Coburg
Spraykunst

Graffiti in Coburg. Wie bunte Kunst vor Schmiererei schützt

Wo Graffiti-Künstler in Coburg ihre Spuren hinterlassen haben - auf ganz legale Weise.
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Graffiti "Je suis Paris" von Alex Reuther an der Judenberg-Unterführung in Coburg.Foto: Jochen Berger
Graffiti "Je suis Paris" von Alex Reuther an der Judenberg-Unterführung in Coburg.Foto: Jochen Berger
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Taugt Coburg als Freiluft-Galerie? Auf den ersten Blick natürlich nicht. Coburg ist schließlich keine Großstadt, in der an in vielen Ecken, an vielen Hauswänden und sonstigen erreichbaren Flächen Graffiti-Künstler ihre Spuren schneller hinterlassen, als sie entfernt werden können.

Und doch finden sich in Coburg spannende Beispiele für Graffiti-Kunst.

Vieles davon freilich ist nicht in illegalen Nacht- und Nebel-Aktionen entstanden, sondern ganz offiziell mit Genehmigung - manches wurde gar als Auftragsarbeit geschaffen.

Die größte Aufmerksamkeit hat Alex Reuther (50) gefunden mit seiner wandfüllenden Arbeit "Je suis Paris". Das Graffito war seine Reaktion auf den Terroranschlag im November 2015 in Paris, der mehr als 130 Tote gefordert hatte.

Mit Genehmigung gesprayt

Alex hatte seine Spraykunst in der der Judenbergunterführung mit Genehmigung der Behörden aufgetragen - und musste dann erleben, wie seine Arbeit im Winter 2016 kurz hintereinander zweifach mit Schmierereien teilweise übermalt wurde.

Die Genehmigung für sein "Je suis Paris"-Wandgemälde hatte Alex Reuther seinerzeit übrigens auf Nachfragen beim Straßenbauamt und beim Ordnungsamt auf gänzlich unbürokratisch schnelle Weise erhalten.

Dass sich mit Graffiti-Kunst auch schnöde Technik-Gebäude witzig und farbenfroh verwandeln lassen, bewies Alex Reuther mit seiner Umgestaltung eines Trafo-Häuschens der Städtischen Werke (SÜC) am Hof der Coburger Berufsschule in der Kanalstraße. Dabei stellte er nicht nur die Ausbildungsmöglichkeiten an der Berufsschule anschaulich dar, sondern hinterließ auch großformatig seinen künstlerischen Fingerabdruck als "Sprayer über Coburg".

Bunte Alternative

Für die Städtischen Werke hat sich in diesem ganz konkreten Fall die Variante mit Spraykunst übrigens auch in ganz praktischer Hinsicht gelohnt, freut sich Alex Reuther. Denn seitdem wurde das vorher regelmäßig verschmierte Trafo-Häuschen nicht mehr zum Ziel von unerwünschten Farbattacken, erzählt der Sprayer. Auch Bus-Wartehäuschen hat Alex Reuther mit seiner bunten Spraykunst schon im offiziellen Auftrag verziert - beispielsweise in Neuses aus Anlass des Luther-Jubiläums.

Dass Zweckbauten bunte Verschönerung gut vertragen können, zeigt sich beispielsweise auch an der Itz am Beispiel der Luftmess-Station des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz. Manuela Schüller ließ dort auf der an sich kahlen Wand eine grüne Wiese wachsen mit munter sprießendem Löwenzahn, gekrönt von der Veste Coburg. Als Alternative zum kahlen Einblick einer Mauer wurde auch die das Postgelände zum Lohgraben hin begrenzende Mauer bei einer Aktion 2010 in eine riesige Malfläche für gesprühte Kreativität verwandelt.jb



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