Coburg
Bürgerbeteiligung

Ideen für den alten Güterbahnhof in Coburg

Die Lärmbelastung durch Bahn und B4 betrachten viele Diskussionsteilnehmer als Nachteil für das Güterbahnhofsgelände. Gleichzeitig wünschen sie Nutzungen, die dafür sorgen, dass das Gelände auch nachts und an Wochenenden belebt ist. Was am Ende kommt, ist allerdings noch offen.
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Vom Schlachthof im Norden bis zum Stellwerk im Süden reicht das Entwicklungsgebiet, für das nun ein Rahmenplan erstellt werden soll. Dabei dürfen auch interessierte Bürger ihre Ideen und Bedenken einbringen. Der erste solche Termin war am Dienstag. Foto: Volkmar Franke/www.hochbild-design.de
Vom Schlachthof im Norden bis zum Stellwerk im Süden reicht das Entwicklungsgebiet, für das nun ein Rahmenplan erstellt werden soll. Dabei dürfen auch interessierte Bürger ihre Ideen und Bedenken einbringen. Der erste solche Termin war am Dienstag. Foto: Volkmar Franke/www.hochbild-design.de
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Ein Museum zur Coburger Industriegeschichte. Ein Verkehrsübungsplatz. Generationenübergreifendes Wohnen: Alles Wünsche ans künftige Güterbahnhofs- und Schlachthofgelände. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept von 2008 sieht hier ein "Band der Wissenschaft, Technik und Design" vor, allerdings ohne Angaben darüber, wie das genau ausschauen könnte. Dafür soll es noch in diesem Jahr eine Rahmenplanung geben. Die Bürger sollen in diesen Planungsprozess einbezogen - und rund 25 nahmen am Dienstagabend das Angebot an, mitzudiskutieren.

Drei Themenfelder hatte der Projektplaner Norbert Mager im Rathaussaal eingangs genannt: Stärken ("Das gefällt mir"), Schwächen ("Das sind meine Bedenken") und Ideen für das Gelände. Vor allem für den letzten Punkt gab es Vorschläge - die Tafeln mit den Stärken und Schwächen blieben nahezu leer.

Hier schlossen sich die Teilnehmer vermutlich stillschweigend der Analyse an, die Mager eingangs vorgetragen hatte: Das Güterbahnhofsgelände liegt zwar nahe der Innenstadt, ist von dieser aber auch scharf abgegrenzt. Außer der Schlachthofstraße gibt es keine lastwagentaugliche Zufahrt, und selbst die ist in ihrem südlichen Teil gepflastert, krumm und buckelig. Das Gelände selbst hat einige erhaltenswerte Gebäude aufzuweisen, wie das Verwaltungsgebäude des Schlachthofs (denkmalgeschützt), die früheren Güter- und Pakethallen (2014 Schauplatz der Designtage), einen Lokschuppen, die Stellwerke. Bäume und Sträucher haben einige Bereiche überwuchert, daneben fließt schnurgerade die Itz. Außer einer Fußgängerbrücke (im November 2011 installiert von Brose für die Mitarbeiter, die auf dem Gelände parken) und der früheren Gleisbrücke zum SÜC-Gelände gibt es keine direkten Verbindungen von der Uferstraße zum Gelände.

Die Itz auf der Ostseite sowie die Bahngleise und die B4 auf der Westseite bilden Barrieren. Sogar die Nähe zum Designcampus der Hochschule im Hofbrauhaus ist relativ: 600 Meter lang sei der Fußweg über die Frankenbrücke bis zum Schlachthofbereich, rechnete Mager vor.

Lösungsansätze präsentierte er bewusst noch nicht. Noch befindet sich der ganze Planungsprozess im Anfangsstadium. Die Bürgermeinung war gefragt. "Nicht alles wegklopfen, was alt ist", forderte zum Beispiel Peter Langendorf. Eine Nutzung finden, die gewährleistet, dass das Gelände auch am Abend und an Wochenenden belebt ist: Das wünschten sich weitere Redner wie Regina Hüttinger, die ein generationenübergreifendes Wohnprojekt für machbar hielt.

Da widersprachen andere: Wegen des Lärms von B4 und Bahn lasse sich auf dem Güterbahnhofsareal kaum angenehm wohnen, sagte Wolfram Krause. Dem wollten Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) und Stadträtin Barbara Kammerscheid (SPD) nicht zustimmen: Die Lärmproblematik lasse sich in den Griff bekommen.
Wolfram Krause war es auch, der konkret eine zweite Brücke über die Itz auf das Gelände forderte. Der Kreuzungsbereich von Uferstraße, Sonntagsanger und Frankenbrücke sei jetzt schon in den Stoßzeiten überlastet. "Aber ob die Stadt das Geld hat?", fragte er.

Dass neue Anbindungen ihren Platz in der Rahmenplanung finden werden, bestätigte Norbert Mager: "Das Gebiet soll ja keine Insel bleiben." Außerdem wird die Rahmenplanung auch den Bereich zwischen Bamberger Straße, Karche- und Ernst-Faber-Straße enthalten, derzeit weitenteils das Werksgelände der Firma Ros. Das Unternehmen will bis spätestens Ende 2017 in die Hallen am südlichen Ende des Güterbahnhofsareals umziehen, die derzeit noch von Klöckner-Stahlhandel beziehungsweise Max Carl genutzt werden.

Außerdem in die Wunschliste aufgenommen wurden eine Art "Science-Center" in Koppelung mit dem Industriemuseum oder einer Bahn-Miniaturwelt, die das Gelände, wie es einst war, erlebbar macht, eine Kindertagesstätte (für diejenigen, die dort arbeiten und wohnen), ein Bahnhaltepunkt, Niedrigenergiehäuser, Parkplätze, ein Radweg entlang der Itz, eine Diskothek, eine Veranstaltungshalle. Diesen Wunsch äußerte Bürgermeisterin Birgit Weber: "Die Designtage waren wunderbar."

Jürgen Heeb, Stadtratsmitglied von Pro Coburg, sprach von einer "Ideensammlung". "Am Ende des Tages wird es kein Wunschkonzert bleiben." Die Stadt müsse Investoren suchen, um zum einen ihre Vorleistungen zu finanzieren und um Folgekosten zu vermeiden.

Doch noch stehe man ganz am Anfang der Planungsphase, betonte Andreas Heipp, zuständiger Geschäftsführer der Wohnbau. Die Wohnbau tritt als Auftraggeber der Rahmenplanung auf, die wiederum federführend vom Büro Schirmer Architekten + Stadtplaner in Würzburg erarbeitet wird.

Hätte die Stadt die Rahmenplanung von ihrer eigene Stadtplanungsabteilung erstellen lassen, hätte es keine Fördermittel dafür gegeben. So aber besteht die Chance, Geld aus dem "Brachenprogramm" des Freistaats zu erhalten. Im Zuge der Rahmenplanung würden auch Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten abgeprüft, sagte Heipp.


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