Coburg
Prozess

Zwanzig Messerstiche - Mann tötet Ehefrau: "Ich habe meine Liebe getötet"

An einem grauen Novembermorgen verlor eine 33 Jahre alte Frau auf grausame Weise ihr Leben. Getötet mit zwanzig Messerstichen vom eigenen Ehemann.
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Vor der Strafkammer am Landgericht Coburg begann am Freitag ein Prozess um einen Beziehungsstreit, der tödlich endete.  Foto: Jochen berger
Vor der Strafkammer am Landgericht Coburg begann am Freitag ein Prozess um einen Beziehungsstreit, der tödlich endete. Foto: Jochen berger

Was im November 2018 in der Scheuerfelder Straße in Coburg so schrecklich endete, nahm 14 Jahre zuvor seinen Anfang. 2005 heirateten der Angeklagte und sein späteres Opfer. Abgesegnet von beiden Familien, die im weitesten Sinn nur eine ist, denn Braut und Bräutigam sind Cousin und Cousine.

Es sei eine "arrangierte Liebesheirat" gewesen, erklärte der 34-Jährige vor der Strafkammer am Landgericht Coburg. Die junge Frau war in Deutschland aufgewachsen, er in der Türkei. Vor der Trauung sei die 20-jährige Braut eigens aus Deutschland angereist, man war ein paar Mal spazieren gegangen und hätte sich ineinander verliebt. Später kehrte die Frischvermählte nach Deutschland zurück und bat ihren Ehemann nachzukommen.

Konflikte begannen früh

So verließ der junge Mann sein Heimatland und alte Traditionen, um ihr zu folgen. Schon bald begannen die Konflikte. Schnell aufeinander wurden drei Kinder geboren. Dies habe seine Frau überfordert, erklärte der Angeklagte. Mehrfach sei die Familie umgezogen, litt unter Geldsorgen, beide waren wohl heillos überfordert. "Ich habe mich ans Jugendamt gewandt und um Hilfe zu gebeten", erklärte der Mann. Diese bekam die Familie auch, eine Therapie für die junge Frau wurde empfohlen, die sie jedoch ablehnte.

Die schicksalhafte Fügung nahm nun ihren Lauf. Mehrmals verließ sie ihren Ehemann, suchte Zuflucht in Frauenhäusern. Doch kehrte sie immer wieder zu ihm zurück. Zwei weitere Kinder wurden geboren. Doch die zerrüttete Ehe war nicht mehr zu kitten. Zwar zog der Mann aus, doch versuchte er die Kontrolle über die junge Frau zu behalten, der sie sich mehr und mehr entzog, um ihr eigenes Leben zu leben.

"Sie hatte einen anderen Mann", erklärte der Angeklagte. "Woher wissen sie denn das? Haben Sie ihr Handy kontrolliert?", fragte der Vorsitzende Richter Christoph Gillot. "Ja, angesehen", gab der Angeklagte zu. Laut einem Gerichtsurteil werden ihm 2017 die Kinder zugesprochen, sie darf jedoch alle zwei Wochen Kontakt zu ihnen haben.

Angeklagter nahm Crystal Speed

Am Abend vor der Tat, habe man sich für den kommenden Tag zum Frühstück in ihrer Wohnung verabredet, da er ihr das jüngste Kind vorbeibringen wollte. Doch in der Nacht dann überkam ihm die Kontrollwut. "Wo bist du und mit wem?", schreibt er per WhatsApp und erklärt, er habe ihre Angaben kontrolliert, sie stimmten nicht. Schon früher hatte er vermutet, dass sie einen Freund habe, mit anderen Männern verkehre.

Schon früher gab es deshalb immer wieder Streit. Gewalt habe es jedoch nie gegeben. In jener Nacht nun nahm der Angeklagte Crystal Speed zu sich, wie vorher bereits häufiger, weil es seine Potenz steigere. Angeblich, weil er vorhatte am kommenden Tag mit seiner Noch-Ehefrau intim zu werden. Als er am Tattag morgens in die Wohnung kam, sei sie erst nicht da gewesen, deshalb sei er später noch einmal mit dem Kind zurückgekehrt und habe sich Zutritt mit einem Wohnungsschlüssel verschafft, den er von ihr bekommen haben will.

Kurz darauf sei seine Ehefrau nach Hause gekommen. Nach dem sie ihm nicht sagen wollte, wo sie gewesen war, habe es erneut heftigen Streit gegeben.

Um das schlafende Kind, das der Mann im Wohnzimmer hingelegt hatte, nicht zu wecken, habe man den Disput in der Küche fortgeführt. Sie habe plötzlich ein Messer in der Hand gehalten und es gegen ihn gerichtet. Er wollte es abnehmen, habe sich verletzt dabei. "Dann weiß ich auch nicht mehr, was passiert ist", erklärte der Angeklagte. Das Letzte was sie zu ihm gesagt habe war, dass er nicht mit ganzer Sicherheit der Vater ihrer Kinder sei. "Ich kann mir heute gar nicht mehr vorstellen, wie das geschehen ist!", erklärt er, "das ist alles weg."

Gekränkter Stolz und Eifersucht?

Er hatte sich damals der Polizei gestellt. Der Angeklagte redete zu Beginn der Verhandlung leise und unsicher und präsentierte sich als schwach und reuig, als tragische Figur in einer Familientragödie in vielen Akten die unwiderruflich auf diese eine schreckliche Sekunde hinauslief. Während der Verhandlung verwandelte er sich zunehmend und wurde forscher. Auf Fragen der Nebenklägervertreterin Freifrau von Imhoff, antwortete er zuletzt gar nicht mehr und verschränkte demonstrativ seine Arme.

Nach und nach kamen das eifersüchtige Verhalten und seine fast schon wahnhafte Kontrolle ans Licht. Waren also gekränkter Stolz und schon lange schwelende Eifersucht Grund für die Tragödie? Und war der schlimmen Tat ein Streit vorausgegangen, indem die Frau ihren Mann schwer demütigte, wie der Angeklagte schilderte?

Nebenklägervertreterin Imhoff stellte dies in Frage, denn das Opfer hatte seine Winterjacke noch an, hatte also nicht einmal Zeit genug sie auszuziehen, bevor ihr Ehemann sie niederstach. "Ich habe meine große Liebe getötet", jammert der Angeklagte. Doch ist das nicht ein Widerspruch in sich? Die Verhandlung wird am Montag, 17. Juni, um 9 Uhr fortgesetzt.

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