Coburg
Kinderbetreuung

In Coburg fehlen Kita-Plätze

Laut Modus-Bericht steigt die Zahl der Kinder, die einen Kita-Platz brauchen, bis 2023 sprunghaft an. Ein Masterplan soll Abhilfe schaffen.
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Der Bedarf an Kita-Plätzen in Coburg ist ermittelt, nun will das Jugendamt die pädagogischen Konzepte unter die Lupe nehmen.Uwe Anspach/dpa
Der Bedarf an Kita-Plätzen in Coburg ist ermittelt, nun will das Jugendamt die pädagogischen Konzepte unter die Lupe nehmen.Uwe Anspach/dpa

Für das laufende Kindergartenjahr konnten Eltern in Coburg erstmals ihren Nachwuchs online für ihre Wunsch-Kindertagesstätten vormerken lassen. Das Prozedere soll Eltern und Kita-Mitarbeitern die Anmeldung beziehungsweise Arbeit erleichtern, es hat aber auch gezeigt, dass in Coburg Kita-Plätze fehlen. Der Jugendhilfesenat beschäftigte sich am Donnerstag mit dem Defizit und mit Lösungswegen.

Das Modus-Institut für angewandte Wirtschafts- und Sozialforschung, Methoden und Analysen aus Bamberg liefert regelmäßig Prognosen und Zahlen zum aktuellen Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen in der Stadt Coburg. Dieser Bericht bildet die Grundlage zur Erstellung eines Masterplans "Neuerrichtung von Kindergartenplätzen", der im ersten Quartal 2019 den zuständigen Gremien vorgelegt werden soll.

Modus-Mitarbeiter Manfred Zehe gab dem Jugendhilfesenat zunächst einen Überblick über die aktuelle Situation: Mit insgesamt 1548 Betreuungsplätzen sei die Stadt sehr gut versorgt. Gehe man vom errechneten Maximalbedarf an Kita-Plätzen aus, liege Coburg nur 43 Plätze darunter. Zehe: "Das ist sehr gut, verglichen mit anderen Regionen."

"Mitte" ist gut ausgestattet

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Für die Berechnung ist das Stadtgebiet in fünf Versorgungszonen aufgeteilt: Mitte, Nordwest, Süd, Ost und West. Für jede Region hat Zehe errechnet, wie viele Kita-Plätze es im Minimum und im Maximum geben müsste - und dann mit der tatsächlichen Zahl der Kita-Plätze verglichen. Im Bereich Mitte liegt der Bedarf zum Beispiel zwischen 406 und 477 Plätzen, tatsächlich vorhanden sind aber 608 Kita-Plätze, also weit über dem Maximalbedarf. Ähnlich sieht es auch im Coburger Osten aus. In den drei übrigen Regionen, liegt das Angebot dagegen immer unter dem Mindestbedarf. Im Bereich West, zu dem etwa Scheuerfeld gehört, fehlen demnach zur Zeit 30 Plätze.

Bis etwa 2023 werde sich an diesen Zahlen jedoch einiges ändern, kündigte Zehe an, denn durch die Zuwanderung von Flüchtlingen in den vergangenen Jahren, lebten auf einmal viel mehr Kinder im Kindergartenalter in Coburg, als vorher berechnet.

"Dadurch haben wir nun plötzlich fürs nächste Jahr knapp 200 Kinder mehr", so Zehe. Im Jahr 2020/21 werde der Höhepunkt sein, danach würden die Zahlen voraussichtlich wieder auf das Niveau der letzten Jahre sinken. Für die nächsten Jahre, so Zehe, müsse man sich also überlegen, wo man am besten zusätzliche Einrichtungen im Stadtgebiet platzieren könnte.

Diese Frage wiederum soll ein Masterplan beantworten, den die SPD-Stadtratsfraktion im Mai beantragt hatte. Reinhold Ehl, Leiter des Amtes für Jugend und Familie, skizzierte, welche Schritte nun nötig sind, bis der Stadtrat möglichst noch im ersten Quartal 2019 über den Masterplan entscheiden kann.

Zunächst soll Zehes Bedarfsprognose am 25. Oktober im Stadtrat präsentiert werden. Derweil untersucht das Jugendamt das pädagogische Angebot der Coburger Kitas. Mit den Ergebnissen soll sich der Jugendhilfesenat Anfang Dezember beschäftigen. "Entweder wir sind mit dem Ist-Zustand zufrieden oder kommen zum Ergebnis, dass Coburg etwas mehr Vielfalt gut tun würde", so Ehl.

Ende Januar sollen dann diejenigen Träger und Einrichtungen, die die benötigten Kita-Plätze schaffen möchten, ihre pädagogischen Konzepte vorstellen. Im Frühjahr soll schließlich der Masterplan vorgelegt werden - zunächst im Jugendhilfesenat, dann im Stadtrat.

HUK baut eigenen Kindergarten

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Mit ihrem Wunsch, direkt neben ihrem Standort auf der Bertelsdorfer Höhe eine Betriebs-Kindertagesstätte zu bauen, rennt die HUK Coburg beim Jugendhilfesenat offenen Türen ein. Die Kita, die voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2020 eröffnet werden soll, ist für eine Kindergartengruppe mit 25 Plätzen und zwei Kinderkrippengruppen mit insgesamt 24 Plätzen konzipiert. Mit dem evangelischen Dekanat Coburg ist auch schon ein Träger gefunden.

Die 49 Plätze sollen in erster Linie den Kindern von HUK-Mitarbeitern zur Verfügung stehen. Bei freien Kapazitäten könnten aber auch externe Kinder aus dem Stadtgebiet die Kita besuchen. Derzeit kooperiert das Versicherungsunternehmen mit vier Kindertagesstätten im Stadtgebiet und belegt dort aktuell 23 Krippenplätze. Wenn die HUK-Kita eröffnet ist, stehen diese Plätze wieder allen Kindern zur Verfügung.

Finanzspritze für Neukirchen

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Weil die Vertreter der freien Träger im Jugendhilfesenat keinen Antrag an den Stadtrat stellen dürfen, hat das Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) übernommen. Der Stadtrat soll entscheiden, ob die Stadt die Sanierung der evangelischen Jugendbildungsstätte Neukirchen finanziell unterstützt. Bei den Mitgliedern des Jugendhilfesenats fand die Idee einstimmig Anklang, schließlich verbindet fast jeder im Gremium persönliche Erlebnisse mit dem Jugendhaus. Nowak: Die Förderung, wie sie das Kinder- und Jugendhilfegesetz ausdrücklich vorsehe, sei nicht nur möglich, sondern für den Fortbestand der Einrichtung überlebenswichtig.



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