Seßlach
Blutspenden

"Herzblut für Seßlach" wird ein Fest für alle

Am Freitag dürfen in Seßlach Erwachsene erneut Blut spenden, während sich der Nachwuchs auf ein großes Kinderfest freuen darf.
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"Herzblut für Seßlach" heißt es erneut am kommenden Freitag, 8. Juni, von 17 bis 20.30 Uhr in der Schule Seßlach. Dieses Mal wird der Blutspende-Termin mit einem großen Kinderfest verbunden (ab 16 Uhr). Organisator Jürgen Forscht, Matthias Freund, Reiner Engelhardt, Günter Meyer (alle BRK), Jugendpflegerin Svenja Merz und Bürgermeister Martin Mittag (von rechts) stellten am Dienstag Konzept und Programm vor. Foto: Bettina Knauth
"Herzblut für Seßlach" heißt es erneut am kommenden Freitag, 8. Juni, von 17 bis 20.30 Uhr in der Schule Seßlach. Dieses Mal wird der Blutspende-Termin mit einem großen Kinderfest verbunden (ab 16 Uhr). Organisator Jürgen Forscht, Matthias Freund, Reiner Engelhardt, Günter Meyer (alle BRK), Jugendpflegerin Svenja Merz und Bürgermeister Martin Mittag (von rechts) stellten am Dienstag Konzept und Programm vor. Foto: Bettina Knauth
Blutspenden als Event: Dieses neuartige Konzept von Organisator Jürgen Forscht ging am 9. März in Seßlach voll auf: Rund 125 Spender, darunter viele, die den Aderlass zum ersten Mal wagten, verzeichneten die Helfer vom Roten Kreuz. Ob es am flankierenden "Gesundheits- und Familientag" lag?

Beim zweiten Blutspende-Termin in diesem Jahr am kommenden Freitag hat Forscht nun die Kinder und Jugendlichen im Fokus. "Umsonst & Draußen" lautet das Motto des großen Kinderfests, das schon um 16 Uhr - und damit eine Stunde vor dem Start des Blutspendens um 17 Uhr - beginnt. "Die Seßlacher Kids werden gebeten, ihre Eltern mitzubringen und beim Blutspenden abzugeben", so der Appell in der Einladung. Dort sollten sie dann bis spätestens 20.30 Uhr wieder abgeholt werden. In der Zwischenzeit kann sich der Nachwuchs bei Spiel und Spaß mit den Kinder- und Jugendfeuerwehren des Stadtgebiets, der Nachmittags-Betreuung, dem Familienbüro, HaLT oder der kommunalen Jugendarbeit aus dem Landratsamt Coburg austoben. Von Ballonfliegen über Hüpfenburg und Malen bis Schminken ist allerlei geboten, das Coburger Kinder- und Jugendtheater tritt auf und die neue Seßlacher Drehleiter wird vorgeführt. Natürlich dürfen auch Kinder kommen, deren Angehörige kein Blut spenden. Jugendliche ab 18 Jahren können selber ihr Blut dalassen. "Junge Menschen interessieren sich durchaus fürs Blutspenden", bestätigte Matthias Freund vom BRK-Blutspendedienst (BSD) beim Pressegespräch am Dienstag in Seßlach. Oft dienten eben die Eltern oder Großeltern als Vorbild.


Das Blutspenden in Gefahr

Als langjähriger Rotkreuzler und Blutspender ergriff Forscht die Initiative, weil er das Blutspenden in Seßlach in Gefahr sah. Aus der Zeitung erfuhr der Heilgersdorfer, dass sich die im Stadtteil Dietersdorf beheimatete BRK-Bereitschaft aufgelöst hatte, hinzu kam, dass viele frühere Helfer sich zurückgezogen hatten. Konkreten Anlass bot dem 62-Jährigen dann eine Geburtstagsfeier, bei der ehemalige Weggefährten vom Jugendrotkreuz ihr Interesse bekundeten, wieder einmal beim Blutspenden mitzuhelfen. Schnell nahm die vage Idee Form an.

Schon beim ersten "Herzblut für Seßlach"-Termin im März legte Forscht Wert darauf, aus dem Blutspenden eine "konsequent regionale" Veranstaltung zu machen. Egal ob Helfer, Verpflegung durch das Hofcafé Mohnbiene in Gemünda, Geschenke und Gutscheine für Mehrfachspender (kostenloser Eintritt in die ThermeNatur Bad Rodach), Mitwirkende (wie die Seßlacher Shakerbar mit alkoholfreien Cocktails oder die Diakoniestation Weitramsdorf-Seßlach mit dem Galileo-Gerät) oder Sponsoren: Alle sollten aus der Region kommen. Für mehr Nachhaltigkeit wurden statt Geschenken aus Plastik an die Spender Blümchen und Honig oder Thermengutscheine verteilt. Wichtig war dem Organisator nicht nur die Rückendeckung durch das BRK, sondern auch die Unterstützung durch Verwaltung und Schule. "Ich unterstützte dieses wichtige Engagement von Jürgen Forscht gern, nicht nur durch mein Blut", bestätigte am Dienstag Bürgermeister Martin Mittag (CSU), der beim letzten Mal als Erstspender dabei war und nun ankündigte, sich als Wiederholungstäter erneut Blut abzapfen zu lassen. Der Erfolg der "Herzblut"-Premiere überraschte auch den Rathauschef: "Dass er das so groß aufzieht und so viele Leute kommen, hätte ich nicht gedacht."


Offene Türen eingerannt

Beim BRK-Kreisverband Coburg rannte der Initiator ebenfalls "offene Türen ein", wie der Blutspendenbeauftragte Günter Meyer bekräftigte. Werden doch immerhin 2000 Blutkonserven am Tag in Bayern benötigt, für Krebspatienten wie für Unfallopfer oder Operationen. Und weil das gespendete Blut nur 42 Tage haltbar ist, sind regelmäßige und flächendeckende Termine zur Blutabgabe so wichtig. Das BRK organisiert jährlich rund 4500 dieser Blutspenden. "Derzeit kann der BSD die Vollversorgung mit Blut noch sicherstellen", so Freund, "doch die Bevölkerung wird immer älter und die Spendenbereitschaft lässt nach." Es stelle sich die Frage, so der BSD-Spendenbetreuer weiter, warum zwar 94 Prozent der Deutschen Blutspenden befürworteten, aber nur 3,5 Prozent tatsächlich zum Aderlass gingen. "Gemeinsam gegen Gleichgültigkeit! Schenke Leben - spende Blut" heißt daher die Kampagne des BSD. Im Kreisverband Coburg kamen zu 86 Terminen im letzten Jahr rund 9700 Personen, darunter 621 Erstspender.

In Seßlach helfen die Organisatoren gern mit, um die Blutspende gerade im ländlichen Raum wieder ins stärker ins Bewusstsein zu rücken. Ehrenamtliches Engagement, so Forschts Credo, macht Spaß, "wenn das Team passt und die Arbeit den Einzelnen nicht zu sehr belastet". Und weil er weiß, dass es denjenigen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen, oft an Dank und Wertschätzung mangelt, soll den Blutspendern diese Anerkennung entgegengebracht werden. Davon verspricht Forscht sich neue Impulse für eine unentgeltliche Tätigkeit, denn "weitere Helfer sind uns jederzeit willkommen!" Besonders freut sich der 62-Jährige über die Kooperation mit der Schule, die unter anderem Blutspenden in einigen Klassen zum Thema machte und Schüler Plakatwände gestalten ließ. Forscht: "Gerade auch bei Kindern und Jugendlichen wollen wir dazu beitragen, dass Blutspenden wie selbstverständlich zu ihrem Leben dazugehört." Zur "Kundenbindung" soll auch die Einbindung der Jugendarbeit sorgen. "Mehrwert schaffen" nennt er die weiteren Angebote: Wenn die Bürger schon mal zum Blutspenden in der Schule sind, können sie sich auch gleich als Stammzellenspender typisieren lassen, das Galileo-Gerät testen, ihre Kenntnisse in Erster Hilfe auffrischen oder Spenden in der Kleiderkammer abgeben.


Wird das Niveau vom März wieder erreicht?

Ob das hohe Niveau mit über 120 Spendern auch am Freitag gehalten werden kann, bleibt abzuwarten. All diejenigen, die letztes Mal angesichts langer Warteschlangen unverrichteter Dinge den Rückzug antraten, kann Forscht beruhigen: "Wir haben unser Team verstärkt, so dass sich die Wartezeiten am Freitag erheblich verringern werden." Erstspender sollten ihren amtlichen Ausweis nicht vergessen.


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