Coburg
Auszeichnung

Hoher Sanierungsaufwand, der sich lohnt

Der Bausenat belohnt sechs gelungene Altbausanierungen in Coburg mit Medaillen und Urkunden. Verliehen werden die Auszeichnungen am 23. Mai in einer Gemeinschaftsveranstaltung mit Stadtbild Coburg.
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Das Sorgenkind ist gerettet: Das Haus Hinterm Marstall 3 wurde komplett saniert und erhält eine Medaille. Fotos: Ulrike Nauer
Das Sorgenkind ist gerettet: Das Haus Hinterm Marstall 3 wurde komplett saniert und erhält eine Medaille. Fotos: Ulrike Nauer
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Viel hätte nicht gefehlt und die Mitglieder des Coburger Bausenats wären als Möbelpacker angestellt worden. Auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung stand als erster Punkt die Besichtigung jener Gebäude, die für ihre vorbildliche Sanierung mit Urkunden beziehungsweise Medaillen ausgezeichnet werden sollten, darunter das Haus Callenberger Straße 69. Als Baureferent Hans-Heinrich Ulmann (CSB) dort am Mittwoch klingelte, um mit seiner Truppe das Ergebnis der Sanierung zu begutachten, waren die neuen Bewohner des Erdgeschosses - eine junge Familie - gerade am Einziehen und freuten sich über die unverhofften Helfer.

Doch zum Kistenauspacken blieb dem Bausenat keine Zeit, denn insgesamt waren sechs Anwesen im Stadtgebiet zu besichtigen: Bahnhofstraße 17, Karlstraße 2 und Judengasse 19/19a waren für Urkunden vorgeschlagen.
Hinterm Marstall 3, Callenberger Straße 69 und Bahnhofsplatz 4 sollten je eine Medaille erhalten. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Der Bausenat segnete alle Vorschläge einstimmig ab.

Ausgezeichnet wird seit 1991

Seit 1991 vergibt die Stadt Coburg jedes Jahr maximal drei Urkunden und drei Medaillen an private Hausherren, die ihren Altbau beispielhaft saniert haben, wobei mit der Urkunde die gelungene Fassadensanierung gewürdigt wird und mit der Medaille die Komplettrenovierung. Verliehen werden die Auszeichnungen am 23. Mai in einer Gemeinschaftsveranstaltung mit Stadtbild Coburg.

Das wohl größte Sorgenkind unter den sechs Kandidaten war Hinterm Marstall 3. Eigentlich sei das schmale Haus gegenüber dem Vermessungsamt schon total verfallen gewesen, erläuterte Klemens Sagodi von der Unteren Denkmalschutzbehörde bei der Besichtigung. Vermutlich wäre der Abriss auch nur eine Formsache gewesen, hätte sich nicht ein "Mäzen" (Ulmann) gefunden, der das Haus, das auf 1554 zurückdatiert werden kann, mit "sehr viel Liebe und Geld" von Grund auf herrichtete. Von einem "sparsamen Bauwerk" könne wahrlich nicht die Rede sein, sagte der Dritte Bürgermeister.

Jetzt gibt das markante spätklassizistische Sandsteinportal der Fassade wieder ein Gesicht. Die einfachen Fenster wurden durch Kastenfenster ersetzt, ein origineller Spritzschutz ziert den Sockel des Gebäudes. Und sogar sein eigenes Stückchen Grün hat das Haus: einen kleinen Garten im Hinterhof. "Wir sind wirklich heilfroh, dass es nicht abgerissen werden musste", betonte Ulmann.

Ebenfalls komplett saniert ist die Hausnummer 4 am Bahnhofsplatz. Das villenartige Doppelhaus wurde 1865 im neuklassizistischem Stil erbaut. Bei der Renovierung legten die Hausherren den Schwerpunkt auf Original-Materialien, die sie in Belgien, Frankreich und den Niederlanden auftrieben. Auch der kleine Garten ist völlig neu angelegt - in streng geometrischen Formen.

"Mehrfach zu Tode saniert"

Das Eckhaus Judengasse 19/19a, besser bekannt als das ehemalige "Rizzibräu", sei schon "mehrfach zu Tode saniert" worden, wie es Sagodi ausdrückte. Nachdem sich eine Bamberger Baugesellschaft des großen Gebäudes angenommen hatte, beherbergt es heute Studentenwohnungen. Der unansehnliche Klinkersockel wurde durch Sandstein ersetzt. Die Fassade strahlt in einem Cremeton, der mit dem Denkmalschutz abgestimmt wurde, und ist dank der doppelverglasten Sprossenfenster und des Vollwärmeschutzes energetisch auf dem neuesten Stand. Der Stadt Coburg ist das eine Urkunde wert.

Der bekannte Coburger Architekt Carl Otto Leheis baute 1899 die Ziegelstein-Villa Bahnhofstraße 17. Ihr heutiger Eigentümer hatte vor einigen Jahren schon das Innere des Neurokoko-Baus sanieren lassen, jetzt war die Fassade an der Reihe. Dabei habe er auch viele der opulenten Verzierungen wie Puttenköpfe und Ornamente aufarbeiten lassen, berichtete Sagodi. Auch diese Sanierung belohnt die Stadt Coburg mit einer Urkunde.

Die dritte Urkunde geht an den Eigentümer des Hauses Karlstraße 2. Für die Renovierung der Fassade, inklusive Wappenschild und Engel, hatte bereits Stadtbild Coburg eine Medaille verliehen. Ein Großteil der Arbeiten hatte der Hausherr mit Familie und Freunden selbst erledigt. Dank einer fünfstelligen Summe aus der Stiftung von Michael Stoschek und Christine Volkmann konnte sich der Eigentümer schließlich auch professionelle Hilfe leisten.

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