LKR Coburg
Streit

Handwerker klagen gegen ihre Kammer

Coburger Handwerker-Innungen kämpfen um den Erhalt des Berufs- und Technologiezentrums in Coburg: Die Handwerkskammer Bayreuth will es schließen.
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Am Hinteren Floßanger befindet sich das Berufs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer in Coburg. Foto: privat
Am Hinteren Floßanger befindet sich das Berufs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer in Coburg. Foto: privat

"Das Coburger Handwerk auf Messers Schneide: auf zu Gericht!" Knut von Berg, ehemaliger Obermeister der Bauinnung, langjähriges Vorstandsmitglied bei der Handwerkskammer Bayreuth, hat bewusst markige Worte gewählt. Auf eineinhalb Seiten legt die Bauinnung Coburg dar, warum sie im Verein mit neun weiteren Coburger Handwerksinnungen und zehn Ausbildungsbetrieben gegen die Handwerkskammer Bayreuth klagt.

Denn die will das Berufs- und Technologiezentrum (BTZ) am Floßanger schließen: 2025 soll bei den meisten Berufen Schluss sein, lediglich die Bauhalle soll bis 2030 betrieben werden. In Coburg werden junge Bäcker, Elektriker, Friseure, Feinwerkmechaniker, Kfz-Mechaniker, Maler, Maurer und Metallbauer ausgebildet. Doch die Handwerkskammer will künftig nur noch drei BTZ betreiben und plant einen Neubau in Bamberg, den künftig auch die Auszubildenden aus dem Raum Coburg ansteuern sollen.

Damit sei das Coburger Handwerk akut gefährdet, befürchten von Berg und Eberhard Hauck, der Obermeister der Bauinnung Coburg. Denn mit weiten Anfahrtswegen zur überbetrieblichen Ausbildung würde das Handwerk im Vergleich zur Industrie noch unattraktiver. Den 1680 Handwerksbetrieben im Raum Coburg würden mit dem BTZ Räume für Innungsversammlungen, Weiterbildung, Schulungen und Vorträge fehlen. Die Handwerkskammer habe zwar zugesagt, dass die Geschäftsstelle in Coburg bleibe, "aber dafür kann man auch ein Büro anmieten",sagt Knut von Berg.

Der von Handwerkskammer-Präsident Thomas Zimmer angedachte "innovative Lernort" in Zusammenarbeit mit der Hochschule sei kein Ersatz. Zum einen seien das bislang nur Überlegungen, zum anderen gehe es dabei nicht um überbetriebliche Lehrlingsausbildung, sondern um weiterführende Angebote, argumentieren von Berg und Hauck.

Seit Ende 2016 stehe die Schließung des Coburger BTZ schon im Raum, sagt Knut von Berg. Ende 2018 wurde es konkret, da trafen sich von Berg und der stellvertretende Bau-Innungsobermeister Rocco Müller mit Handwerkskammerpräsident Zimmer. Damals habe man vorgeschlagen, einige Berufe in Coburg zu belassen und auch die Bamberg/Forchheimer Handwerks-Azubis hier auszubilden, sagt von Berg. Denn der Bamberger Nachwuchs im Bauhandwerk absolviere ohnehin sein erstes Berufsschuljahr in Coburg.

Reaktion: keine. Dass es seitens der Handwerkskammer bislang kein konkretes Angebot an die Coburger Mitglieder gegeben habe, trotz mehrmaliger Gesprächsversuche, ärgert von Berg und Hauck sichtlich. Auch das Gespräch mit Zimmer Ende 2018 sei erst zustande gekommen, nachdem die Bauinnung Coburg beim bayerischen Wirtschaftsministerium die rechtsaufsichtliche Prüfung der Schließungspläne beantragt hatte. Er habe nicht einmal Auskunft erhalten, wie viele Lehrlinge im Jahr in Coburg lernen, schimpft von Berg. Deshalb wollen die beiden Handwerksmeister nun auch nicht mehr aufschieben, was sie seit Wochen vorbereiten: Am Montag sollte die Klage gegen die Handwerkskammer beim Verwaltungsgericht Bayreuth eingehen.

Grundlage der Klage ist, dass eine Schließung des Coburger BTZ einen eindeutigen Verstoß gegen den Fusionsvertrag von 2001 darstellt. Die bis dahin eigenständige Handwerkskammer Coburg schloss sich der oberfränkischen an, die sich verpflichtete, das Coburger BTZ "in gleicher Weise" zu unterhalten und an die technische Entwicklung anzupassen "wie die übrigen Bildungseinrichtungen der Kammer in Oberfranken".

Die Handwerkskammer Oberfranken soll nun verurteilt werden, alles zu unterlassen, was eine Schließung des Coburger BTZ zur Folge hätte. "Vorbeugende Unterlassungsklage und Leistungsklage" nennt sich der Schriftsatz, den ein Münchner Fachanwalt zusammengestellt hat. Sobald die Klage eingereicht ist, könne die Handwerkskammer auch kein Grundstück mehr für ein neues BTZ in Bamberg kaufen, sagt von Berg.

Unterstützt werde die Klage auch von Innungen wie der hiesigen Fleischerinnung, deren überbetriebliche Berufsbildungsstätte schon seit Jahren Kulmbach sei, berichtet Bernhard Hauck. "Einfach aus Prinzip, weil die ja trotzdem ihre Innungsversammlungen hier machen wollen."

Wie die Handwerkskammer Oberfranken reagiert, lesen Sie hier (Angebot von infrankenPLUS, für Abonnenten unserer Tageszeitungen kostenlos).

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