Beiersdorf bei Coburg
Jubiläum

Handball war der große Wurf

Der TSV Beiersdorf wird 100 Jahre alt. Der einstige Turnverein förderte den Handballsport in Coburg und präsentiert sich heute als moderner Breitensportverein
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Der Handballsport war Jahrzehnte lang das Aushängeschild des TSV Beiersdorf. Im Jahr 2002 endete die Ära allerdings wegen Spielermangels. Fotos: CT-Archiv
Der Handballsport war Jahrzehnte lang das Aushängeschild des TSV Beiersdorf. Im Jahr 2002 endete die Ära allerdings wegen Spielermangels. Fotos: CT-Archiv
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"Dem Zuge der Zeit folgend wurde beabsichtigt, im Dorfe einen Turnverein ins Leben zu rufen, wozu wir die hiesige Einwohnerschaft freundlichst dazu einladen" - so ist über die Gründung des Turnvereins Beiersdorf im Protokoll vom 8. März 1913 zu lesen. Am kommenden Dienstag, 30. April, ein ganzes Jahrhundert später, ist die Einwohnerschaft von Beiersdorf erneut eingeladen, wenn der TSV Beiersdorf sein 100-jähriges Bestehen feiert.
In einer ganzen Reihe von Abteilungen (Tennis, Reiten, Tischtennis, Gymnastik, Kinderturnen, Badminton, Nordic Walking und Ballsport) bietet der Breitensportverein TSV heute Frauen, Männern und Kindern jeden Alters die Möglichkeit, sich sportlich zu betätigen. In seinen Anfangsjahren allerdings stand der Verein nur Männern offen.
Zwar hatte der erste Turnwart Hermann Trier gleich nach der Vereinsgründung vorgeschlagen, eine Damenriege aufzustellen, wie in der Chronik nachzulesen ist, für die damalige Zeit war das aber offenbar noch zu fortschrittlich gedacht - die Versammlung lehnte Triers Vorschlag ab.
Dafür bemühten sich die Gründerväter, ihren frischgebackenen Mitgliedern Abwechslung zu bieten: Der Turnverein schaffte für 105 Mark einen Barren, eine Hantel, einen Stein und eine Kugel an. Ein Viertel Jahr später wurde noch ein Reck für 54 Mark gekauft. Außerdem bemühte sich die Vereinsführung um einen Platz, um Turnstunden abhalten zu können.

Wechselvolle Geschichte

Nach knapp einem Jahr zeigten sich erste Erfolge. Beiersdorfer Turner nahmen an Turnfesten im Coburger Land teil. Dann unterbrach der Erste Weltkrieg die Entwicklung des jungen Vereins und nahm ihm gleich sieben seiner Mitglieder. Die wechselvolle Geschichte habe Spuren hinterlassen, stellt der heutige Vorsitzende Volker Zipprich in seinem Grußwort fest. Aufhalten ließ sich der Verein in seiner Entwicklung dennoch nicht.
Ab 1930 ließ das Interesse an Turnwettkämpfen nach. Die Jugend wandte sich eher neuen Sportarten wie Leichtathletik und Handball zu. Letzteres war Jahrzehnte lang das sportliche Aushängeschild des Vereins. Die erste Mannschaft wurde 1932 gegründet, die Handball-Abteilung zur Teilnahme an Punktspielen folgte 1946.
"Die Spiele auf dem Großfeld an den Sulzwiesen waren immer wieder Höhepunkte im Dorfleben", heißt es in der Chronik. Auch unter der Woche habe das Thema Handball die Stammtische beherrscht - "und natürlich war jeder Stammtischbruder der bestmögliche Trainer, der es - wenn er nur könnte - denen vom Verein schon zeigen würde, wie's richtig geht."
Die Begeisterung für den Handballsport war so groß, dass 1948 eine zweite Männermannschaft und 1949 eine dritte Mannschaft am Spielbetrieb teilnahmen. Die Damen wollten nicht länger tatenlos zusehen und gründeten noch im selben Jahr eine eigene Mannschaft.

Handball-Ära endete 2002

1980 brach in Beiersdorf das Handballfieber richtig aus, der TSV wurde Bayerischer Meister auf dem Großfeld. Doch nach den vielen Jahrzehnten glänzender Höhepunkte führten neue Trendsportarten wie etwa Aerobic oder der Tennis-Boom der 80er Jahre und nachlassendes Interesse am Handballsport Mitte der 90er Jahre schließlich zur Wende. Die Ära des Beiersdorfer Handballs endete 2002, nicht aber die des TSV Beiersdorf.
Einige verbliebene Handballer wechselten zum kleineren Tischtennisball. Ab dem Jahr 2000 setzte ein wahrer Gründungs-Boom ein: die Aerobic-Gruppe nahm ihren Betrieb auf, 2001 das Kinderturnen und die Volleyballer. 2003 folgten die Ballsportgruppe, Fitnessgymnastik und der Handarbeitskreis, 2004 die Nordic-Walking-Gruppe und ein weiteres Jahr später die Badmintongruppe.
Für die Vereinsmitglieder und Volker Zipprich also Grund genug, positiv in die Zukunft zu sehen: Er wünsche dem Sportverein auch weiterhin "viele motivierte Menschen, die ihn in seinen vielfältigen Abteilungen ideenreich und nach den Anforderungen der jeweiligen Zeit in die Zukunft führen", so der TSV-Vorsitzende. ct

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