Neustadt bei Coburg
Erinnerung

Heinrich Schaumberger: meisterhafter Erzähler, jung verstorben

Am 15. Dezember 2018 jährt sich zum 175. Male der Geburtstag einer bedeutenden Neustadter und Weißenbrunner (Rödentaler) Persönlichkeit: Heinrich Schaumberger.
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Heinrich Schaumberger Repro: Dieter Seyfarth
Heinrich Schaumberger Repro: Dieter Seyfarth
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Der "oberfränkische Lehrerdichter", wie er in einem alten Zeitungsartikel bezeichnet wird, wurde am 15. Dezember 1843 als Sohn eines Lehrers und Kantors in Neustadt bei Coburg geboren. Wohl nur wenige Neustadter wissen, dass er in der Glockenbergschule auf die Welt kam. Hier in der Glockenbergschule, die am 2. Januar 1833 eingeweiht wurde und das Großfeuer vom Johannistag 1839 glücklicherweise überstand, unterrichtete Jahre später Schullehrer Georg Friedrich Schaumberger. Ihm wurde die 4. Schulklasse, eine Inspizientenklasse für Knaben und Mädchen, und die Kirchenmusik übertragen. Es war seine zweite Schulstelle. Zusammen mit seiner Ehefrau Margaretha Barbara, geborener Heider aus Weißenbrunn vorm Wald, bewohnte er die Kantoratswohnung im obersten Stockwerk der Schule. Hier wurde dem Paar am Freitag, 15. Dezember 1843, vormittags um 11 Uhr ein Sohn geboren, der am Sonnabend, 2. Januar 1844, auf den Namen "Heinrich Michael" getauft wurde. Dieser Tag fiel genau auf den 60. Geburtstag des Schutzpatrons der Schule, Herzog Ernst I.

Dieser Heinrich sollte später ein meisterhafter Erzähler oberfränkischen dörflichen Lebens werden. Seine schriftstellerischen Arbeiten (unter anderem "Im Hirtenhaus", "Bergheimer Musikantengeschichten", "Umsingen", "Vater und Sohn", "Zu spät" und "Fritz Reinhardt") machten ihn weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt. So wurde er in der Fachpresse als "deutscher Volksschriftsteller seiner fränkisch-thüringischen Heimat" gewürdigt.

Beziehung zu Neustadt bleibt

Obwohl Heinrich Schaumberger seine Kindheit nur bis zu seinem sechsten Lebensjahr in Neustadt, das er in seinen Erzählungen "Haidach" nannte, verbrachte, ist aus Schaumbergers Tagebuchaufzeichnungen bekannt, dass seine Erinnerungen weit in seine Neustadter Zeit zurückreichten. Emil Herold, Neustadter Mundartdichter und Heimatschriftsteller (23.10. 1880 - 25.1.1946) schrieb hierzu unter anderem:

"Schaumbergers Beziehungen zu Neustadt hörten aber mit der Versetzung seines Vaters nach Weißenbrunn nicht auf. Er scheint oft mit dem Vater zum Besuch alter Freunde nach Neustadt gekommen zu sein. Als Seminarist war er oft und gern in Neustadt, anscheinend sehr oft, denn sein Jünglingsherz schlug, wie man mir erzählt hat, für eine Neustadter Schöne, die später ins Rheinland geheiratet hat und der wohl eines seiner ersten Gedichte - es ist im Nachlassband ,Aus der Mappe des Verstorbenen‘ veröffentlicht - gewidmet ist. Kindheitserinnerungen, erste Jugendliebe ... die Beziehungen zwischen Schaumberger und seiner Heimat müssen innig gewesen sein!"

Glückliche Dorfjugend

In Weißenbrunn vorm Walde, wohin der Vater 1849 versetzt wurde, verlebte Heinrich Schaumberger eine glückliche Dorfjugend. Nach dem frühen Tod seiner Mutter, der ihn sehr schmerzte, sorgten sich die Großeltern um ihn. Ihnen verdankt Schaumberger viele Impulse. Im Lehrerroman "Fritz Reinhardt" lässt er den Großvater in Gestalt des "Lichtennikele" lebendig werden; eine der allerbesten Figuren, die Schaumberger schuf, schrieb Dr. Albin Schubert aus Rodach. Er war einer der profiliertesten Schaumberger-Kenner, der 1974 das Werk des Dichters analysiert hatte.

Erholung durch Lektüre

Zwischen Schaumbergers Konfirmation und den Seminarjahren in Coburg liegen vier Jahre wirtschaftlicher Gebundenheit an den Bauernhof seiner Großeltern. Als einziger Enkel sollte er Hoferbe werden. Er nahm die bäuerlichen Arbeiten sehr ernst. Obwohl er dann am Abend ermattet auf die Ofenbank sank, fand er dennoch noch Zeit für geistige Beschäftigung. Seine Erholung von harter körperlicher Arbeit bestand in Lektüre.

Dass der Vater schließlich nachgab und dem Sohn im bereits vorgerückten Alter den Besuch des Lehrerseminars in Coburg erlaubte, war der Ausgangspunkt für einen neuen Lebensabschnitt. Nach seiner Ausbildung fand Heinrich Schaumberger 1864 seine erste Lehrerstelle in Einberg. 1866 folgten Ahlstadt und 1869 Weißenbrunn vorm Wald, nachdem die Schulstelle seiner Heimatgemeinde aufgrund des plötzlichen Todes seines Vaters verwaist war.

Sein letztes Gedicht mit 30 Jahren

Heinrich Schaumberger war zweimal verheiratet. Seine erste Frau, Klara Bauer, starb im Februar 1868 in Ahlstadt im Wochenbett. Seine zweite Lebensgefährtin wurde Magdalene, die Tochter des Pfarrers Oskar Bagge aus Weißenbrunn. In dieser Zeit schrieb der bereits vom Tode Gezeichnete seine Hauptwerke. Heinrich Schaumberger starb am 16. März 1874 im 31. Lebensjahr in Davos in der Schweiz. Er hinterließ viele Skizzen geplanter Werke. Sein letztes Gedicht hat folgenden Wortlaut:

"Ein herbes Los ist mir beschieden,

im Lenz klingt mir das Leben ab -

ich finde keinen anderen Frieden

als dort im stillen dunklen Grab.

Den Frieden wohl möchte ich gewinnen, doch eh' die Scheidestunde naht,

möchte ich noch manches Werk beginnen, vollbringen manche ernste Tat!"

Denkmal in Neustadt

Die Stadt Neustadt errichtete ihrem bedeutenden Sohn 25 Jahre nach seinem Tod im Jahre 1899 ein Denkmal auf dem Salzmarkt (heute Alexandrinenplatz), dem Eingang zur Austraße. Außerdem widmete sie eine Straße nach ihm. Der Grundstein wurde am 16. März 1899 gelegt. Die Einweihung fand mit einem großen Festakt am 23. Mai 1899 statt. Zum Förderungskomitee zählte kein geringerer als der steirische Erzähler Peter Rosegger. Das Denkmal trägt in Stein gehauen die Inschrift: "Heinrich Schaumberger, geboren 16. Dezember 1843, gestorben 16. März 1874." Das bronzene Reliefbild ist von einem Lorbeerkranz umgeben, auf dem links und rechts seine Werke verzeichnet sind. Als Abschluss steht darunter: "In doloribus pinxit", zu Deutsch: Unter Schmerzen hat er gearbeitet. Den Entwurf für das Denkmal fertigte der Zeichenlehrer und spätere Professor Max Derra, der auch das Modell für das Relief schuf.

Schule in Coburg

Am 20. April 1961 beschloss der Neustadter Stadtrat, das Denkmal aus "verkehrstechnischen Gründen" in die Siedlung Nord, in eine Grünanlage an der gleichnamigen "Schaumbergerstraße" versetzen zu lassen. Dort erfolgte die Neuaufstellung am 21. Juni 1961. Hier steht es heute noch, wo das Denkmal - von den Anliegern abgesehen - aufgrund des abgelegenen Standortes kaum noch von der Öffentlichkeit und den wenigen Touristen, die Neustadt besuchen, wahrgenommen werden kann. In Coburg wird das Leben und Wirken des oberfränkischen Lehrerdichters mit der "Heinrich-Schaumberger-Schule" dauerhaft gewürdigt.

Museum in Weißenbrunn vorm Wald

Heinrich Schaumberger hat das dörfliche Leben Weißenbrunns, das er in seinen Werken "Bergheim" nennt, in so liebevoller Weise dargestellt und die damalige Gemeindepolitik zum Teil so kritisch unter die Lupe genommen, dass die Familien sein Wirken schon bald nach seinem Tode richtig einzuschätzen verstanden. So ist es auch zu verstehen, dass in Weißenbrunn vorm Wald, einem Stadtteil von Rödental, im alten Schulhaus ein "Heinrich-Schaumberger-Museum" eingerichtet wurde. Hier ist mit viel Liebe und Sorgfalt ein kleines Museum aufgebaut worden. Darin sind nicht nur persönliche Gegenstände des Schriftstellers zu finden. Es werden auch Sachen gezeigt, die in den Schriften des Dichters eine Rolle spielen: die Originaluhr aus dem Hirtenhaus, die Bilder seiner Eltern, einige von ihm selbst gemalte Werke und vier Bänke aus seiner so geliebten Weißenbrunner Schulstelle. Ein Besuch dieser Gedächtnisstätte ist nicht nur für Schulklassen sehr lohnend, werden doch dadurch auch eigene Erinnerungen an die gute alte Schulzeit wieder wach. Besichtigungen können telefonisch (09563/1619) vereinbart werden.

Quellen:

• Diverse ältere Zeitungsberichte

• Geschichte der Stadt Neustadt (2. Band) von Helmut Scheuerich)

• "Emil Herold und sein geliebtes Neustadt" von Helmut Scheuerich

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