Coburg
Ausstellung

Hochschule und Puppenmuseum machen in Coburg gemeinsame Sache

Eine neuartige interdisziplinäre Ausstellung wurde am Mittwochabend im Puppenmuseum eröffnet.
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Mit dem Durchrennen des roten  Bandes wurde die  Sonderausstellung  im Puppenmuseum durch die Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber, Professor Christian Holtorf, Christine Spiller und Professorin Christiane Fritze eröffnet. Foto: Desombre
Mit dem Durchrennen des roten Bandes wurde die Sonderausstellung im Puppenmuseum durch die Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber, Professor Christian Holtorf, Christine Spiller und Professorin Christiane Fritze eröffnet. Foto: Desombre
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Modelle, die die Welt bedeuten - wie Wissen entsteht" verbindet ein lebendiges öffentliches Museum mit einer zukunftsorientierten Hochschule.

Modelle aus unterschiedlichen Wissensgebieten treffen fach- und spartenübergreifend auf die Lern- und Spielmodelle des Coburger Puppenmuseums. Die Ausstellung zeigt dreidimensionale Modelle aus Fachgebieten wie Architektur und Innenarchitektur, Philosophie und Sprachwissenschaft, Biologie und Physik, Maschinenbau und Wirtschaftsinformatik, Geschichts- und Sozialwissenschaften. So wie historische Puppenstuben die Normen und Regeln einer Gesellschaft spielerisch darstellen, vermittelt der spielerische Gebrauch von wissenschaftlichen Modellen einen Einblick in die Arbeitsweisen der unterschiedlichen Disziplinen. Er ist Teil des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses und entspricht zugleich dem wachsenden Bedürfnis nach anschaulicher Vermittlung von Wissen. Ziel der Ausstellung ist es, die Vielfalt der Modelle in unterschiedlichen Wissenschaften und Kulturformen darzustellen und zum Vergleich einzuladen. An vielen Stationen in den Sonderausstellungsräumen bestehen dabei Gelegenheiten zum eigenen Ausprobieren.


Erstes Treffen 2015

Sie freue sich besonders darüber, dass "die Hochschule vom Berg runter in die Stadt gekommen ist", betonte die Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber bei der Eröffnung der Ausstellung. Bereits im Juli 2015 habe ein erstes Treffen zwischen Professor Christian Holtorf vom Wissenschafts- und Kulturzentrum der Hochschule Coburg und der Leiterin des Puppenmuseums, Christine Spiller, stattgefunden, woraus konkrete Überlegungen zu einem Symposium und einer studentischen Ausstellung zum Thema "Modelle" im Puppenmuseum entstanden seien, berichtete die Bürgermeisterin. Ausgangspunkt seien die Puppenhäuser und -stuben, die als Modelle für den bürgerlichen Alltag, dessen Wohnkultur und die Kindererziehung, aber auch für den Wandel der verschiedenen Rollenbilder in der Gesellschaft gesehen werden könnten. Modelle seien Teil des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses und entsprächen zugleich dem wachsenden Bedürfnis nach anschaulicher Vermittlung von Wissen. Das Ziel der Ausstellung, an vielen unterschiedlichen Stationen einfach mal etwas auszuprobieren, "macht unheimlich Spaß", sagte Weber.

Oft täuschten Eindrücke, Gefühle, Vermutungen, sagte Professor Christian Holtorf. Um die Welt zu verstehen, seien wir auf Hilfsmittel angewiesen, die allerdings auch selbst fehlerbehaftet sein könnten. Beim Verstehen müsse man im Grunde immer wieder von vorne anfangen. Dieser Lernprozess reiche vom Kinderzimmer bis zum wissenschaftlichen Labor und zum bewährten Prinzip der Praxis. "Wir entwickeln unsere Sprache dabei permanent weiter, wir entwerfen immer neue Bilder und verwenden innovative Techniken und Kulturtechniken. Zu diesen Techniken gehören ganz wesentlich der Entwurf, die Herstellung und der Gebrauch von Modellen", erklärte Holtorf.

Spielpraxis und Experimentierfreude wolle die Ausstellung vermitteln. Die Hochschule Coburg bekenne sich zum interdisziplinären Lernen und gesellschaftspolitischen Handeln, sagte Präsidentin und Christiane Fritze. Die Hochschule von droben am Berg komme in die Stadt und werde bei den Bürgern sichtbar. Mit dem Ausstellungsprojekt sei es gelungen, ein gemeinsames Thema zu finden, Türen zu öffnen beziehungsweise Menschen, die vermeintlich bisher nichts mit Spielzeug zu tun hatten, durch die Tür des Puppenmuseums zu locken.


Ergiebige wissenschaftliche Quelle

"Wieso findet diese Ausstellung ausgerechnet im Puppenmuseum statt?", war die rhetorische Frage Spillers. Nun, weil das Ausstellungsthema "Modelle" und die Objekte im Puppenmuseum sehr gut zusammenpassten und viele Gemeinsamkeiten hätten. Denn im Puppenmuseum stecke viel mehr als "nur Spielzeug", sagte Christine Spiller. In diesem Spielzeug spiegele sich die bürgerliche Alltagswelt in Miniatur. Weil Spielzeug besonders zwischen 1850 und 1950 dem Zweck gedient habe, die Kinder auf ihre späteren Rollen im Leben vorzubereiten, zeige es oft modellhafte Züge. Modelle erklärten Kindern die Welt der Erwachsenen, für Kulturwissenschaftler und Historiker seien sie durchaus eine ergiebige wissenschaftliche Quelle.


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