Coburg
Projekt

Hochschule Coburg lockt mit Klängen der Zukunft

Wie der Komponist Klaus Ospald als "Composer in Residence" das Strömungslabor der Hochschule Coburg in einen ganz besonderen Konzertsaal verwandeln will.
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"Sounds der Zukunft" lautet das Motto einer Veranstaltungsreihe der Hochschule Coburg vom 8. bis 23. Mai. Im Zentrum steht das Schaffen des in Würzburg lebenden Komponisten Klaus Ospald, der auch mehrere Workshops leiten wird.Foto: Jochen Berger
"Sounds der Zukunft" lautet das Motto einer Veranstaltungsreihe der Hochschule Coburg vom 8. bis 23. Mai. Im Zentrum steht das Schaffen des in Würzburg lebenden Komponisten Klaus Ospald, der auch mehrere Workshops leiten wird.Foto: Jochen Berger
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Musik hat schon viele Räume in Klangräume verwandelt. Sie hat Menschen in geweihten Kirchen und profanen Konzertsälen ebenso in Bann gezogen wie in geschichtsträchtigen Rathaussälen oder ehemaligen Pakethallen. Aber Musik in einem Strömungslabor?

Das klingt nach einem ebenso schwierigen wie interessanten Experiment. Genau diesen Versuch unternimmt die Hochschule Coburg mit einem ehrgeizigen Projekt. Verteilt auf gut zwei Wochen sollen in mehreren Workshops und zwei Konzerten an ungewöhnlichem Ort musikalische Klänge hörbar gemacht und zugleich durchleuchtet werden.

"Die Hochschule Coburg versteht sich als ,Plattform, auf der sich Region und Welt forschend, wirtschaftlich und kulturell begegnen"", schreibt Hochschul-Präsident in ihrem Grußwort des mehr als 90 Seiten umfassenden Programmheft zur Reihe "Sounds der Zukunft". Experimentelles Hören und elektronische Klangerzeugung stehen im Zentrum - freilich nicht nur als abstraktes Thema, sondern ganz konkret in Person des Komponisten Klaus Ospald. Als "Composer in Residence" begibt sich der Würzburger Komponist in die schier unermesslich weitere Welt musikalischer Klänge - zwischen klassischer Form beispielsweise in Gestalt eines Klaviertrios und elektronischer Klangregie.

Im ersten Konzert werde auf rein akustische Weise der Weg von der Romantik über Schönberg bis in die Gegenwart zum Klingen gebracht, erläutert Ospald. Besonders spannend und aufwendig wird das zweite Konzert, das ausschließlich Ospald gewidmet ist. Denn in diesem Konzert werden die Zuhörer das Zusammenwirken von akustisch hervorgebrachten Klängen und Live-Elektronik erleben. "Wir arbeiten nicht mit gesampelten Klängen", betont Ospald.Das Ensemble Experimental spielt unter der Leitung von Peter Tilling, der vor einigen Jahren kurzzeitig als Erster Kapellmeister am Landestheater Coburg engagiert war.

Der Komponist Klaus Ospald ist in Coburg kein Unbekannter. Schließlich wurde vor knapp drei Jahren ein Werk Ospald bei einem Sinfoniekonzert des Landestheaters in der Morizkirche uraufgeführt - seine Vertonung des Rückert-Gedichts "Ungefroren ist die Erde" aus den Kindertotenliedern.

Ehrgeiziges Projekt

Ganz bewusst wendet sich die Veranstaltungsreihe nicht vorrangig an eine "musikwissenschaftlich ausgerichtete Zuhörerschaft", sondern an "interessierte Bürger und Studierende der Hochschule. Als Vizepräsident der Hochschule hebt Michael Lichtlein den interdisziplinären Ansatz der Veranstaltungsreihe ebenso hervor wie Christian Holtorf vom Wissenschafts- und Kulturzentrum der Hochschule.

Und Philipp Epple, der das Strömungslabor für die beiden Konzerte erstmals öffentlich zugänglich macht, sieht durchaus mancherlei Berührungspunkte zwischen Kunst und Ingenieurswissenschaft: "Auch Maschinen erzeugen Geräusche, die in Einzelfrequenzen zerlegt werden können.

Das musikalische Spektrum der beiden Kammerkonzerte im Strömungslabor der Hochschule ist bewusst sehr weit gespannt. Am ersten Konzertabend (Montag, 20. Mai, 18 Uhr) reicht es von Arnold Schönbergs "Drei Klavierstücken" op. 11 aus dem Jahr 1910 bis zu Klaus Ospalds Klaviertrio aus der Mitte der 1990er Jahre, ergänzt durch das Klaviertrio H-Dur von Johannes Brahms.

Im zweiten Konzert am Donnerstag, 23. Mai (18 Uhr) wird das Ensemble Experimental gemeinsam mit dem SWR Experimentalstudio Klaus Ospalds "Quintett von den entlegenen Feldern" interpretierten. Dieses Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet für sein Programm BR-Klassik.

"Sounds der Zukunft" an der Hochschule Coburg Experimentelles Hören und elektronische Klangerzeugung

Konzerte und Workshops mit dem Komponisten Klaus Ospald, dem SWR Experimentalstudio und Coburger Wissenschaftlern und Musikern

Leitung und Organisation

Christian Holtorf (Wissenschafts- und Kulturzentrum); Monika Schnabel (Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit); Elisabeth Westhäuser (Fakultät Elektrotechnik und Informatik); Marie Joy Winkler (Wissenschafts- und Kulturzentrum)

Gefördert von Technologie-Allianz-Oberfranken (TAO), Niederfüllbacher Stiftung, Künstlerhaus Villa Concordia

Mittwoch, 8. Mai Die Sehnsucht nach neuen Klängen (Workshop), 16 bis 18:30 Uhr, Campus Friedrich Streib (Raum 9-111), Workshop mit dem Komponisten Klaus Ospald

Mittwoch, 15. Mai Das kritische Ohr: Warum Musik auch trennen kann (Workshop), 16 bis 18:30 Uhr, Campus Friedrich Streib (Raum 9-111), fachübergreifender Workshop mit Klaus Ospald

Montag, 20. Mai Kammerkonzert "Gegen den Takt - Neue Wege der Komposition", 18 Uhr, Campus Friedrich Streib (Raum 3-009, Labor für Strömungstechnik und Hydraulische Maschinen) - Leitung: Barbara Zeller, Coburg - Hannah Solveij Gramß, Violine; Jeany Park-Blumenroth, Violine; Nina Janßen-Deinzer, Klarinette; Johannes Keltsch, Violoncello; Frédéric Otterbach, Klavier; Barbara Zeller, Klavier. - Werke von Schönberg, Brahms und Ospald

Donnerstag, 23. Mai Öffentliche Generalprobe für das Konzert "Im Innenraum der Musik", 10 bis 13 Uhr, Campus Friedrich Streib, Raum 3-009 (Labor für Strömungstechnik und hydraulische Maschinen); Konzert "Im Innenraum der Musik", 18 Uhr, Campus Friedrich Streib (Raum 3-009, Labor für Strömungstechnik und Hydraulische Maschinen) - Mitwirkende: Ensemble Experimental, Live-Elektronische Realisation: SWR Experimentalstudio, Peter Tilling, Dirigent - Klaus Ospald: "Quintett von den entlegenen Feldern" für Bassklarinette, Streichtrio, Flügel und Live-Elektronik; anschließend Gespräch mit dem Komponisten und Wiederholung der Aufführung (Aufzeichnung durch den Bayerischen Rundfunk).

Klaus Ospald geboren 1956 in Münster/Westfalen, studierte Komposition an der Hochschule für Musik in Detmold und an der Hochschule für Musik in Würzburg, an der er das Studium mit dem Meisterklassendiplom abschloss. Zahlreiche Auszeichnungen wurden ihm verliehen. Bedeutende Podien für zeitgenössische Musik wie die Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt, die Donaueschinger Musiktage, MaerzMusik, die Münchener Biennale, der Warschauer Herbst oder die Wittener Tage für neue Kammermusik brachten Uraufführungen seiner Werke. Klaus Ospald lehrt an der Hochschule für Musik in Würzburg. Uraufführung in Coburg Klaus Ospalds Werk "Ungefroren ist die Erde" für Orchester und frauenstimme wurde im Juli 2016 bei einem Sinfoinekonzert des Landestheaters in der Coburger Morizkriche Uraufgeführt. Solistin unter der leitung von Roland Kluttig war die Sopranistin Hanna Herfurtner.

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