Coburg
Designtage

Güterbahnhof, Albert und Visionen

Bei der Eröffnung der Designtage ging es vor allem um die Zukunft des Güterbahnhofgeländes.
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Hinterm "Zollinger". Foto: Hagen Lehmann
Hinterm "Zollinger". Foto: Hagen Lehmann
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Zum 31. Mal finden die Coburger Designtage statt; zum sechsten Mal gastieren sie auf dem früheren Güterbahnhof und in der "alten Pakethalle", die zu Güterbahnhofzeiten "Stückguthalle" hieß. Aber Namen können wechseln, Nutzungen auch, und inzwischen ist es ja schon ausgemachte Sache, dass die Pakethalle vorläufig der Ort für Events und Veranstaltungen bleibt, zu dem sie sich, auch dank der Designtage, entwickelt hat.

Eigentlich sollten hier Start-Ups unterkommen, aber für die ist ja jetzt im ehemaligen Schlachthof ein Ort gefunden. Auch, dass das Güterbahnhofsareal in erster Linie gewerblich genutzt werden sollte, ist nun kein Thema mehr. Aus dem "Band der Wissenschaft, Technik und Design" ist das "Band der Wissenschaft, Kultur und Natur" geworden, zumindest in der Eröffnungsveranstaltung der Designtage am Dienstagabend.

Namen können Fakten schaffen, und die Planer des Eröffnungsabends hatten sich offenbar zum Ziel gesetzt, aus der Veranstaltung eine Taufe zu machen: Das Schlachthof-/Güterbahnhofareal solle den Namen "Prinz Albert Campus" erhalten. Das forderten zumindest die Darsteller von Queen Victoria, Prinz Albert und Joseph Paxton in kurzen Sprechszenen während des Eröffnungstalks.

Dieser Talk, auch schon ein Designtageritual, lässt alle zu Wort kommen, die was sagen sollten oder wollen. Weil aber derzeit gerade viel über die Zukunft des Güterbahnhofareals und überhaupt über Stadtentwicklung geredet wird, vermieden es die Politiker tunlichst, etwas zu sagen, was man gegen sie verwenden könnte. Gegen den Namen "Prinz Albert Campus" (PAC) hatte niemand etwas einzuwenden, mehr noch: "Er ist ja schon fast etabliert", sagte Stephan Horn von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, und damit war schon alles gesagt.

Die künftige Gestaltung des Areals in der Zeit, wenn erst mal das Globe steht, ist noch ein offener Punkt. "Kein englischer Rasen" war eine weitere Konsensformel, von Drittem Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) erstmals ausgesprochen, von der Landschaftsplanerin Stefanie Jühling bestätigt. Sie hat für die Globe Coburg GmbH einen "Gestaltungsleitfaden" entwickelt, der viel Grün ums Globe herum sowie zwischen Pakethalle und Itz vorsieht. Die "Itz erlebbar machen" lautet ein Schlagwort, und Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) machte deutlich, dass es da um mehr geht: Für die "Rahmenplanung Itzauen" findet am 17. Juli der erste Termin zur Bürgerbeteiligung statt.

Dass die Hochschule den Bereich Schlachthof nutzen wird, ist ausgemacht. Dass die Coburger Wirtschaft eine engere Zusammenarbeit mit der Hochschule wünscht, vor allem im Hinblick auf die Fachkräfte-Ausbildung, wurde von Christina Hack (Brose) und Björn Cukrowski (IHK) bekräftigt. "Wir wollen noch viel stärker mit der regionalen Wirtschaft zusammenarbeiten", versprach Hochschulpräsidentin Christiane Fritze.

Es ruhen also viele Erwartungen auf dem Gelände: Es soll mit dem Globe ein "Leuchtturmprojekt" für Oberfranken werden (Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz); es soll junge Leute zum Kommen und Bleiben bewegen, Politik, Hochschule, Wirtschaft und Kreative zusammenbringen. Sehr visionär, aber so sollte die Eröffnung der Designtage auch wirken. Frederik Leberle als Albert durfte die Schlagworte ins Rund rufen: "Gestaltender Wille trifft auf Mut zum Risiko" oder "Wir brauchen keine Profiteure, wir brauchen Entrepreneure".

Den Schluss bildete eine Geschenkübergabe: Professor Holger Falter, Dekan der Fakultät Design, und Markus Neufeld, Geschäftsführer der "Creapolis" der Hochschule im Schlachthof, überreichten dem Erfinder und Chef der Designtage, Auwi Stübbe, eine Albert-Büste. Sie wurde im 3-D-Druck erstellt, und zwar auf Basis einer Vermessung der Albertstatue auf dem Coburger Marktplatz. "Auwi Stübbe - Alberts Erbe" ist auf dem Sockel zu lesen. Das mag eine halbironische Verneigung vor Stübbe sein, der bei den Designtagen schon mehrmals auf die Förderung des Produktdesigns durch den englischen Prinzgemahl verwiesen hat. Dass aber die Fakultät Design Stübbe so beschenkt, zeigt auch, dass sie ihren Frieden mit dem ehemaligen Dekan gemacht hat. Seit Stübbes Ruhestand ist die Hochschule kein Schauplatz der Designtage mehr. Die werden seither allein vom Coburger Designforum Oberfranken veranstaltet, dessen Vorsitzender Stübbe ist. Die Hochschule veranstaltet seither den "Campus.Design open".

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