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Grausame Geschichten aus der Neuensorger Morgensonne

Nina Kutscher aus Neuensorg (Landkreis Coburg) brennt fürs Schreiben und hat jetzt ihr fünftes Buch auf den Markt gebracht.
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Sie hat's gern grausam: Im  dunkelsten Kellereck des Coburger  Landratsamtes  kommt  Nina Kutscher mit ihrem neuen  Buch um die Ecke: "Mutter, Vater, tot".Berthold Köhler
Sie hat's gern grausam: Im dunkelsten Kellereck des Coburger Landratsamtes kommt Nina Kutscher mit ihrem neuen Buch um die Ecke: "Mutter, Vater, tot".Berthold Köhler

Detective Meredith Young hat wieder einen Fall. Diesmal geht es um einen Mord an einem Mädchen, einer kleinen Schönheitskönigin. "Mutter, Vater, tot" heißt der jüngst als Buch und E-Book bei Amazon erschienene Roman von Nina Kutscher, Selfmade-Autorin aus Neuensorg. Im normalen Leben sitzt sie im Büroteam von Coburgs Landrat Sebastian Straubel, mit ziemlicher Sicherheit würde sie auch als Kriminalistin eine gute Figur abgeben. Denn sie geht mit Akribie und Engagement an ihre Geschichten heran.

Auf die Frage, wie viel Nina in Meredith steckt, lacht die 37-Jährige erst mal. Klar, diese Frage musste ja kommen. Ein bisschen muss sie dann aber dennoch überlegen, bis sie die entscheidende Gemeinsamkeit griffig formuliert bekommt: "Sie ist auch so ein engagierter Typ wie ich und brennt für ihren Job." Nina Kutscher brennt nicht nur für ihren Job im Landratsamt, sondern auch fürs Schreiben. Bei ihren Recherchen holt sie sich mit großen Aufwand Hintergrundinformationen von Spezialisten zusammen, was zu einem für Außenstehende durchaus skurrilen Bekanntenkreis führt. Leichenpräparator Alfred Riepertinger oder der ehemalige Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wilfling, gehören dazu - beide waren deshalb auch schon zu Lesungen im Coburger Landratsamt zu Gast.

Lesen Sie hier, mit wem die Autorin schon zusammengearbeitet hat

Ihr fünftes Buch zieht die Autorin mit besonderem Stolz aus der Tasche. Denn erstmals hat ein im Self-Publishing erschienener Kutscher-Roman ein grafisch gestaltetes Cover. Das hat ihre Kollegin Christine Chimienti aus dem Landratsamt entworfen, die zum Dank dafür zu einem Teil der Geschichte geworden ist. Auch die "Leute mit richtig guten Deutsch-Kenntnissen", die "Mutter, Vater, tot" vor der Veröffentlichung gegengelesen haben, stammen aus dem Kollegen- und Freundeskreis. "Aber alles nur in der Freizeit", betont die 37-Jährige mit jetzt ausnahmsweise mal ernstem Blick. So ist das halt beim Self-Publishing: Alles muss man selber organisieren.

Es kommt ein Heimatkrimi

Es hat freilich auch Vorteile. Einen Verlag, der Druck macht und Veröffentlichungstermine vorab festlegt, hat Nina Kutscher nicht. Sie findet das okay: "Da muss ich mich nicht zum Schreiben zwingen." Dafür fehlt halt der strenge Blick der Lektoren. "So eine Handvoll Fehler", hat die Neuensorgerin erst jüngst von einer Kollegin erfahren, sind deshalb in ihrem Buch. Das fuchst die Autorin freilich, aber es trifft sie nicht gerade bis ins Mark. Sie kann da sogar schon wieder lachen und sagen: "10 Fehler auf 235 Seiten sind doch für einen Nicht-Profi mehr als erträglich, oder?"

"Mutter, Vater, tot" mit einem fünfjährigen Opfer, dazu noch basierend auf einer wahren Geschichte - Nina Kutschers fünfter Roman klingt düster. Nichts für die Weihnachtszeit, oder? Doch, doch, meint die Autorin: "Alleine schon deshalb, weil die Geschichte zur Weihnachtszeit spielt." Aber sie räumt auch ein, dass der Titel und die Ereignisse im Buch nicht unbedingt besinnlich sind. Sie sind ja auch im Sommer entstanden. Da sitzt die 37-Jährige am liebsten nach der Arbeit oder an freien Tagen morgens auf ihrer Terrasse und schreibt in der Sonne drauflos. Ja, so kann man das sagen, fasst die Autorin nach kurzer Abwägung zusammen: "Ich schreibe gerne in der Früh grausame Geschichten." Ein halbes bis ein Dreivierteljahr dauert es, bis ein Projekt durch ist. Wenn, wie bei "Mutter, Vater, tot", eine wahre Begebenheit den Grundstock bildet, ein bisschen schneller.

Also dauert es wahrscheinlich nicht mehr lange, bis das sechste Werk von Nina Kutscher auf den Markt kommen wird. Josef Wilfling (der einst den Sedlmayr-Mord aufklärte) hat sie auf einen wahren Fall aus einem Ort in Franken gebracht, der selbst den erfahrenen Kriminalisten bis heute noch nicht losgelassen hat. "Ein Heimatkrimi", sagt die Autorin, wird daraus werden. Da hat sie mit "Von Kindesbeinen an" ja auch schon einen geschrieben. Vermutlich wird das nächste Projekt eine Kooperation des Autoren-Duos Wilfling/Kutscher, mit ein bisschen Glück sogar mit einem renommierten Verlag als Herausgeber. Klappt das nicht, macht's Nina Kutscher dann halt im Alleingang: "Ich schreibe ja nicht, um Millionärin zu werden." Sondern weil sie dafür brennt.

Was Nina Kutscher schon geschrieben hat

Bücher: Von Nina Kutscher sind bereits erschienen - "Des einen Freud, des anderen Leid" (veröffentlicht: Oktober 2013); "Muttermord" (August 2014); "Von Kindesbeinen an" (September 2015); "Liebe ist ewig, Rache ist tödlich" (April 2017).

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