Coburg
Premiere

"Heidi" verzaubert mit Alpenromantik im Landestheater

So bringt Schauspieldirektor Matthias Straub die Geschichte von "Heidi" auf die derzeit nur provisorisch bespielbare Bühne des Coburger Musentempels. Für eindreiviertel Stunden kann das Publikum dabei die Folgen des Wasserschadens vergessen.
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Als Familienstück feierte "Heidi" Premiere am Landestheater. In der Titelrolle begeistert Eva Marianne Berger, ihren Freund Peter spielt Nick-Robin Dietrich, den Part der Großmutter übernimmt Thomas Straus (Mitte). Links im Hintergrund: Stephan Mertl als Alm-Öhi. Das Bühnenbild konzipierten Daniel Kaiser und Thomas Müller unter Verwendung eines Gemäldes aus der Werkstatt der Gebrüder Brückner.Fotos: Andrea Kremper
Als Familienstück feierte "Heidi" Premiere am Landestheater. In der Titelrolle begeistert Eva Marianne Berger, ihren Freund Peter spielt Nick-Robin Dietrich, den Part der Großmutter übernimmt Thomas Straus (Mitte). Links im Hintergrund: Stephan Mertl als Alm-Öhi. Das Bühnenbild konzipierten Daniel Kaiser und Thomas Müller unter Verwendung eines Gemäldes aus der Werkstatt der Gebrüder Brückner.Fotos: Andrea Kremper
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Scheinbar ein ganz normaler Premierensonntag in der Vorweihnachtszeit. Der Schlossplatz ist dicht gefüllt mit parkenden Autos. Alles wartet auf "Heidi" - drinnen im Landestheater. Doch hinter den Kulissen ist nichts mehr normal seit dem Wasserschaden. Die Technik des Bühnenhauses ist noch immer außer Gefecht gesetzt, die Drehbühne kann ebenso wenig benutzt werden wie die hauseigene Beleuchtungsanlage.

Doch wenn sich dann - mit zwei Wochen Verspätung - der Premierenvorhang tatsächlich öffnet, scheint doch alles ganz normal. Geliehene Scheinwerfer sorgen für Licht - und das spielfreudige Ensemble für lebendiges Theatervergnügen. "Das Leben ist voller Wunder" - so beginnt der Erzähler diese Geschichte des Waisenkindes Heidi, das hoch droben in den Bergen der Schweiz bei seinem äußerlich reichlich grimmigen Großvater aufwächst.


Große Gefühle, malerische Bühne

Diese Geschichte von Heidi, die dann ins ferne, kalte Frankfurt regelrecht verschleppt wird, dort aber eine Freundin findet und schließlich doch wieder zurückkehren darf in ihre geliebten Berge - diese Geschichte firmiert im Spielplan bewusst nicht als Weihnachtsmärchen, sondern als Familienstück.

Und so inszeniert Schauspieldirektor Matthias Straub die Bühnenfassung des Romans von Johanna Spyri. Straub gönnt sich manche Seitenhiebe auf die dörfliche Spießerwelt und verzichtet bei der Musikauswahl ganz bewusst weitestgehend auf folkloristische Zutaten.

Dicker Klangnebel

Stattdessen wabert dicker Streichernebel von Max Bruch bis Samuel Barber über die Bühne - eine anspielungsreiche Klangkulisse, die sich doch eher an das erwachsene Publikum wenden dürfte.
Große Gefühle vor malerischem Alpenpanorama - so bringt Straub "Heidi" auf die Bühne. Das Bühnenbild haben - bemerkenswertes Novum für Coburg - der Technische Leiter des Landestheaters Daniel Kaiser und Werkstättenleiter Thomas Müller konzipiert.

Blanke Muskelkraft ersetzt Maschinen

Dazu zitieren sie die Kopie eines Gemäldes der Coburger Theatermaler-Dynastie Brückner herbei. Eine raffiniert konstruierte Holzhütte mit aufklappbarer Vorderwand bildet den zentralen Spielort: eine rundum stimmige Lösung für diese Produktion. Und selbst die Verwandlung nach Frankfurt gelingt ohne ausgefallene Elektronik - dank blanker Muskelkraft schweben die Kulissen in den Bühnenhimmel.

Spielfreudiges Ensemble

Dass der Coburger Musentempel derzeit nur höchst provisorisch bespielbar ist, gerät durch das lebendige Agieren des gesamten Ensembles zumindest für eindreiviertel Stunden in Vergessenheit. In der Titelpartie wirbelt Eva Marianne Berger mit präzisem Elan über die Bühne, als brummiger, schließlich aber doch fürsorglicher Großvater beeindruckt Stephan Mertl, als Heidis Freund Peter erntet Nick-Robin Dietrich verdientermaßen ebenso viel Beifall wie Jana Kristina Lobreyer als Klara, die eigentlich an den Rollstuhl gefesselt ist, dank Heidis Hilfe schließlich aber doch das Laufen lernt.

Erzähler führt durch die Geschichte

Die Verwandlung des Romans in eine Bühnenstück mit nicht allzu ausufernder Länge gelingt nur mit Hilfe eines Erzählers. Diesen Part übernimmt Thomas Straus prägnant und souverän. Mit Worten baut er Brücken zwischen den einzelnen Szenen.

Weil auch die übrigen Rollen bestens besetzt sind (darunter Anne Simmering und Christina Motsch alternierend in der Paraderolle als Fräulein Rottenmeier), erntet dieses Familienstück zur Weihnachtszeit reichlich Beifall. Endlich wieder Leben auf der Bühne des Landestheaters: Intendant Bodo Busse kann zumindest in dieser Hinsicht erleichtert sein - provisorisch erleichtert.

So geht es weiter mit "Heidi" am Landestheater Coburg


Theater-Tipp "Heidi" - Familienstück nach dem Roman von Johanna Spyri - 4., 6., 7., 8.,, 11., 12., 13. Dezember, 11 und 14 Uhr, 14., 15. Dezember, 15 und 18 Uhr, 16., 17., 18. Dezember, 11 und 14 Uhr, 20., 22., Dezember, 11 und 14 Uhr, 23. Dezember, 15 und 18 Uhr, 26. Dezember, 14 Uhr, 28., 29. Dezember, 11 und 14 Uhr, 4., 5. Januar, 11 und 14 Uhr, 6. Januar, 11 und 18 Uhr, 12. Januar, 14 Uhr, Landestheater. Einige dieser Termine sind als Ersatz für abgesagte Vorstellungen zusätzlich ins Programm genommen worden.

Produktion Inszenierung: Matthias Straub; Bühne: Daniel Kaiser/Thomas Müller; Kostüme: Nora Johanna Gromer; Dramaturgie: Georg Mellert

Darsteller Erzähler/Großmutter: Thomas Straus
Heidi: Eva Marianne Berger
Alm-Öhi: Stephan Mertl
Peter: Robin-Nick Dietrich
Klara/Jungbäuerin: Jana Kristina Lobreyer
Fräulein Rottenmeier/Pfarrköchin: Anne Simmering / Christina Motsch
Sebastian/Großbauer: Helmut Jakobi
Großknecht/1. Diener: Boris Stark
Dorffaktotum/3. Diener: Matthias Hertha
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