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Natur

In diesen Tagen fliegt nur eine durch den Itzgrund

An flachen Gewässern nahe der Itz bei Kaltenbrunn ist die Winterlibelle zu beobachten. Naturschützer wüssten gern, wo sie noch auftaucht.
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Flache Gewässer, die sich schnell erwärmen, sind als Laichgewässer für Amphibien von hohem Wert, nutzen aber auch Wiesenbrütern und eben Libellen in einer Landschaft, in der ihre Lebensräume kleiner geworden sind. Alexander Ulmer sucht dort nach einer Winterlibelle.Rainer Lutz
Flache Gewässer, die sich schnell erwärmen, sind als Laichgewässer für Amphibien von hohem Wert, nutzen aber auch Wiesenbrütern und eben Libellen in einer Landschaft, in der ihre Lebensräume kleiner geworden sind. Alexander Ulmer sucht dort nach einer Winterlibelle.Rainer Lutz
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Sie sind flach, voller Pflanzen und ohne viel Bewuchs an den Rändern. Genau deswegen sind die drei Kleingewässer nahe der Itz bei Kaltenbrunn so wertvoll für ganz besondere Tiere. Wer jetzt dort die Augen offen hält, kann eines beobachten, das es gar nicht so leicht zu sehen gibt. Um die Winterlibelle - um die geht es - aus der Nähe bestaunen zu können, ist ein Netz nötig und eine Sondergenehmigung, die Alexander Ulmer als Geschäftsführer beim Landesbund für Vogelschutz tatsächlich hat.

Es braucht noch etwas. Geduld muss mitbringen, wer die einzige Libelle fliegen sehen will, die jetzt schon unterwegs ist. Dass sie schafft, was keine andere Libelle schafft, im Winter schon und auch jetzt unterwegs zu sein, verdankt sie einer ganz eigenen Entwicklung.

"Sie überwintert als Imago. Da ist sie die einzige Art, die das tut", sagt Alexander Ulmer. Und tatsächlich dauert es nicht lange und ein fast unscheinbarer schlanker Schatten huscht zwischen den Pflanzen hindurch. Eine rasche Bewegung mit dem Netz, und - nichts. Die Libelle war schneller.

Wenig später gelingt es doch. Für einen Moment muss sie sich der Gefangenschaft beugen. "Man muss wissen, wie man sie halten kann, dass sie nicht verletzt wird", erklärt der Naturschützer. Dann ein paar Fotos, und die Freiheit hat die Winterlibelle wieder.

"Libellen hatten schlechte Jahre", sagt Alexander Ulmer. Er meint die 70er und 80er. Damals waren die Gewässer verschmutzt. Tiere wie Libellen, die als Anzeiger für gute Wasserqualität gelten, hatten einen schweren Stand. "Inzwischen sind viele Arten, die auf der Roten Liste standen, dort wieder heraus genommen worden", sagt Alexander Ulmer. Ein Beleg dafür, dass Bemühungen, mit Kläranlagen, Renaturierungen und durch den Menschen wieder geschaffene Gewässer Wirkung gezeigt haben.

Unterschiedliche Entwicklung

In wenigen Wochen werden die Winterlibellen verschwunden sein. Ihr Leben ist nach etwa elf Monaten als Imago vorüber.

"Andere Libellenarten leben nur wenige Wochen als fertige Libelle", erklärt Alexander Ulmer. Manche brauchen fünf Jahre und länger für ihre Entwicklung. Die Winterlibelle durchläuft alle Stadien in wenigen Wochen und lebt dann überdurchschnittlich lange als fertige Libelle, die sogar an warmen Wintertagen Flüge unternimmt. Die flachen Kleingewässer an der Itz bieten ihr gute Lebensbedingungen. Aber nicht nur ihr. Sie wurden in erster Line mit dem Gedanken an Amphibien und Wiesenbrüter unter den Vögeln angelegt.

Der Mensch ahmt dabei etwas nach, was durch sein Einwirken aus der Natur verschwunden ist. Als Flüsse wie die Itz unbeeinflusst ihr Bett schaffen konnten, bildeten sich Totarme, die ähnliche Lebensraumqualität hatten wie die heute angelegten Gewässer. Solche Biotope, aber auch Blühstreifen, die zwischen den landwirtschaftlichen Flächen und den Flüssen unbearbeitet bleiben, vermehren den Lebensraum für Insekten, selten gewordene Pflanzenarten und damit auch für Vögel und kleine Säugetiere. Das hilft, Arten zu erhalten. Die Masse früherer Jahrzehnte wird damit nicht erreicht. Sie ging zurück, als Wiesen immer früher und häufiger gemäht wurden. Damit kommen die meisten Blütenpflanzen nicht mehr auf. Schmetterlinge finden nicht mehr genug Pflanzen, auf die ihre Raupen angewiesen sind. Bienen fehlt der Blütenstaub Der Artenreichtum geht zurück.

Inzwischen gibt es immer mehr Bemühungen, über die Vielfalt der Pflanzen wieder mehr Vielfalt bei den Insekten und Vögeln zu schaffen. Ein Beispiel ist das Rebhuhnprojekt, das auch im Coburger Land zu Flächen mit großer Pflanzenvielfalt führt, Gewässerrandstreifen und Blühstreifen an Äckern, die von Landwirten geschaffen werden, sind weitere Veränderungen, die mit der Zeit Wirkung zeigen sollen.

Wer jetzt an seinem Gartenteich eine Libelle beobachtet, kann sicher sein, dass es sich um eine Winterlibelle handelt. Der LBV würde sich freuen, wenn solche Beobachtungen unter coburg@lbv.de mitgeteilt würden.



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