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Franken wandert

In der Einberger Schweiz lauert der Feind des Wanderers

Wanderer und Mountainbiker sind sich nicht grün. Überflüssiger Weise, sagen sie beim Neustadter Alpenverein bei ihrer Tour durch die Einberger Schweiz.
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Sie gelten inzwischen als natürliche Feinde: Wanderer und Mountainbiker. Dass das so ist, tut einem Mann wie Thomas Weitz im Herzen weh. Denn Weitz, Vorsitzender der Neustadter Ortsgruppe im Deutschen Alpenverein (DAV), ist beides: gerne zu Fuß in der Natur unterwegs, aber auch begeisterter Biker. Deshalb ist er überzeugt davon, dass sich beide Gruppen das gleiche Revier teilen können. "Wenn man ordentlich miteinander umgeht, kann es keine Probleme geben", sagt Thomas Weitz.

Lukas Welsch ist so ein Youngster, auf den die traditionelle Wanderergeneration schon mal allergisch reagieren kann: knallgrünes Trikot, High-Tech-Bike, fit und schnell unterwegs. Aber weil er Mitglied in der Mountainbike-Gruppe im Neustadter Alpenverein ist, hält er sich strikt an die Regeln und kann deshalb versichern: "Ich hatte bisher kaum Probleme mit Fußgängern." Warum auch, sagt Lukas und zuckt mit Schultern: "Wir wollen doch alle nur die Natur erleben und sollten uns nicht gegeneinander aufhetzen."

Robert Matzke leitet die meisten Touren, die die DAV-Mountainbiker in Angriff nehmen. Wenn seinen Jungs dabei mal ein bisschen die Gäule durchgehen und sie beim Bremsen ein Spur im weichen Waldboden hinterlassen, kriegt er schon leicht die Krise: "Wir sollten so unterwegs sein, dass wir nichts kaputt machen." Und schon gar nicht andere Menschen gefährden. Deshalb ist Matzke mit seiner jungen Truppe auch gerne in der Einberger Schweiz unterwegs, weil dort - die Wochenenden mal ausgenommen - trotz aller Naturschönheiten kaum Wanderer auf den schmalen Waldwegen unterwegs sind. Wenn dann doch welche kommen, gilt eine klare Ansage, betont Thomas Weitz: "Fußgänger haben immer Vorrang." Wenn man sich dann noch gegenseitig grüßt, ergänzt Robert Matzke aus jahrelanger Erfahrung, ist die leicht angespannte Stimmung beim Aufeinandertreffen schnell aus der Luft.

Eng wird's, wo's eng wird

Michael Welsch findet sowieso nicht, dass sich Wanderer und Biker im Coburger Land wie Hund und Katz' gegenüberstehen. "Viel hochgespielt" werde da, sagt der Neustadter DAV-Jugendreferent. Richtig problematisch wird es seiner Ansicht nach nur dort, wo auf engem Raum viele verschiedene Interessen aufeinander treffen. Solche Brennpunkte liegen nach Welschs Überzeugung aber nicht im Coburger Land, sondern eher in den Tourismushochburgen der Alpen: "Da treffen dann Mountainbiker, Bergsteiger, Wanderer und Birkenstockfußgänger aufeinander." Eine gefährliche Mischung.

Im Deutschen Alpenverein hat man sich bereits vor 15 Jahren Gedanken gemacht, wie die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen sind. Thomas Weitz zieht ein gut 20-seitiges Schriftstück aus der Tasche. Darauf steht: "Mountainbiken - Positionen und Handlungsempfehlungen des Deutschen Alpenvereins." Was drin steht, hat jeder, der die bis zu fünf Jahre lange Ausbildung zum Tourenführer beim DAV absolviert hat, im Kopf. Thomas Weitz fasst zusammen: "Die Natur und der Wald stehen allen offen, also sollten wir pfleglich damit umgehen."

Deshalb verdreht der Leiter der Neustadter DAV-Sektion auch gewaltig die Augen, wenn er auf die bei Coburg wild angelegte Downhill-Strecke angesprochen wird, die in den vergangenen Wochen Schlagzeilen und Diskussionen gleichermaßen ausgelöst hat. "Mit solchem Wildwuchs wollen wir absolut nichts zu tun haben. So was machen wir nicht", sagt Weitz, während Johann Pfeffer danebensteht und entschlossen nickt. Natürlich, sagt Johann (der meist auch mit dem Rad zur Schule fährt) sind es die anspruchsvollen Trails durch den Wald, die ihm Spaß machen. Aber einfach so Rampen zu bauen und das Gelände zu zerstören, käme ihm nicht in den Sinn.

Dennoch dürfen es die Youngster, die sich meist am Freitagnachmittag zu ihren Touren rund um Neustadt treffen, auch mal krachen lassen. Aber nur im gesicherten Umfeld. Noch vor den Sommerferien will Thomas Welsch mit der Jugendgruppe ins Trainingslager nach Sachsen fahren. Ziel ist das Trailcenter am Rabenberg, ein absoluter Hotspot der Bikerszene. Wer nicht ganz so abenteuerlustig drauf ist, dem empfiehlt Thomas Weitz, im Coburger Land zu bleiben. Da bieten sich der "Blaupunktweg" rund um Neustadt/Rödental oder der 62 Kilometer lange Carl-Escher-Weg durch den nördlichen und westlichen Landkreis an.

Beim DAV wird mehr als nur gewandert

Mountainbike: Beim Alpenverein in Neustadt treffen sich die "MTB Senioren" jeweils montags um 17.30 Uhr zu gemeinsamen Touren in der "Knochswustung". Die "MTB Junioren" (9 bis 16 Jahre) treffen sich jeweils freitags um 16 Uhr, ebenfalls in der "Knochswustung". Ansprechpartner für beide Gruppen ist Robert Matzke (Telefonnummer 09568/1553).

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