Coburg steht für vieles - zum Beispiel für eine adelige Vergangenheit und eine sportbegeisterte Gegenwart. In den nächsten Wochen und Monaten wird Coburg auch für die Spider Murphy Gang ("Skandal im Sperrbezirk", "Schickeria") stehen.

Mathias Straub, Schauspieldirektor am Landestheater und inzwischen so etwas wie der fränkische Blockbuster-Papst, hat der Münchner Kultband ein eigenes Musical gewidmet. Am Samstag ist Uraufführung, und nicht nur Spider-Murphy-Fans aus Nah und Fern haben ihr Kommen angekündigt: Auch Günther Sigl, Sänger und Kopf der vor allem in den 80er Jahren so populären Gang, wird der Premiere beiwohnen.

Los geht's um 19.30 Uhr, doch zum Gucken gibt es schon vorher etwas. Günther Sigl wird mit einem Cadillac zum Landestheater chauffiert. Gegen 19 Uhr soll er dort eintreffen, Oberbürgermeister Norbert Tessmer gehört zum Begrüßungskomitee. Ein solches Bohei und vermutlich viele schöne Schlagzeilen, für die das Stück landauf landab sorgen dürfte, tun dem Landestheater in diesen nicht einfachen Zeit natürlich gut. Aber auch Günther Sigl hat sich sehr gefreut, als er von dem ehrgeizigen Projekt erfuhr. "Ich fühle mich geadelt", sagte er - wie passend, dass ihm das ausgerechnet in einem ehemaligen Herzogtum passiert!

Günther Sigl wird auch in Coburg übernachten. Ob er allerdings am Sonntag noch bis zum Nachmittag bleibt, um sich das nächste Heimspiel des BBC anzuschauen, ist eher fraglich. Obwohl: Spannend wäre es da bestimmt auch - wobei in der "Sportstadt Coburg" derzeit ja nicht nur rein sportlich für ordentlich Gesprächsstoff gesorgt ist. Da wäre etwa die kuriose Regenwurm-Plage in der Stocke-Anlage, die pfiffige Sammelbild-Aktion des SV Ketschendorf oder auch der bevorstehende Wechsel an der Spitze des FC Coburg. Vorsitzender Walter Luft wünscht sich als Nachfolger Wolfgang Gremmelmaier. Der ehemalige Vorstand der VR-Bank Coburg zögert aber noch, zumal er auch schon seine ehrenamtliche Mitarbeit beim BBC angeboten und zum Teil bereits aufgenommen hat.

Kleines Zwischenfazit an dieser Stelle: Es ist mal wieder ganz schön was los in und um Coburg - und dabei haben wir die leidigen Themen Interimsspielstätte, Straßenausbaubeitragssatzung ("Strabs") oder CSU Neustadt sogar noch ausgespart. Es sei heute auch nur in Kürze darauf hingewiesen - denn es wird immer komplizierter, da noch den Überblick zu behalten. Interessant allerdings, dass bei diesen drei besagten Themen jeweils Jürgen W. Heike eine zentrale Rolle spielt - und dass der CSU-Landtagsabgeordnete in zwei der drei Fälle deutlich besser und enger als sonst mit seinem Parteifreund Hans Michelbach zusammenarbeiten kann.

Sehr viel greifbar Neues gibt es aber bei noch keinem der drei Themen. In Sachen Interimsspielstätte und "Strabs" werden überall munter Gespräche geführt, deren Ergebnisse aber unterschiedlich interpretiert werden. Es bleibt auf jeden Fall spannend - wenn auch nicht ganz so positiv spannend wie etwa beim Basketball.

Was die inzwischen völlig verfahrene Situation bei der CSU in Neustadt und allen voran das Zerwürfnis von Jürgen W. Heike und Elke Protzmann betrifft, ist das Grundproblem, dass über den Auslöser von allem nicht offen gesprochen wird. Das ist einerseits auch gut so: Denn es geht da um private Dinge, die auch privat bleiben dürfen. Das ist andererseits aber auch fatal, denn ohne das gesamte Hintergrundwissen ist der Streit für die Öffentlichkeit kaum nachzuvollziehen. Aber sagen wir es mal so: Sollte aus diesem Zwist eines Tages ein Stück fürs Theater geschrieben werden, dann wird das bestimmt kein vergnügliches Musical, sondern eher eine peinliche Schmierenkomödie. Ganz ehrlich: Da ist uns der "Skandal im Sperrbezirk" deutlich lieber.