LKR Coburg

Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Monstertrassen

Bei Gesprächen zu geplanten Stromtrassen im Wirtschaftsministerium gab es einen Hoffnungsschimmer für die Delegation mit regionalen Politikern.
Artikel drucken Artikel einbetten
Alles umsonst? Viel Geld hat es sich Tennet kosten lassen, um nach den Vorgaben der Baugenehmigung die Flächen unter der 380-Kilovolt-Leitung (wie hier  unweit von Weidhausen) zu renaturieren. Würde dort eine wie auch immer gestaltete neue Trasse kommen, müssten  große Bereiche baulich verändert werden.
Alles umsonst? Viel Geld hat es sich Tennet kosten lassen, um nach den Vorgaben der Baugenehmigung die Flächen unter der 380-Kilovolt-Leitung (wie hier unweit von Weidhausen) zu renaturieren. Würde dort eine wie auch immer gestaltete neue Trasse kommen, müssten große Bereiche baulich verändert werden.
Wenn auch derzeit keine öffentlichen Verfahren laufen - der Kampf gegen den Bau einer weiteren Höchstspannungsleitung durchs Coburger Land geht weiter. Gemeinsam mit Vertretern benachbarter Kommunen waren jetzt auch (Kommunal-)Politiker aus dem Coburger Land zu Gast im Wirtschaftsministerium, um eine Petition gegen weitere Stromtrassen an Thomas Bareiß (Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium) zu überreichen.
Und nicht nur das: "Wir haben auch angekündigt, dass wir bei Bedarf mit der Bevölkerung noch einmal auf die Straße gehen", berichtete Bad Rodachs Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD), der in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Coburg im Bayerischen Gemeindetag mit in Berlin weilte.
Im einstündigen Gespräch verwies der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) auf den "Wahnsinn" steigender Strompreise durch den Netzausbau. Dieser werde unweigerlich über höhere Netzentgelte zulasten der Coburger Wirtschaft gehen. Christian Gunsenheimer (FW) verwies in seiner Funktion als Stellvertreter des Landrates auf die hohe Belastung des Coburger Landes durch die Verkehrsprojekte der deutschen Einheit und der bereits gebauten "Thüringer Strombrücke". Dabei kritisierte Gunsenheimer, der auch Klimaschutzbeauftragter des Landkreises ist: "Mir fehlt eine volkswirtschaftliche und wissenschaftlich belegbare Grundlage für die Stromtrassen P44 und P44 mod."
Aus dem Gespräch mit dem Staatssekretär berichtete Tobias Ehrlicher aber auch, dass für das Wirtschaftsministerium der Bau einer weiteren Stromleitung zwischen Thüringen und dem Leitungsknoten bei Grafenrheinfeld offensichtlich noch nicht beschlossene Sache ist. Der Staatssekretär habe angedeutet, dass ein flächendeckender Ausbau der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien durchaus zum Wegfall der einen oder anderen Trasse führen könne. Problem nur, ergänzte Gunsenheimer: "So lange in Bayern die 10-H-Regelung bei Windkraftanlagen gilt, wird es mit der Energieversorgung vor Ort bei uns schwierig." Aber wer weiß - schon jetzt wird in politischen Kreisen darüber gesprochen, dass die auch in Bayern umstrittene Regelung nach der Landtagswahl im Herbst nicht mehr lange Bestand haben könnte.
Überraschend kam in Berlin die Ankündigung, dass sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vielleicht schon im Herbst die Situation der Stromtrasse direkt vor Ort im Coburger Land anschauen wird. Damit würde der Minister sein Versprechen einlösen, sämtlichen von neuen Stromtrassen betroffenen Regionen einen persönlichen Besuch abzustatten. Christian Gunsenheimer sah auf Tageblatt-Nachfrage das Coburger Land für einen Ministerbesuch gut gerüstet. Der Klimaschutzbeauftragte verwies auf das 30 000-Euro-Budget im Kreishaushalt für Aktionen gegen neue Stromleitungen, wobei es aber noch keine fix terminierten Demonstrationen oder Protestveranstaltungen gibt.


Das sagt Tennet zur Sache

Ende des Monats steht in Berlin dann schon die nächste Gesprächsrunde an. Dann werden auf Betreiben der Lichtenfelser Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner (CSU) Vertreter der Landkreis Kronach, Lichtenfels, Bamberg und Forchheim im Wirtschaftsministerium empfangen. "Uns wurde zugesagt, dass wir an dieser Veranstaltung teilnehmen können", berichtete Tobias Ehrlicher. Dieser Termin könnte interessant werden, schließlich sind die Interessenslagen in Coburg und Lichtenfels unterschiedlich.
Beim Netzbetreiber Tennet verfolgt man die Diskussionen hinter den Kulissen gelassen. Pressesprecher Markus Lieberknecht bestätigte dem Tageblatt auf Anfrage, dass es aktuell keinerlei neuen Überlegungen oder gar neue Pläne gibt. Tennet hat schon vor langer Zeit darauf verwiesen, dass aus wirtschaftlicher Sicht die Trasse P 44 am geeignetsten wäre. "Das haben wir so kommuniziert und jetzt warten wir auf die Entscheidung der Politik", sagte Lieberknecht. Vermutlich im Winter wird der neue Netzentwicklungsplan der Öffentlichkeit zugänglich sein.


Was ist denn nun was?

P 44 Diese Trasse würde vom Übergabepunkt der bereits bestehenden Höchstspannungsleitung in Schalkau aus in direkter Linie nach Grafenrheinfeld führen - unter anderem durch den westlichen Landkreis Coburg, die Haßberge und den Landkreis Schweinfurt.

P 44 mod. Der modifizierte Streckenverlauf würde die schon in Betrieb befindliche Stromleitung quer durch den östlichen Landkreis Coburg betreffen. Sie könnte aufgestockt oder sogar durch eine zweite Paralleltrasse ergänzt werden.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren