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Coburg
Bekränzung

Herzog Casimir bleibt stumm

Die aktuelle Diskussion um die Abiturnoten am Gymnasium Casimirianum war auch Thema beim Traditionsfest zu Ehren des Stifters.
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Tradition, Tradition: Der erste Kranz kommt an den Arm der Fürstenstatue, der zweite auf den Kopf. Ganz oben auf der Leiter steht der Festredner (Max Bauer), danach kommen die fünf Jahrgangsbesten der Q11, angeführt von Michael Engel. Nach der Bekränzung muss der Festredner noch drei Gläser Bier austrinken und zu Boden werfen.  Foto: Simone Bastian
Tradition, Tradition: Der erste Kranz kommt an den Arm der Fürstenstatue, der zweite auf den Kopf. Ganz oben auf der Leiter steht der Festredner (Max Bauer), danach kommen die fünf Jahrgangsbesten der Q11, angeführt von Michael Engel. Nach der Bekränzung muss der Festredner noch drei Gläser Bier austrinken und zu Boden werfen. Foto: Simone Bastian
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Das Bekränzungsfest am Gymnasium Casimirianum gehört zu Coburg wie das Vogelschießen. Mit der Bekränzung wird Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg geehrt, der die Schule vor 408 Jahren gründete. Seit wann es diese Feier gibt, ist nicht ganz klar, wie sie abläuft schon. Denn daran hat sich seit Jahrzehnten wenig geändert, wie dem Bericht vom Bekränzungsfest vor 60 Jahren zu entnehmen war. Damals, so hatte es der Reporter vermerkt, waren alle wichtigen Coburger Persönlichkeiten versammelt, darunter "Frau Herzogin" Victoria-Adelheid.
Pflichttermin für die Honoratioren ist die Bekränzung nicht mehr, noch dazu, weil am Freitag zeitgleich die Schützengesellschaft ihr Vogelschießen eröffnete. Für die Schüler, ihre Eltern und viele Ehemalige ist die Teilnahme aber vermutlich Ehrensache, noch dazu, wo viele Eltern selbst Ehemalige sind.
Casimirianer "der vierten Generation" sei ihr Sohn, erzählte zum Beispiel Dorothea Beck, die Geschäftsführerin des Vereins "Deutsche Spielzeugstraße".

"Freundschaft kann über die Schulzeit bestehn", singt die Festgemeinde in ihrem Schullied. Dessen drei Strophen umrahmen die zwei Teile des Festes: die Rede und die Bekränzung. Max Bauer hatten die Schüler des elften Jahrgangs (Q11) für beides ausgewählt.

Was Schulstifter Herzog Johann Casimir wohl zu den aktuellen Diskussionen über die Schule gesagt hätte? Schulleiter Burkhard Spachmann hatte die Deutschnoten aller Abiturienten um einen Punkt verbessert. Das hatte die Aufmerksamkeit der Medien auf die Schule gezogen. "Unverkennbar verärgert" schaue die Statue des Gründers am Eck des Schulgebäudes herab, stellte Max Bauer fest. Aber der steinerne Casimir bleibe stumm. "Vermutlich weiß er, dass solche Aufregung kurzlebig ist", fasste Bauer zusammen.

Schon dem Herzog war an einer gewissen Chancengleichheit gelegen: Er richtete Freistellen für Kinder aus armen Familien ein, die das Schulgeld nicht aufbringen konnten. "Er wollte, dass die nachfolgenden Generationen die Schule erhalten und verbessern. An uns ist es, diese Chance zu nutzen", rief Bauer und erhielt zur Antwort lang anhaltenden Beifall.

"Noch heute wirkt hier Geist und Wort", heißt es in der zweiten Strophe des Schullieds, und "Dankbarkeit dem Fürsten immer noch gilt". Deshalb erhält er zwei Kränze, einen an den Arm, einen auf den Kopf. Auf der Leiter stehen unter dem Redner die fünf Jahrgangsbesten der Q 11, in diesem Jahr Michael Engel, Anne-Claire Dani, Theresa Blümlein, Christopher Kraft und Viviane Dellert. Dann muss der Redner drei Gläser Bier leeren, sie mit den Worten "vivat, cresceat, floreat in aeternum" zu Boden werfen, und es erklingt die dritte Strophe: "Bleibet dem Geist dieser Schule stets treu." Dann stürzen sich die Schüler auf die Glasscherben unter der Statue. Tradition eben.

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