Coburg
Ausstellung

Gläsern und doch so lebendig in der Rosenau

Die weltweit größte und bedeutendste Sammlung von Werken Fulvio Bianconis nennt das Europäische Museum für Modernes Glas jetzt sein Eigen.
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ulvio Bianconis Glasfiguren und -objekte sind jetzt im Besitz des Europäischen Museums für Modernes Glas in der Rosenau. Carolin Herrmann
ulvio Bianconis Glasfiguren und -objekte sind jetzt im Besitz des Europäischen Museums für Modernes Glas in der Rosenau. Carolin Herrmann
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Das nennt man Glück aus heiterem Himmel: Das Europäische Museum für Modernes Glas in der Rosenau erhielt vor zwei Jahren einen Anruf und nennt jetzt die weltweit größte Bianconi-Sammlung ihr Eigen. Die Coburger Kunstsammlungen haben sie geschenkt bekommen. Von dem Bonner Ehepaar Ursula und Rainer Losch. Kaufen hätten sie diese Sammlung nicht können, aus finanziellen Gründen, vor allem aber auch, weil diese Zusammenstellung selbst ein über 30 Jahre hinweg entstandenes Kunstwerk über die Kunstwerke des in Venedig tätigen Grafikers Fulvio Bianconi ist. Der gilt als einer der einflussreichsten Entwerfer seiner Zeit und prägend für die Blütezeit der venezianischen Glaskunst der 1950er bis 70er Jahre.

In einer Sonderausstellung sind jetzt Fulvio Bianconis Harlekins und Commedia dell arte-Figürchen, seine zierlichen und so lebendig präsent wirkenden Karnevals-Charaktere, seine Gefäße in einzigartiger Handschrift, seine richtungsweisenden Experimente in der Rosenau zu erleben. Zwischen Entzücken über den farbig leuchtenden Witz und Staunen über die Kunstfertigkeit, mit der das gnadenlose Material Glas zu solcher Ausdruckskraft, Raffinesse und Erzählkunst geblasen werden konnte, bewegt man sich durch gut die Hälfte der Sammlung Ursula und Rainer Losch, die anderen etwa 150 Werke werden in Zukunft immer wieder mal in Teilen gezeigt.

Direktor Sven Hauschke betont den besonderen Wert dieser Schenkung für die Kunstsammlungen auf der Veste Coburg, zu denen das Europäische Museum für Modernes Glas in der Rosenau gehört. Das hat damit sein Potenzial erweitert auf die bisher kaum präsente Kunst der Entwerfer im Bereich Glas.

Fulvio Bianconi (1916 - 1996) war ein begabter Zeichner, der an Paolo Venini, einen der führenden Hersteller von Murano-Glas, geriet. Für ihn, aber nicht nur für ihn, fertigte Bianconi Hunderte von originellen Entwürfen, die dann in seiner unmittelbaren Anwesenheit von den besten Glasmeistern geblasen wurden.

Große Kunstfertigkeit

Dass sich dieser gläserne Akrobat so proportionsgerecht, so detailgetreu und vor allem so ausdrucksstark biegt, lässt den Betrachter einfach nur ehrfürchtig staunen, bedenkt man, dass das flüssige Glas freihand so zur Figur geformt wurde, dass zu keinem Zeitpunkt, an keiner Stelle korrigiert werden konnte und dass vielfältige Spannungsprozesse zu überwinden sind, die ein solches Kunstobjekt bei der Entstehung bedrohen.

Auch in der (Klein-)Serie ist jedes gefertigte Exemplar ein Unikat, äußerst begehrt auf dem internationalen Sammlermarkt. Ursula und Rainer Losch, persönlich anwesend zur Ausstellungseröffnung, haben ihren Objekten der Begierde um die ganze Welt nachgejagt, bis nach Tasmanien, schmunzelt Rainer Losch, durchaus aber auch bis unmittelbar in die Familie Bianconi selbst hinein, von der man Kunstwerke erhielt, die nie zum Verkauf vorgesehen waren.

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