Sonnefeld

Gut ausgerüstete Wehr mit Personalsorgen

Einmütig billigte der Gemeinderat den von einem Sachverständigenbüro erarbeiteten Report als Leitfaden für die künftige Entwicklung der Feuerwehr Sonnefeld.
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Im Foyer des Sonnefelder Depots wirbt eine bestens ausgerüstete Familie um freiwillige Helfer für die Feuerwehr. Foto: Klaus Oelzner
Im Foyer des Sonnefelder Depots wirbt eine bestens ausgerüstete Familie um freiwillige Helfer für die Feuerwehr. Foto: Klaus Oelzner
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Eine außergewöhnlich große Zuschauerkulisse interessierte sich für die Sondersitzung des Gemeinderats am Mittwochabend. Feuerwehrführungskräfte sowie aktive Feuerwehrler aus der Stammgemeinde und ihren Ortsteilen verfolgten Vorstellung, Diskussion und Beschlussfassung des Feuerwehrbedarfsplans als Grundlage zukünftiger Entwicklungen.

Um es vorwegzunehmen: Dabei spielten nicht nur die als Pflichtaufgabe der Kommune festgeschriebene Ergänzung von Ausrüstungsgegenständen und als notwendig erachtete Bauvorhaben im Haushalt der Kommune ein Rolle. Besonderen Fokus legte Kommandant Dirk Bauer bei der regen Diskussion auf die unbefriedigende personelle Situation: Immer spürbarer fehlten einsatzbereite Helfer. Insbesondere tagsüber offenbarten sich für Ernstfalleinsätze nach digitaler Alarmierung immer wieder schwierige Situationen auch bei der erforderlichen Besetzung von Einsatzfahrzeugen.

"Katalog der Vorgehensweise"

Unter Verweis auf die bereits im Jahr 2018 vom Gemeinderat beschlossene Aufstellung eines Feuerwehrbedarfsplans ging Bürgermeister Michael Keilich auf die Prämisse ein, "nicht blauäugig an das Thema heranzugehen", sondern die Erarbeitung dem oberpfälzischen Sachverständigenbüro Dechant (Maxhütte-Haidhof) zu übertragen.

Markus Dechant, in seiner Heimat selbst Kreisbrandmeister, erläuterte den bereits vorab elektronisch an die Gemeinderäte verschickten "Katalog der Vorgehensweise", für den das bayerische Feuerwehrgesetz eine verbindliche Grundlage bilde, in dem auch die immer schwerer einzuhaltende Zehn-Minuten-Frist zwischen Alarmierung und Eintreffen der Hilfskräfte am Einsatzort verankert sei.

Aufwendig waren alle Ortsteile systematisch auf Gefahrenarten wie Brand, technischer Notfall, Personenrettung usw. untersucht worden. Dechant: "Dabei ergab sich, dass Sonnefeld im Wesentlichen ein seiner Größe entsprechendes Gefahrenpotenzial aufweist." Teils wurden Verbesserungsmaßnahmen für Geräte, Einrichtungen und Gebäudebestand einschließlich zweitem Rettungsweg empfohlen, teils Parallelalarmierungen, verbesserte Ausstattung bei Atemschutzausrüstung oder die Bereitstellung von Alarmparkplät-zen. Als Ersatz für nur bedingt zukunftssichere Gerätehäuser in Hassenberg und Wörlsdorf lautet die Empfehlung "gemeinsamer Neubau". Ebenso für Gestungshausen, während Neuses am Brand ein zukunftssicheres Feuerwehrhaus betreibt, sofern der Schulungsraum im früheren Schulhaus genutzt werden kann.

Ausdrücklich lobte der Sachverständige die gute Zusammenarbeit mit Gemeindeverwaltung und Feuerwehrfunktionsträgern bei den Besichtigungsterminen im gesamten Gemeindebereich.

"Rat- und hilflos"

Schier rat- und hilflos, sagte der von seinem Stellvertreter Markus Schrepfer unterstützte Kommandant, stünden angerückte Hilfskräfte vor einem "Großereignis im einzigen Sonnefelder Hochhaus". Ebenso schwierig seien im Brandfall die schon während der Kirchweihübung 2019 demonstrierten Chancen auf Personenrettung aus dem ersten Stock im nur zweistöckigen Gerätehaus an der Berliner Straße einzustufen. "Für drehleiterpflichtige Gebäude fehlt schlicht der zweite Rettungsweg", stellte der Referent unter Zustimmung von Gemeinderäten und Gästen fest. Als Problemlösung führte er tragbare (Schiebe-)Leitern als Grundausstattung auf Löschfahrzeugen oder ein genormtes Hubrettungsfahrzeug (Drehleiter) ins Feld. Unter Berücksichtigung geografischer Gegebenheiten, Gebietsstruktur und ständig wachsender Aufgabenbereiche empfiehlt der Bedarfsplan organisatorische und technische Maßnahmen im Rahmen finanzieller Leistungsfähigkeit.

Nachdrücklich unterstrichen wurde angesichts in der Bevölkerung allgemein nachlassender Bereitschaft zu freiwilligen, ehrenamtlichen Diensten die erforderliche Unterstützung des Feuerwehrwesens. Zur Verbesserung prekärer Personalsituationen sind im Papier Handlungsempfehlungen für öffentlich-rechtliche Vereinbarungen mit Nachbargemeinden, Bildung von Ausrückgemeinschaften bis hin zu gezielter Nachwuchsförderung und Fusionen zu finden.

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