächen und Immobilien dazu. Das ist eine Besonderheit gegenüber anderen Forstbetrieben. Daraus ergibt sich eine weitere Verantwortung für den Betriebsleiter - doch die ist ein neues Thema.

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