Ahorn

Heinz Güthlein und seine Bilder, die Geschichte erzählen

Heinz Güthlein hat im Landkreis Geschichte mit geschrieben. Er hat dokumentiert, fotografiert, archiviert. Und der seit dem Wochenende 85-Jährige kann Geschichten erzählen.
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Heinz Güthlein  arbeitet auch heute noch gemeinsam mit seinen hilfsbereiten Enkeln Markus und Nadine am Computer, um seine Archive für die Nachwelt zu sortieren. Fotos: privat
Heinz Güthlein arbeitet auch heute noch gemeinsam mit seinen hilfsbereiten Enkeln Markus und Nadine am Computer, um seine Archive für die Nachwelt zu sortieren. Fotos: privat
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Von der Übergabe seines Heimatdorfes Ahorn an die Amerikaner im Jahr 1945 im Beisein von Feuerwehrkommandant Fritz Gebhardt und der Baronin Luise von Erffa. Aber auch von Film- und Tonaufnahmen mit Vico Torriani oder von Willi Brandt, den er ablichtete. Und Heinz Güthlein war so lang wie kaum ein Anderer freier Mitarbeiter fürs Tageblatt. "Ob Hauptversammlung oder Jubiläum, ob Kleintierzuchtverein oder die Glasausstellung auf der Veste - für mich war jeder Termin wichtig", sagt Güthlein.


In Creidlitz geboren


Schon mit zehn Jahren hatte Heinz Güthlein einen Fotoapparat in der Hand. Eine Kamera, die er übrigens noch hat. Von diesem Tag an hat er sein Leben durch eine "etwas andere" Optik gesehen.
Heinz Güthlein wurde am 10. November 1927 in Creidlitz geboren. Er erlernte den Beruf des Werkzeugmachers.
Nach seiner Lehrzeit wurde er zum damaligen Reichsarbeitsdienst einberufen, im Anschluss an die Ausbildung kam die Ostfront. Aus russischer Kriegsgefangenschaft kehrte er Ende 1945 zurück. Daraufhin fand er wieder Arbeit bei seinem alten Arbeitgeber: der Firma Gemmer, in Coburg.


Lebendige Filmdokumentationen für die Nachwelt


Das Coburger Land, hatte für den gebürtigen Creidlitzer immer einen besonderen Stellenwert. Der 85-Jährige wollte "dieses herrliche Fleckchen Erde" schon immer nicht nur augenblicklich wahrnehmen. Nein! Der "güth", so war sein Kürzel, nahm sich vor, lebendige Filmdokumentationen für die Nachwelt zu schaffen.
Zum Schreiben für die Zeitung kam der Chronist aus ganz praktischen Überlegungen. Bereits Anfang der 50er Jahre stellte er seine ersten synchronisierten Farbton-Lichtbildervorträge zusammen gestellt. Dabei ging es um die Stadt Coburg, die Landkreisgemeinden, seine Heimatgemeinde sowie über die Alpen. Da es in diesen Jahren noch kein Farbfernsehen gab, fanden seine Vorträge großes Interesse. Und auch die örtlichen Bildberichterstatter waren einst Mangelware. "So kam ich wohl in den Fokus der Zeitung", sagt Güthlein heute.

Von der Zeitung entdeckt

Fortan besuchte Heinz Güthlein Vereinsversammlungen, Ehrungen, Empfänge, Jubiläen, berichtete darüber und fotografierte natürlich auch. Die Manuskripte und Filme mussten damals noch in die Redaktion gebracht werden. Wie viele Kilometer Filmmaterial von Heinz Güthlein belichtet wurden, kann er gar nicht sagen. Eines fällt ihm aus dieser Zeit aber noch gleich ein: "Streitigkeiten unter den Kommunalpolitikern waren überhaupt nicht mein Ding waren." Das hieß es: Sich besser raushalten, lieber nur an Besonnenheit und Vernunft appellieren. Das stand ihm durchaus zu, weil der Heinz jeden kannte. Die Bürgermeister, seine "Architekten der Gemeinde Ahorn" hat er seit 1945 dokumentiert und begleitet. Viele andere Politiker hat er kommen und gehen sehen.


Zahllose Dia- und Tonfilmbeiträge


Unter seiner Regie entstanden zahllose Dia- und Tonfilmbeiträge - unter anderem über die 1100-Jahr-Feier von Creidlitz, die 900-Jahr-Feier der Gemeinde Ahorn oder das Friedensfest 1971 in Meeder. Darüber hinaus organisierte er jährlich Heimatabende, "Talentschuppen" und zu besonderen Anlässen auch Zeltabende. Er begleitete den "Komödienstadl" nach Creidlitz, förderte das Jodeltalent Mario Bamberger und ging mit seinem Landkreis-Vortrag auf Reisen durch 89 Dörfer in der Region.


Jährliche Kreisbildberichte


Nicht in Vergessenheit geraten sind die jährlichen Kreisbildberichte von Heinz Güthlein in den 60er Jahren. Er ließ damit die Bürger des Coburger Landes an vielen Ereignissen teilhaben. Und das nicht in "Stummfilm-Art". Heinz Güthlein schuf damals noch mit einer komplizierten Tonbandtechnik lebensnahe Orginaltonbandberichte. Unzählig und unvergessen sind seine Vorträge, die er in den letzten Jahrzehnten zeigte. Sein Amt als Kreisbildberichterstatter gab Heinz Güthlein später auf: "Dieser aufwändige Nebenjob ließ sich mit meinem Beruf als Werkzeugpolier nicht mehr vereinbaren ließ."

Archivpflege am Computer

Noch bis vor vier Jahren war der Heinz noch Unterwegs. Ein Schlaganfall fesselte ihn dann an den Rollstuhl. Seitdem ist sein Computer, auf dem er sein Archiv vervollständigt, sein großes Hobby. Sein letztes Werk war die Vertonung und Vorführung der Ahorner Ortsgeschichte. Zusammen mit seinen Enkeln Markus Carl und Nadine Fischer erarbeitete er dazu eine Computerpräsentation. Seit über 60 Jahren treu zur Seite steht ihm dabei seine Frau Hedwig.

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