Coburg

In Coburg gibt's kein Ticket für den VGN

Das Bus- und Bahnnetz des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg endet in Lichtenfels. Das führt dazu, dass im Nahverkehr Fahrten von Coburg weg teurer sein können als Fahrten nach Coburg.
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Reger Betrieb herrscht auf dem Coburger Hauptbahnhof vor allem Mittags, wenn die Schüler nach Hause fahren. Weil die meisten Fahrten von und nach Coburg sich innerhalb des Landkreises abspielen, erscheint für die Verantwortlichen in Stadt und Landkreis ein Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg derzeit wenig attraktiv: Er würde vor allem zu höheren Kosten führen. Fotos: Simone Bastian
Reger Betrieb herrscht auf dem Coburger Hauptbahnhof vor allem Mittags, wenn die Schüler nach Hause fahren. Weil die meisten Fahrten von und nach Coburg sich innerhalb des Landkreises abspielen, erscheint für die Verantwortlichen in Stadt und Landkreis ein Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg derzeit wenig attraktiv: Er würde vor allem zu höheren Kosten führen. Fotos: Simone Bastian
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Der Fahrkartenautomat im Coburger Bahnhof zeigt es auf Euro und Cent an: 47 Euro kostet die Fahrt von Coburg nach Nürnberg und wieder zurück im Nahverkehr. Zwar gibt es Sparangebote, aber die gelten nur mit Einschränkungen (siehe Kasten unten).

Wer indes von Lichtenfels nach Nürnberg und zurück fährt, kann dies zum VGN-Tarif tun und zahlt maximal 21,60 Euro - also weniger als die Hälfte. Das Tagesticket für den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg ist sogar noch billiger: Damit kann ein Fahrgast den ganzen Tag im Gebiet des VGN herumfahren - günstiger geht's nicht.
Die Coburger werden freilich nicht so schnell ins VGN-Gebiet kommen. Letztmals befassten sich Stadtrat und Kreistag im Dezember 2012 mit diesem Thema.
Damals erwogen neben Coburg auch die Städte und Landkreise Lichtenfels, Coburg und Kulmbach den Beitritt zum VGN, erinnert sich Marita Nehring, Beauftragte für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Stadt und Landkreis Coburg.

Lichtenfels sah Vorteile
Lichtenfels entschied sich damals für den Beitritt. Da spielte auch der Gesichtspunkt eine Rolle, dass dann die Obermaintherme in Bad Staffelstein für die Einwohner des Großraums Nürnberg günstiger zu erreichen wäre. Allerdings verzögerte sich dann der Lichtenfelser Beitritt: Erst seit 1. Januar gelten auch im dortigen Landkreis die Ticketpreise des Verkehrsverbunds.

Sowohl Stadtrat als auch Kreistag in Coburg lehnten den VGN-Beitritt seinerzeit einstimmig ab, da zu teuer. Denn die Gebietskörperschaften, die beitreten, müssen Ausgleichszahlungen leisten. Rund 242 000 Euro hätte das den Landkreis pro Jahr gekostet; die Stadt hätte knapp 170 000 Euro pro Jahr locker machen müssen. Die Zahlungen gleichen den Unterschied aus zwischen dem, was durch den Ticketverkauf hereinkommt und dem, was der ÖPNV tatsächlich kostet. Hinzu wären umfangreiche Investitionen für die Tarifumstellung gekommen, wie für die Entwerter und Ausstattung der Haltestellen. Im ersten Jahr hätte der Landkreis deshalb insgesamt rund 600 000 Euro aufwenden müssen, die Stadt etwas über 320 000 Euro.

Keine Verbesserung im Angebot
Der VGN bietet seinen Mitgliedern auch die gemeinsame Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit an. Aber eine Verbesserung des Angebots bei Bussen und Bahnen hätte Coburg durch einen Beitritt nicht gehabt, sagt Marita Nehring.

Und: Die meisten Fahrgäste von Bussen und Bahnen im Raum Coburg bewegen sich laut Nehring innerhalb des Landkreisgebiets oder bestenfalls in die angrenzenden Regionen. Bis nach Nürnberg fahren die wenigsten regelmäßig. Das würde bedeuten, dass die hohen Ausgleichszahlungen letztlich nur einem kleinen Teil der Fahrgäste zugute kämen.

Wer kombinieren will, muss entwerten!
dolf Gubesch war angenehm überrascht: Er könne für seine Fahrt nach Coburg eine Zehner-Streifenkarte des VGN mit einem Bahnticket Lichtenfels-Coburg kombinieren, sagte die Dame am Erlanger Fahrgastschalter. Diese Kombination war für den Coburger immerhin 2,90 Euro billiger als das reguläre Bahnticket für die Strecke Erlangen-Coburg. Das Gebiet des Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) umfasst schon große Teile Nordbayerns und seit 1. Januar auch den Landkreis Lichtenfels.

Doch von Coburg nach Erlangen ist diese Kombination nicht möglich. Zumindest wird sie am Coburger Bahnhof nicht verkauft - weder am Automat noch im Reisezentrum. Das bestätigt ein Sprecher der Bahn: "Die Automaten und Schalter außerhalb des VGN-Gebietes verkaufen keine VGN-Angebote, so dass es über diese Vertriebswege nicht möglich ist, beide Tickets verbundeinbrechend vor Fahrtantritt zu erwerben."

Im Internet lassen sich inzwischen aber sowohl Bahn- als auch VGN-Tickets kaufen. Wer das tut, kann also durchaus ab Coburg mit einem VGN-Ticket in der Tasche fahren - er (oder sie) braucht nur eine Bahnfahrkarte bis Lichtenfels. Aber auch da heißt es aufpassen: Gemäß den Bestimmungen des VGN muss die VGN-Fahrkarte vor Fahrtantritt entwerten werden. "Hier müsste der Kunde in der Tat an der Verbundgrenze aussteigen und in Lichtenfels die Fahrkarte entwerten", erklärt dazu der Bahnsprecher. Deshalb akzeptiere die Bahn solche Ticket-Kombinationen nur in Zügen, die auch an der entsprechenden Haltestelle halten, in diesem Fall in Lichtenfels. In ihren eigenen Zügen verkaufe die Bahn auch keine VGN-Tickets, eben weil die Tickets vor Fahrtbeginn entwertet werden müssen. "Im Zug können die Zugbegleiter immer nur eine DB-Fahrkarte verkaufen."

Etliche Coburger haben aber inzwischen ihren eigenen Weg zum VGN entdeckt, sagt Coburgs Nahverkehrsbeauftragte Marita Nehring: "Viele fahren mit dem Auto bis Bad Staffelstein, weil man dort kostenlos parken kann und reisen von dort aus mit dem VGN-Ticket weiter."

Günstig von Coburg nach Nürnberg und zurück
20 Euro kostet das "Regioticket Franken-Thüringen". Damit kann eine Person einen Tag lang mit den Zügen des Franken-Thüringen-Express der Bahn fahren. Das betrifft die Linien Nürnberg-Bamberg-Saalfeld-Jena, Nürnberg-Bamberg-Coburg-Sonneberg und die Linie Bamberg-Würzburg. Sogar Agilis-Linien sind eingebunden: Von und bis Coburg sowie Hochstadt bis nach Forchheim. Einziger Nachteil: Das Ticket gilt erst ab 9 Uhr vormittags. Jede weitere Person zahlt fünf Euro.

23 Euro verlangt die Bahn für das Bayernticket. Es gilt ebenfalls ab 9 Uhr morgens, erlaubt aber die Fahrt in allen Nahverkehrszügen, allen Verkehrsverbünden sowie in fast allen Linienbussen in Bayern. Damit könnte man in Nürnberg zum Beispiel die U-Bahn nutzen. Auch hier zahlt jeder Mitreisende fünf Euro.

Schnäppchen lassen sich unter Umständen beim Fernbus machen: Die einfache Fahrt nach Nürnberg wird dort schon ab acht Euro angeboten. Allerdings fährt das Unternehmen MeinFernbus derzeit nur zweimal am Tag ab Coburg, und der Bus ist über zwei Stunden unterwegs.
 
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