Coburg
Sitzung Bau- und Umweltsenat

In Coburg wurde ein Beirat für Baukultur installiert

Ein neues Gremium aus Architekten und Stadtplanern wird sich mit dem umstrittenen Angerhotel in Coburg befassen - und nur Empfehlungen aussprechen.
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Das erste Projekt, mit dem sich der neue Baurat für Baukultur beschäftigen wird, ist das geplante Hotel am Anger.  Foto: CT-Archiv
Das erste Projekt, mit dem sich der neue Baurat für Baukultur beschäftigen wird, ist das geplante Hotel am Anger. Foto: CT-Archiv
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Die Geschäftsordnung des neuen Beirates für Baukultur tritt am 1. Juni in Kraft, das erste Projekt steht schon an, und es geht gleich richtig zur Sache: Es ist das geplante Hotel auf dem Ketschenanger, dem sich das dreiköpfige Gremium widmen wird. Der Bau- und Umweltsenat sprach sich am Mittwoch jeweils einstimmig für Prof. Martin Schirmer (Würzburg), Eva Maria Lang (Dresden) und Norbert Diezinger (Eichstätt) aus. Als Ersatz wurde, ebenfalls ohne Gegenstimme, der gebürtige Coburger Ulrich Manz (Bamberg) in das Gremium berufen. Die Architekten und Stadtplaner hatten vorher ihre Bereitschaft bekundet.

Es sind hehre Ziele, die dem "Beirat für Baukultur der Stadt Coburg" auf die Fahne geschrieben wurden: Das dreiköpfige Gremium soll "zur Verbesserung des Stadtbildes beitragen, die architektonische Qualität auf einem hohen Standard sichern sowie städtebauliche und architektonische Fehlentwicklungen verhindern". Der Beirat wird nach seiner Geschäftsordnung "Vorhaben von besonderer städtebaulicher Bedeutung in ihrer Auswirkung auf das Coburger Stadt- und Landschaftsbild, unabhängig von ihrer Qualität und Größe, begutachten".

Im September vergangenen Jahres hatte der Stadtrat beschlossen, diesen Beirat zu etablieren. Eine ähnliches Gremium hatte es schon einmal gegeben, sich dann aber verflüchtigt. Das nun etablierte Triumvirat spricht lediglich Empfehlungen aus. Der Beirat befasst sich mit Bauvorhaben, die der Leiter des Referates für Bauen und Umwelt vorschlägt. Das wird nach der aktuellen Geschäftsverteilung der Zweite Bürgermeister sein. Nach der Geschäftsordnung können dem neuen Beirat "in begründeten Einzelfällen" auch städtische Planungen vorgelegt werden.

Müssen unbefangen sein

Mitglieder des Baukulturbeirates sind Fachleute aus den Gebieten Städtebau und Architektur. Für unbefangene Entscheidungen dürfen diese nicht innerhalb eines 50-Kilometer-Radius von Coburg ihren Wohn- und Arbeitssitz haben und während der zweijährigen Amtszeit auch nicht in der Stadt planen oder bauen. Ausgeschlossen sind auch Planungsgemeinschaften mit anderen Büros. Alle zwei Jahre müssen zwei der drei Mitglieder ausgewechselt werden, längstens sind zwei Amtsperioden möglich. Mindestens viermal im Jahr soll der Beirat zusammenkommen. Während die Beratungen hinter verschlossenen Türen stattfinden, sollen die Vorhaben - vorausgesetzt die Bauherren stimmen zu - öffentlich vorgestellt und dann auch die Stellungnahmen den Medien zur Verfügung gestellt werden. Bei seinen nichtöffentlichen Sitzungen ist der Beirat nicht zwingend unter sich: Die Geschäftsordnung legt fest, dass Oberbürgermeister, Bürgermeister, Stadträte und Verwaltungsmitarbeiter teilnehmen können. Sind Gewerbetreibende betroffen, kann auch die IHK dabei sein. Der Geschäftsordnung des Baukulturbeirates stimmte der Ausschuss nach kurzer Diskussion einmütig zu.

Keine Unbekannten

Die Mitglieder des Beirates sind in Coburger Fachkreisen keine Unbekannten. So hat Professor Martin Schirmer die Rahmenplanung für das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes und Schlachthofes gemacht, Ulrich Manz errang den 3. Platz beim Architektenwettbewerb um das Bürgerhaus im Stadtteil Wüstenahorn und den 2. Platz beim Wettbewerb "Coburgs neuer Süden". Architektin Eva Maria Lang war als Preisrichterin beim Wettbewerb zur Ketschenvorstadt tätig, mit mehreren Auszeichnungen kann der Eichstätter Architekt Norbert Diezinger aufwarten.

Stadtplaner Karl Baier begründete die befristete Amtszeit der Beiräte von zwei Jahren mit einem "dann jeweils neuen Blick auf die Dinge".

Ein Landschaftsplaner ist nicht im Coburger Baukulturbeirat. Im Senat geht man davon aus, dass es in der Regel um Hochbauprojekte gehen werde.

Wie es mit dem Creidlitzer Feuerwehrgerätehaus weitergeht

Dunkelgrau mit roten Rechtecken und Winkeln wird sich das neue Gerätehaus der Creidlitzer Feuerwehr präsentieren. Dafür hat sich die Feuerwehr des Stadtteils mehrheitlich ausgesprochen, der Bau- und Umweltsenat schloss sich diesem Wunsch in seiner Sitzung am Mittwoch an.

Auch die geänderte Position des Gebäudes auf dem Grundstück an der Creidlitzer Straße hat die allgemeine Zustimmung gefunden.

Zunächst sollte das Feuerwehrgerätehaus an der Grundstücksseite in Richtung des Stadtteiles Ketschendorf entstehen, die Parkplätze für die Feuerwehrleute auf der Seite zu Creidlitz. Aber das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek) fordert, das Zusammenwachsen von Stadtteilen zu vermeiden, um den "Siedlungscharakter als Dorf" zu erhalten. Daher wurde die Lage von Gebäude und Stellplatz kurzerhand gespiegelt.

Bei Bedarf erweiterbar

Zum Nachbargrundstück wird das neue Feuerwehrhaus acht Meter Abstand haben. "Dann kann bei Bedarf noch erweitert werden", sagte Thorsten Huld vom Hochbauamt der Stadt. Die Folge davon ist, dass für die Alarmausfahrt der Feuerwehrwagen zwei Bäume gefällt werden müssen. "Ein Baum ist bereits stark geschädigt", sagte Thorsten Huld. Der andere Baum "weist deutliche Vitalitätseinschränkungen" auf, wie sich Huld ausdrückte. Für beide soll es Ersatz geben.

Aus städtebaulicher Sicht wird auf eine Schranke bei der Alarmausfahrt verzichtet. Allerdings kann eine Schranke nachgerüstet werden, sollten fremde Wagen dort parken.

56 neue Wohnungen an der Itz

Auf dem Grundstück des ehemaligen Edekamarktes zwischen Vorderem Floßanger und der Itz werden in fünf Gebäuden insgesamt 56 Wohnungen entstehen. Der Bau- und Umweltsenat billigte am Mittwoch den Vorhabens- und Erschließungsplan. Das Würzburger Wohnungsbauunternehmen Apart Wohnen GmbH kann nun mit den Bauarbeiten beginnen.

Das eingeschossige Gebäude des früheren Edekamarktes ist noch an die einstige Glühlampenfabrik Hellum in der Kasernenstraße 14 angebaut. Nach dem Abbruch des Marktes wird dieses denkmalgeschützte langgestreckte Haus wieder alleine stehen. Durch das Wohnbauprojekt wird das noch fast vollständig versiegelte Grundstück an der Itz wieder mit mehr Grün versehen. "Es ist eine ideale Fläche, um in der Stadt die Bebauung nachzuverdichten", so Joachim Träger vom Stadtplanungsamt. Ob Altlasten im Boden seien, würden Untersuchungen ergeben. Der Bauträger wird verpflichtet, den Fuß- und Radweg vom Vorderen Floßanger bis zur Brücke über die Itz bis zum Jahresende 2021 wieder herzustellen und auch während der Bauarbeiten offen zu halten.



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