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Coburg
Podiumsdiskussion

In der CoJe gewinnt Sauerteig

Der Saal war voll - doch die Erstwähler waren eher in der Minderheit. Sowohl die Art der Diskussion als auch die Aussagen vermochten sie wenig zu überzeugen.
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Kandidaten, von links nach rechts aufgereiht nach Alphabet: In der CoJe des Stadtjugendrings diskutierten am Freitag Thomas Apfel (WPC), Martina Benzel-Weyh (Coburger Liste), Christian Meyer (CSU), Christian Müller (CSB), die Moderatoren Tim Pechauf und Tom Krawzyk, Michael Partes (ÖDP), Dominik Sauerteig (SPD), Ina Sinterhauf (Grüne) und Michael Zimmermann (FDP). René Hähnlein (Linke) fehlte - wie in den vorangegangenen Kandidaten-Runden auch. Foto: SImone Bastian
Kandidaten, von links nach rechts aufgereiht nach Alphabet: In der CoJe des Stadtjugendrings diskutierten am Freitag Thomas Apfel (WPC), Martina Benzel-Weyh (Coburger Liste), Christian Meyer (CSU), Christian Müller (CSB), die Moderatoren Tim Pechauf und Tom Krawzyk, Michael Partes (ÖDP), Dominik Sauerteig (SPD), Ina Sinterhauf (Grüne) und Michael Zimmermann (FDP). René Hähnlein (Linke) fehlte - wie in den vorangegangenen Kandidaten-Runden auch. Foto: SImone Bastian
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Wie kann man die Jugend besser an politischen Entscheidungen beteiligen, wäre mehr Geld für die Ferienprogramme des Stadtjugendrings drin, was wollen die Oberbürgermeisterkandidaten für mehr Klimaschutz tun? Diese Themen bewegen Jugendliche, wie die "Fragetafel" im Foyer der CoJe zeigt: Jeder Gast hatte beim Einlass einen Block erhalten und durfte darauf Fragen schreiben, die an die Tafel gepinnt wurden.

Drin, im großen Saal, stehen acht der neun Coburger OB-Kandidaten an schmalen Pulten, dazwischen die Moderatoren Tim Pechauf und Tom Krawzyk. Diskussion laufen lassen, lautet die Devise bis zur Pause. Kommt aber offenbar nicht so gut an: Sie würden nun stärker eingreifen, kündigt Moderator Krawzyk nach der Pause an. Außerdem sollten sich die Kandidaten um mehr Unterscheidbarkeit bemühen.

Doch das bleibt mühsam. Das Thema Klimaschutz landet schnell bei Radwegen und der Frage, was es zuerst braucht: Ein integriertes Verkehrskonzept, oder sollte man einfach an der einen oder anderen Stelle anfangen, Radwege sicherer zu machen? Der Stadtbusverkehr ist der nächste Punkt: Eindeutiger Wunsch der Jugendlichen ist, dass Busse auch noch nach 20 Uhr fahren sollten. Da gibt es zumindest ein paar konkrete Aussagen: Dominik Sauerteig (SPD) und Christian Müller verweisen aufs Anrufsammeltaxi, Thomas Apfel (WPC) hält es für vorstellbar, dass dieses Anrufsammeltaxi auch feste Routen fährt beziehungsweise bereitsteht, wenn abends die ICE in Coburg ankommen. Aber dann landet die Diskussion bei der Frage, wer kostenlose Tickets erhalten soll und wer da den besseren Antrag im Stadtrat gestellt hat oder stellen wird. Die Frage Spätbus ist passé.

Es soll einen Sieger des Abends geben: Wer mitstimmen will, muss per Handy eine Website aktivieren und seinen Favoriten anklicken. Bis das Ergebnis zurückgemeldet wird, sollen die Kandidaten noch einmal für sich werben. Jeder hat eine Minute Zeit. Das sorgt nicht nur bei den älteren Besuchern im Saal für leicht ratlose Gesichter: Jetzt, wo abgestimmt ist?

Auch das oder die Ergebnisse sorgen für leichte Verwirrung: Auf der Leinwand im Saal ist Christian Meyer (CSU) als zweiter Sieger zu sehen (bei 109 abgegebenen Stimmen). Aber offenbar schickt die Website mehrere Resultate: Von einem Handydisplay leuchtet Thomas Apfel (WPC) als Zweitplatzierter, Meyer ist dritter. Sieger ist in jedem Fall Sauerteig, mal mit 25, mal mit 30 Stimmen. Auch die übrigen Platzierungen bleiben gleich: Ina Sinterhauf (Grüne) liegt auf Platz 4, Martina Benzel-Weyh (Coburger Liste) auf 5, Christian Müller knapp dahinter auf 6, Michael Partes (ÖDP) und Michael Zimmermann (FDP) abgeschlagen auf den Plätzen 7 und 8.

Ob diese Platzierungen auch damit zu tun haben, dass sich etliche Parteigänger der Kandidaten im Saal befanden? Das zumindest vermuten auch die Jugendlichen, die in den vorderen Reihen sitzen. Namentlich zitiert werden wollen sie nicht. Etliche sind auch aus dem Landkreis und damit nicht in Coburg wahlberechtigt. "Es war schön zu sehen, wer es alles werden könnte", sagt eine junge Frau. "Es betrifft uns ja trotzdem, wir gehen hier zur Schule."

"Es war mehr Show", sagt eine andere junge Frau. "Ich weiß nicht, wen ich wählen würde." An der Telefon-Abstimmung hat sie teilgenommen, "mich spontan zwischen dreien entschieden". Der Besucher neben ihr vermisst nach knapp zwei Stunden die Information. "Man muss sich wohl einlesen in die Programme." Der Dritten in der Gruppe haben "die Standpunkte gefehlt. Die Unterschiede waren nicht sichtbar. Zusammenarbeit wollen alle." Überhaupt seien die Diskutanten auf dem Podium einander nur ins Wort gefallen, wenn einer (oder eine) sich persönlich angegriffen fühlte. "Viel Selbstinszenierung", "die Zielgruppe war schnell vergessen", und "es wurde über Jugendliche gesprochen, aber nicht mit ihnen" lauten weitere Kritikpunkte der drei. "Wir hatten gedacht, dass wir Fragen stellen können."

Auch ein junger Mann, der sich noch mit Matthias Zimmermann von der FDP fotografieren lässt, zeigt sich leicht enttäuscht. "Es war wenig Neues. Wie die letzte Diskussion im Brauhaus auch. Im Vergleich dazu fehlte hier nur das Thema Kliniken. Die Kandidaten heben sich wenig voneinander ab."

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