Coburg
Denkanstöße

Gottesdienst in Coburg beleuchtete Liebe und Sexualität

Beim Sommergottesdienst auf Schloss Callenberg in Coburg verbinden sich Andacht und Musik auf wunderbare Weise.
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Pfarrer Ralph Utz (vorn) und die Gottesdienstbesucher lauschten den Klängen der "Crazy Ladies" (mit Keyboard und Akkordeon). Foto: Edwin Meißinger
Pfarrer Ralph Utz (vorn) und die Gottesdienstbesucher lauschten den Klängen der "Crazy Ladies" (mit Keyboard und Akkordeon). Foto: Edwin Meißinger
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"Kann denn Liebe Sünde sein?", lautete der Titel des jüngsten Sommergottesdienstes, zu dem die evangelische Kirchengemeinde St. Matthäus Coburg in die Schlosskapelle von Schloss Callenberg eingeladen hatte. Am vergangenen Sonntagnachmittag spürte Pfarrer Ralph Utz dieser Frage zusammen mit den Gottesdienstbesuchern nach. Musikalisch wurde er dabei vom Tenor Dirk Mestmacher, Sänger am Coburger Landestheater, und der fünfköpfigen Ladygroup "Crazy Ladies" unterstützt.

Pfarrer Utz bedauerte zu Beginn des Gottesdienstes, dass sich in der frühen Christenheit eine gewisse Leibfeindlichkeit sich eingeschlichen habe. So seien zum Beispiel Bibeltexte aus dem Alten Testament, dem bekannten Hohen Lied der Liebe, nicht mehr auf Mann und Frau gedeutet worden, sondern man habe den Text allegorisch (sinnbildlich) auf das Verhältnis zwischen Gottes Sohn und seine Gemeinde bezogen. Pfarrer Utz las Passagen aus dem Hohelied Salomos. So steht beispielsweise in Hohelied 8: "Ich wollte dich führen und in meiner Mutter Haus bringen, in die Kammer derer, die mich gebar. Da wollte ich dich tränken mit gewürztem Wein und mit dem Most meiner Granatäpfel. Seine Linke liegt unter meinem Haupt, und seine Rechte herzt mich. Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, dass ihr die Liebe nicht aufweckt und nicht stört, bis es ihr selbst gefällt. - Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine gewaltige Flamme." Der Pfarrer verwies darauf, dass die Menschen von Gott als geschlechtliche Wesen geschaffen worden seien und Sexualität eine gute Gabe sei.

Wo fängt Sünde an?

Da die Sexualität ihre ganz eigene Schönheit und auch Anziehungskraft habe, gelange man fast automatisch auch zur Frage: "Was darf man machen oder nicht?" Hier warnte Pfarrer Utz davor, den anderen womöglich zu verurteilen, weil er seine Sexualität anders auslebe, als man selbst dies tue. "Es geht weniger darum, was getan wird, sondern, wie es getan wird." Werde Gewalt dem Partner gegenüber angewendet, würden Kinder missbraucht oder der Partner nur wie eine Ware angesehen, die man nutzen könne, ohne auf die Gefühle des anderen einzugehen, dann sei es Sünde. Die Sexualität sei ein Trieb, der fest in uns verankert sei, ansonsten wäre die Menschheit womöglich schon ausgestorben. Als Menschen würden wir immer wieder sündigen, wenn wir unser Leben gestalteten. Ein skrupelloses Drauflossündigen unter dem Motto,Gott wird es schon richten‘ sei der verkehrte Weg. "In unserem Leben sollten wir uns von Versagen und Schuld nicht entmutigen lassen, sondern mit unserer Schuld immer wieder zu Gott gehen, da er uns liebt und uns helfen möchte", sagte der Pfarrrer.

Mestmacher sang Lieder wie "Ich tanze mit dir in den Himmel hinein, in den siebenten Himmel der Liebe". Bei diesem Walzer sagte der Pfarrer, dass auch getanzt werden könne, und lud dazu ein. Jedoch traute sich keiner der Gottesdienstbesucher in den Walzer-Wiegeschritt. Allerdings sangen einige Gäste den Refrain mit und auch beim Liebeslied von Elvis Presley "Can't help falling in love with you", stimmten einige mit verklärtem Blick in den Gesang Mestmachers ein. Begleitet wurde Mestmacher und an anderer Stelle auch die gottesdienstlichen Lieder von den "Crazy Ladies". Diese fünf Damen zwischen 60 und 80 Jahren waren allesamt Schülerinnen der Musikwissenschaftlerin Karin Meyer-Jungclaussen. "Die Musik war und wurde zu einem festen Bestandteil unseres Lebens und so hat sich aus uns ein richtige ,Ladygroup‘ entwickelt", erklärten die Musikerinnen ihre Entstehungsgeschichte.

Der nächste Sommergottesdienst in der Kapelle von Schloss Callenberg findet am 21. Juli statt.

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