Coburg
Kunst

In Coburg legal Graffitis sprühen

In Coburg gibt es eine Wand, an der das Graffiti-Sprayen erlaubt ist. Eine Wand zum Austoben und Tanzen.
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Paul Ritzert sprüht legal an einer Wand des Coburger Schlachthofes. Christoph Wiedemann
Paul Ritzert sprüht legal an einer Wand des Coburger Schlachthofes. Christoph Wiedemann
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Graffiti-Künstler werden Tänzer genannt, weil man die Farbe dynamisch - mit Schwung - an die Wand bringt, erklärt Paul Ritzert. Das kann der Graffiti-Künstler nun legal an einer Wand im Coburger Schlachthof ausleben.

Angefangen hat Paul Ritzert im eigenem Partykeller. "Da ist mittlerweile eine Zentimeterdicke Farbschicht an der Wand", sagt er. Ansonsten waren die Möglichkeiten für das Sprayen beschränkt. Im Öffentlichen Raum ist es illegal, da gab es laut Paul Ritzert auch mal Sozialstunden.

Das Illegale gehört nun der Vergangenheit an. Die Sprayer haben das der Stadtratsfraktion der SPD zu verdanken. Die Fraktionsvorsitzende Petra Schneider erklärt, dass sich die SPD mit der Jugend in Coburg beschäftigt hatte. Dazu seien sie in das Jugendzentrum "Domino" gegangen, um vor Ort nachzufragen, was den Jugendlichen fehle. Schnell kam Paul Ritzert, der nach einer freien Fläche zum Graffiti-Sprayen fragte.

"Hier geht es nicht um Schmierereien. Ich finde das Klasse", sagt Petra Schneider. Deshalb suchten sie eine geeignete Stelle. Sie musste nach Schneiders Angaben "innenstadtnah, gut erreichbar sein und es darf niemand gestört werden."

Zusammen mit der Wirtschaftsförderung und dem Wohnbau der Stadt Coburg ist man auf den Schlachthof gekommen. "Das Anliegen ist bei den Verantwortlichen sofort auf Begeisterung gestoßen", sagt Petra Schneider. So wurde im Oktober 2017 eine Wand für die Sprayer freigegeben.

Petra Schneider sagt: "Das weiß bisher noch nicht jeder. Vor ein paar Wochen wurden Sprayer am Schlachthof von der Polizei mitgenommen." Die Polizeibeamten wussten nicht, dass die Wand am Schlachthof legal besprüht werden darf.

Der Sprecher der Polizei Coburg, Stefan Probst, erklärt für das illegale Sprayen: "Das ist Sachbeschädigung durch Graffiti. Wenn Sachen der Allgemeinheit, wie beispielsweise eine Parkbank, besprüht werden, ist das eine gemeinschädliche Sachbeschädigung."

Die Sprayer werden laut Probst an ihren Tags, dem Zeichen, dass sie sprühen, erkannt und können ermittelt werden. "Es wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft", erklärt Probst. Die Strafe richte sich dabei immer an das Ausmaß der Beschädigung und der möglichen Vorstrafen.

Damit am Schlachthof alles im Legalen bleibt ist Paul Ritzert der Verantwortliche. Wer dort sprayen möchte, muss sich zuerst bei ihm melden. "Bisher sind wir zu acht", sagt Ritzert. Der 18-Jährige sprüht seit zwei Jahren. Er ist von "dem Gefühl die Farbe an die Wand zu bringen, den vielen Techniken und dem Dynamischen" des Sprayens begeistert.

Bisher hat der 18-Jährige Auftragsarbeiten erledigt. "Am Stocke Stadion habe ich die Garagen und Lagerräume gemacht", sagt er. Dabei sei die Motivwahl allerdings nicht frei, da dort Martin Luther und Motive der Toleranz und Demokratie gewünscht wurden. Auch mehrere private Aufträge hatte Paul Ritzert bisher erledigt.

Deshalb ist der Sprayer froh über die Wand am Schlachthof: "Eine Wand zum Austoben, das ist mein absoluter Traum." Dort kann Paul Ritzert frei nach seinen Wünschen die Wände besprühen und ist an keine Motivvorlagen gebunden.

Am liebsten sprüht Paul Ritzert Pieces. Das sind Schriftzüge. Bevor so ein Schriftzug an die Wand kommt, zeichnet er den Schriftzug in ein Sketchbook - Skizzenbuch. Die Polizei nennt das Blackbook, erwähnt Paul Ritzert.

"Die Wand ist optimal", sagt der 18-Jährige. Sie sei leicht rau, so dass die Farbe nicht verläuft. Sie Wand hat eine gute Höhe und besteht nicht aus Sandstein - dort würde die Farbe einziehen. Zur Ausrüstung eines Sprayers gehört neben den Sprühdosen auch eine Atemschutzmaske. "Das Lösungsmittel in den Farben ist krebserregend", sagt Paul, "wenn man die Maske kurz abnimmt, wird einem schnell schwummrig."

Wie lange am Schlachthof legal gesprüht werden darf, ist nicht festgelegt worden, sagt Petra Schneider. Michael Böhm vom Stadtmarketing Coburg betreut dieses Projekt und ist der Ansprechpartner für Menschen, die dort ebenfalls sprayen wollen. Außerdem erklärt Böhm, dass im Sommer Veranstaltungen mit Graffitikünstlern angedacht sind.

Paul Ritzert würde am liebsten mit der Kunst sein Geld verdienen. "Das wird aber schwer und kaum machbar sein. Aber ich mag Chemie und die Noten spielen auch mit." Um dem Graffiti nicht ganz abgekehrt zu sein, wäre dann ein Beruf bei einer Sprühdosenfirma denkbar, ergänz er.

Wer am Schlachthof sprayen möchte, solle sich bei Paul Ritzert auf dem Instagram Profil: paul_enyx melden.
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